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Bildung
Plädoyer für mehr Austausch

20.04.2017 |

Studieren im Ausland, mittlerweile ist das ziemlich normal. Allerdings ist es nicht selbstverständlich – Experten beklagten im Bundestag, dass die internationale Ausrichtung von Bildung und Forschung zunehmend unter Druck gerät.

Maedchen mit Globus

Die Bildungsreise geht nach ... Jerusalem? – © picture alliance/Beyond

"Seit dem Brexit und der Wahl von Donald Trump ist die Internationalisierung der Wissenschaft kein selbstverständliches Prinzip mehr." Das sagte Dr. Britta Baron von der University of Alberta (Kanada) am 29. März vor dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Die Internationalisierung der Wissenschaft also, klingt erst mal nicht besonders spannend. Wir erklären trotzdem, was es damit auf sich hat. Denn die Frage, ob man zum Beispiel während des Studiums ein oder mehrere Auslandsemester einschiebt und warum, stellt sich ja wahrscheinlich der eine oder die andere.

Regierung: Internationalisierung = Wettbewerbsvorteil

Offenbar sei diese Internationalisierung kein Selbstläufer mehr, Sinn und Zweck mehr und mehr erklärungsbedürftig, schreibt die Bundesregierung in einem Strategiepapier. Dennoch müsse die internationale Zusammenarbeit im Bereich von Forschung und Lehre unbedingt weiter vorangetrieben werden, um im weltweiten Wettbewerb bestehen und globale Probleme lösen zu können. Die Bundesregierung will Deutschlands Position als international attraktiver Studien- und Forschungsstandort festigen, außerdem würde eine internationale Vernetzung einen wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil bringen.

Darum solle es auch in der Berufsbildung Kooperationen mit anderen Ländern geben und die Auszubildenden sollen in Zukunft ähnlich mobil werden wie es Studierende heute schon sind. Außerdem sollen Qualifikationen ausländischer Fachkräfte bei uns leichter anerkannt werden. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa bleibe ein wichtiges Ziel.

Grüne: Internationalisierung = Völkerverständigung

Nicht nur den eigenen Wettbewerbsvorteil haben die Grünen in einem Antrag im Blick, in dem es ebenfalls um die Internationalisierung geht. Die Beziehungen, die Wissenschaftler knüpfen, "schlagen Brücken zwischen Gesellschaften. Sie öffnen Gesellschaften nach außen und befördern Pluralismus", schreibt die Fraktion. "Wissenschaftskooperationen zu pflegen, wirkt auch friedenssichernd. Denn konstruktiver, wissenschaftlicher Dialog ist Teil aktiver Völkerverständigung", heißt es weiter. Allerdings stünden auch Wissenschaftler immer stärker unter Druck. In vielen Ländern würden kritische Wissenschaftler entlassen, mit Arbeitsverbot belegt, bedroht, unter Hausarrest gestellt, inhaftiert oder gar getötet. Und in Europa schürten (rechts-)populistische Strömungen wissenschaftsfeindliche Stimmungen, meinen die Grünen.

Zu spitz statt breit

Sämtliche geladenen Experten fanden es ebenfalls wichtig, im Bereich der Bildung und Forschung international zusammenzuarbeiten. Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), meinte, Deutschlands duales, beschäftigungsorientiertes Berufsbildungssystem genieße weltweit enormes Ansehen. Die Beratung durch sein Institut werde international nachgefragt, das BIBB unterhalte Kooperationen mit 30 Ländern.

Mandy Gratz vom freien Zusammenschluss von StudentInnschaften (fzs), übte aber auch Kritik an den aktuellen Zuständen. Ihrer Meinung nach werde zu sehr auf die Spitzenförderung geschaut, die breite Masse aber sich selbst überlassen: Nach wie vor gingen eher Studenten aus besser situierten Haushalten ins Ausland. Bei den anderen, die BAföG bezögen, sei der Druck zu groß das Studium sehr zügig abzuschließen.

Transnationale Universitäten unter Druck

Prof. Dr. Dorit Schumann von der German-Jordanian University Amman betonte den Wert von transnationalen und binationalen Universitäten wie ihrer eigenen. Die positiven Effekte dieser Projekte sehe sie vor allem im besseren interkulturellen Verständnis und der Bildung von Netzwerken über Ländergrenzen hinweg.

Prof. Dr. Helmut Schwarz von der Alexander von Humboldt-Stiftung beklagte, dass internationale Organisationen zunehmend in Frage gestellt würden. Wissenschaft müsse in Zukunft mehr für gesellschaftliche Offenheit in Deutschland, in Europa und weltweit tun. Wissenschaft bringe Menschen in einem Klima gleichberechtigten Austausches zusammen, so Schwarz, und schaffe so Vertrauen.

(DBT/ah)

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