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Verkehr
Vorfahrt fürs Rad

19.04.2017 |

Die Grünen wollen mehr Menschen zum Radfahren bringen und haben dafür herausgefunden, was Verkehrsteilnehmer aktuell daran hindert, Zweiräder zu nutzen. Das sind ihre Forderungen an die Bundesregierung.

Lastenrad

Lastenräder bringen nicht nur den Wasserkistentransport in Schwung – sondern auch die Blumenfee. – © picture alliance

Radfahren in Deutschland, das ist nur was für Abenteuerlustige. Die Grünen sagen das in einem Antrag, den die Abgeordneten am 31. März in Erster Lesung beraten haben, zwar etwas durch die Blume, beschreiben die Zustände auf deutschen Radwegen aber wie folgt: "Die Radinfrastruktur befindet sich vielerorts in einem unzureichenden Zustand. Während für Autofahrer meist problemlos zu erkennen ist, wo gefahren werden muss, finden Radfahrer einen schwer verständlichen Flickenteppich von Führungsformen vor: von schmalen Bordsteinradwegen mit oder ohne Benutzungspflicht über konfliktträchtige gemeinsame Geh- und Radwege bis hin zu häufig zugeparkten Schutzstreifen oder gänzlich fehlender Radinfrastruktur."

Ein Viertel aller Wege

Gegen solche Zustände, finden die Grünen, sollte die Bundesregierung dringend etwas tun. Zuerst, so die Idee, muss eine konkrete Zielvorgabe her: Im Jahr 2030 sollen die Deutschen 25 Prozent aller Wege, die sie gehen oder fahren, mit dem Fahrrad bewältigen. Viele dieser Wege legen die Leute bislang mit dem Auto zurück, was auf Dauer nicht gut fürs Klima ist. Um einen "Mobilitätswandel" herbeizuführen, legen die Grünen nun diese Zielvorgabe vor, die die Bundesregierung in den "nationalen Radverkehrsplan" schreiben soll.

10.000 Lastenräder

Zielvorgaben allein bringen allerdings wenig. Deshalb schlagen die Grünen ein paar konkrete Maßnahmen vor, um diesen "Mobilitätswandel" zu erreichen und haben dafür vorher in Erfahrung gebracht, welche Umstände die Leute dazu bringen, ins Auto zu steigen, anstatt sich aufs Rad zu setzen. Da wären zum Beispiel: schwere Lasten, lange Wege – und Fahrraddiebe.

Eine Kiste Sprudel lässt sich mit dem Rad nur schlecht transportieren, zwei Kisten schon gar nicht. Mit einem Lastenrad wäre das allerdings kein Problem, man braucht dazu kein Auto. Aber wer hat schon ein Lastenrad im Keller stehen? Helfen soll ein Förderprogramm für E-Lastenrad-Sharing-Konzepte, das soll dem Aufbau von 2.000 E-Lastenrad-Verleihstationen dienen – mit insgesamt 10.000 solcher Lastenräder. Was nicht ganz billig wird, denn so ein Ding kostet mindestens 1.000 Euro.

Bahn soll mehr für Radler tun

Für die langen Wege wollen die Grünen, dass die Bundesregierung – in ihrer Rolle als Eigentümerin – die Deutsche Bahn AG verpflichtet, in allen ihren Zügen die Fahrradmitnahme möglich zu machen. An Bahnhöfen soll die Bahn außerdem mehr sichere Abstellanlagen bauen und Fahrradverleihstationen installieren.

Mehr Geld für Radwege

Das ist natürlich alles gut und schön, hilft aber wenig, wenn es keine Wege gibt, auf denen man mit dem Rad sicher und schnell vorankommt. Die Grünen-Fraktion veranschlagt 200 Millionen Euro pro Jahr für Radwege an Bundesstraßen und 100 Millionen Euro pro Jahr für die Mitfinanzierung von Radschnellwegen. Für erstere gab es im Jahr 2016 die knappe Hälfte, nämlich 98 Millionen – für Autobahnen und Bundesstraßen hingegen sechs Milliarden Euro.

Öfter mal Tempo 30

Aber auch Radwege sind nur die halbe Miete, wenn man darauf nicht vorankommt, weil Autofahrer im Alltag immer Vorfahrt haben. Zum Beispiel sind Ampelphasen meist auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet und Radfahrer werden eher ausgebremst. Für die aber ist Stop and Go an der Ampel echt mühsam, weil es Kraft kostet. Darum wollen die Grünen nun auch die Straßenverkehrsordnung umfassend erneuern und stärker an öffentlichem Verkehr sowie Rad- und Fußverkehr ausrichten. Zum Beispiel – das wird Auto- und Mopedfahrer jetzt weniger freuen – soll die Höchstgeschwindigkeit innerorts öfter mal auf 30 km/h heruntergesetzt werden.

Welche von all diesen Ideen irgendwann Realität werden, wird sich zeigen. Nach der Ersten Lesung des Antrags wandert der nun erst einmal in den Verkehrsausschuss. Die Fraktionen fanden den Antrag nämlich in Ansätzen alle gut. Vor allem die Kritik an der Verkehrspolitik der Bunderesgierung wollten allerdings die Koaltionsfraktionen so nicht stehen lassen.

Koalition: Kritik nicht angebracht

Gero Sterjohann (Union) sieht die Bundesländer in der Pflicht. "Wir sind uns einig, dass es wichtig ist, mehr Leute aufs Rad zu kriegen", so der CDU-Politiker. Viele der Vorschläge seien allerdings jetzt schon möglich. "Die Länder müssen einfach machen", sagt er. Der Bund gebe den Ländern die nötige Finanzierungs- und Planungssicherheit.

Auch Stefan Zierke (SPD) verteidigt zunächst die Arbeit des Parlaments: "Es ist nicht richtig, dass wir hier nicht bereits über Radverkehr gesprochen hätten." Zierke lobt den Antrag, hält aber vor allem die Mobilität auf dem Land für nicht ausreichend repräsentiert. Das Konzept der Lastenfahrräder funktioniert seiner Meinung nach vor allem in den Städten.

Linke: Bisher zu langsam

Sabine Leidig (Linke) ergänzt: "Es reicht nicht, radtaugliche Urlaubsregionen zu haben. Der Alltag muss fahrradfreundlicher werden." Sie erinnert an die vielen Fahrradtoten und -verletzten. "Es passiert viel, aber bisher zu wenig und zu langsam!"


(DBT/ah)

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