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Die Autorin

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Laura Heyer (25)
macht ein Volontariat bei bundestag.de und dem Parlamentsfernsehen

 

Die Autorin

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Eva Bräth (32)
ist Volontärin bei der Zeitung "Das Parlament" und beim Pressedienst "heute im Bundestag"

Steinmeier ist Bundespräsident
Selfies mit den Stars

12.02.2017 |

931 Mitglieder der Bundesversammlung haben den ehemaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt. Laura und Eva waren mit dabei.

Olivia Jones, Angela Merkel, Joachim Löw

Es war einiges los im Plenum. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Drag-Queen Olivia Jones nutzten die Zeit für ein gemeinsames Foto. – © dpa

Merkel gratuliert Steinmeier

Die Kanzlerin gratuliert dem neuen Staatsoberhaupt: Der Bundespräsident steht in der Rangordnung theoretisch über ihr. – © DBT

Bundestagspräsident Lammert

Bundestagspräsident Norbert Lammert leitete auch die Bundesversammlung. Er ist der zweithöchste Mann im Staate. – © DBT

Er will der Mutmacher sein. Mit Optimismus startet der frischgewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in sein neues Amt. Deutschland sei für viele in der Welt ein Anker der Hoffnung, sagte er kurz nach seiner Wahl am 12. Februar im Bundestag.

Mutig sein

Nicht weil hier alles gut sei, aber die deutsche Gesellschaft habe gezeigt, dass es besser werden könne, sagte Steinmeier, der Joachim Gauck nachfolgt, dessen Amtszeit am 18. März endet. "Lasst uns mutig sein, dann jedenfalls ist mir um die Zukunft nicht bange", war seine zentrale Botschaft. Steinmeier strahlte und winkte in das Plenum, die Delegierten spendeten lang anhaltenden Applaus.

Mit dem Wahlergebnis ist Steinmeier offensichtlich zufrieden. Mit 931 Stimmen hat sich eine deutliche Mehrheit für den gemeinsamen Kandidaten von SPD und Union ausgesprochen. 1260 Wahlfrauen und -männer konnten ihr Kreuz bei einem der fünf Bewerber um das höchste Staatsamt machen.

Promis aus Sport und Musik

Der Bundespräsident wird nach Artikel 54 des Grundgesetzes von der Bundesversammlung gewählt. Dieses "nicht ständige Verfassungsorgan", dessen einzige Aufgabe die Wahl des Staatsoberhauptes ist, besteht je zur Hälfte aus den Abgeordneten des Bundestages und aus ebenso vielen Vertretern der Bundesländer.

Aus den Landtagen können neben Abgeordneten auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie Künstler oder Sportler, nominiert werden. In diesem Jahr wählten beispielsweise die Frontfrau der Band Silbermond Stefanie Kloß und Fußballbundestrainer Joachim Löw mit.

Wie Wrestling

"Ich beschreibe es gern wie eine Wrestlingshow", sagt Youtuber und Blogger Tilo Jung, der für die Piraten-Partei in Nordrhein-Westfalen mitwählte. "Man wird unterhalten, aber das Ergebnis steht halt schon vorher fest". Im Interview mit mitmischen.de gab er einige Tage vor der Wahl an, noch nicht entschieden zu haben, wem er seine Stimme gibt.

Merkel in senfgelb

Eng wurde es nicht im Rennen zwischen den Kandidaten, sondern höchstens für die Wahlmänner und -frauen im Plenarsaal. Denn statt der 630 Bundestagsabgeordneten musste unter der Kuppel an diesem Tag die doppelte Anzahl von Wahlleuten Platz finden. Die blauen Abgeordnetenstühle waren deswegen im Vorfeld bereits ausgebaut, platzsparendere schwarze Stühle eingebaut worden. Zwischen dem üblichen schwarz, blau und grau der Anzüge stachen an diesem Tag immer wieder "bunte Tupfer" hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich für einen senfgelben Blazer entschieden, der bei den Journalisten zu Diskussionen führte.

Schon als um zehn Uhr auf dem Friedrich-Ebert-Platz vor dem Reichstagsgebäude die schwarzen Limousinen von Politikern und VIPs vorfahren, ist die Stimmung entspannt. Nur wenige Journalisten tummeln sich vor dem Osteingang des Reichstages. Alle rechnen mit einem schnellen Wahlausgang, denn die Mehrheitsverhältnisse sind klar. SPD, CDU und CSU entsenden immerhin 923 der 1260 Delegierten in die Bundesversammlung.

Steinmeier klarer Favorit

Steinmeier, gemeinsamer Kandidat von SPD und Unionsparteien, kann außerdem mit Stimmen aus den Reihen der Grünen (147 Wahlleute) und der FDP (36 Wahlleute) rechnen. Beide Parteien hatten Zustimmung signalisiert und auf eigene Kandidaten verzichtet. Auch Prominente hatten sich beim Zusammentreffen der Fraktionen am Samstag mehrheitlich für Steinmeier ausgesprochen, etwa Entertainer Hape Kerkeling und Schauspielerin Veronika Ferres.

Schokoriegel und Kekse

Wo sonst die Fraktionen tagen, tummeln sich am Wahltag zahlreiche Journalisten und Kamerateams. Gesichter werden abgepudert und Scheinwerfer aufgestellt, während die Medienvertreter auf die Delegierten warten. Auch wenn alle immer wieder betonen, dass es nur einen Wahlgang geben soll, sind die Journalisten gut ausgestattet.

Packungen mit Schokoriegeln und Keksen stapeln sich auf den schwarzen Ledersitzen vor den Fraktionssälen. Lutz van der Horst von der "heute Show" pirscht sich an Claudia Roth (Grüne) heran, die gerade den Fraktionssaal der Grünen verlässt. Gegen 11.30 Uhr sammeln sich Trauben von Delegierten vor den vier Aufzügen. Es geht los in den Plenarsaal. Nur ganz geübte Wähler trinken noch in Ruhe einen Kaffee an der Bar.

Niemand ohne Karte

Im Aufzug herrscht trotz Enge gute Laune. Man spricht über die Berlinale. Die Delegierten erkennt man an ihrem weißen Plastikausweis mit dem Bundesadler. Ohne diese Karte kommt heute niemand in den Plenarsaal – darauf achten an jedem Eingang mindestens drei Polizisten.

Während die Delegierten in den Plenarsaal strömen, tummeln sich die Presseteams vor dem Saal und auf der Pressetribüne. Bevor die Sitzung losgeht, unterhalten sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Schauspielerin Veronika Ferres angeregt. Die Verlegerin und Witwe von Journalist Axel Springer, Friede Springer, stößt dazu. Um 12.35 Uhr beginnt die Abstimmung: alle 1260 Delegierten werden namentlich und in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen. Nach der Abstimmung dürfen sie den Plenarsaal verlassen – schließlich dauert das Prozedere länger als eine Stunde.

Sender sind vor Ort

Im Foyer vor dem Plenarsaal haben alle großen Fernseh- und Rundfunkanstalten ihre Studios aufgebaut. Eine Aufnahmeleiterin sagt: "Iris Berben geht erst zur ARD und kommt dann zu uns." Die Schauspielerin wurde von der SPD als Wahlfrau nominiert.

Drei Teams von RTL verfolgen hartnäckig alle Prominenten und machen das Durchkommen für andere Journalisten schwer. Es herrscht dichtes Gedränge und es geht hektisch zu. Als um 14.45 Uhr der Gong ertönt, sind viele überrascht. Einige haben es nicht mehr geschafft, sich eine Brezel oder einen Kaffee zu holen. Aber jetzt geht es mit der Verkündung des Ergebnisses weiter.

128 Stimmen für Butterwegge

"Es wurden 1253 Stimmen abgegeben, davon 14 ungültige Stimmen", sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU/CSU). "128 Stimmen sind auf Christoph Butterwege entfallen". Der Kandidat der Linkspartei hat mehr Stimmen als die seines Lagers bekommen und erntet kräftigen Applaus der Linken.

42 Stimmen für Glaser

Als 42 Stimmen für den AfD-Kandidaten Albrecht Glaser verkündet werden, geht ein Raunen durch den Plenarsaal. Der Kandidat der Freien Wähler Bayern, der Kommunalpolitiker und Fernsehrichter Alexander Hold, erhält 25 Stimmen. Renter Engelbert Sonneborn, erst wenige Tage vor der Wahl von seinem Sohn, dem Satiriker und Europaabgeordneten Martin Sonneborn ernannt, erzielte zehn Stimmen.

Nachtisch für alle

Um 15.30 Uhr stehen rund 4.000 Nachtische bereit. Gäste, Ehrengäste und Delegierte haben sich schon vor einer halben Stunde zum Empfang im Paul-Löbe-Haus eingefunden. Im Nebengebäude des Reichtagsgebäudes, wo sonst die Ausschüsse tagen, wird an diesem Tag auf den neuen Bundespräsidenten angestoßen.

Niko, 21, Wahlmann

"Es war eine tolle Bundesversammlung. Im Vorfeld und jetzt auch danach war es eine sehr gute Stimmung", sagt Niko Kappel, mit 21 Jahren jüngster Wahlmann der Bundesversammlung. Er hat sich ausführlich auf die Wahl vorbereitet. "Ich denke grundsätzlich, dass Steinmeier eine gute Person für den Job ist. Der Bundespräsident hat eine repräsentative Rolle in unserer Demokratie. Er kann mit Worten bewegen und sollte überparteilich sein." Steinmeier sei mit seiner ruhigen Art genau der richtige, sagte Kappel.

Selfies mit Olivia

Der Wahlsieger ist in der Zwischenzeit noch nirgends zu sehen. Zwischen unzähligen grauen Anzügen, bunten Einstecktüchern und Sektgläsern machen hier sogar Politiker Selfies mit Stars wie der Travestie-Künstlerin Olivia Jones.

Als sich das Foyer schon ein wenig geleert hat, bildet sich plötzlich eine Menschentraube auf der Spreeseite. Frank-Walter Steinmeier lächelt immer noch und nimmt geduldig Gratulationen entgegen. Der 61- Jährige, der bis zu seiner Nominierung Außenminister war, freut sich sichtlich auf seine neue Aufgabe.

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