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Bahnverkehr
Im Sitzen durch die Nacht

17.02.2017 |

Die Bahn schafft die Nachtzüge ab – weil sie kein Geld bringen. Stattdessen sollen Bahnkunden nun nachts im Sitzen reisen. Die Linke findet das nicht schön und will per Antrag die Nachtzüge retten.

Frau in Nachtzug

Verglichen mit Billigfliegern sind Nachtzüge der reine Luxus. – © dpa

Eigentlich eine geniale Idee für jeden, der gerne reist: Man steigt abends in einen Zug, legt sich, wenn es Zeit ist, darin schlafen und wenn man morgens aufwacht, ist man am Ziel. Ist (im Idealfall) billiger als Fliegen, deutlich klimafreundlicher und auch bequemer. Jahrzehntelang war das mehr als nur eine Idee: Tausende von Menschen reisten im Schlaf durch Europa – und zwar in sogenannten Nachtzügen. Nun sind die etwas aus der Mode gekommen, die Deutsche Bahn hat Anfang des Jahres ihren letzten Nachtzug abgeschafft. "Musste das sein?", fragt die Linke und stellte einen Antrag mit dem Titel: "Die Nachtzüge retten – Klimaverträglichen Fernreiseverkehr auch in der Zukunft ermöglichen". Am 15. Februar diskutierten verschiedene Experten im Verkehrsausschuss über das Thema.

Wer sparen will, schläft auch gern im Sitzen

Zuerst mal die Frage aller Fragen: Warum genau will die Deutsche Bahn AG (DB) den klassischen Nachtzugverkehr mit Schlaf- und Liegewagen einstellen? Berthold Huber, Vorstand bei der DB, erklärt das mit anhaltenden wirtschaftlichen Verlusten, die die Nachtzüge einfahren. Außerdem hätte man in die Wagen in nächster Zeit viel Geld investieren müssen, das die Bahn lieber in andere Dinge stecken will, so Huber. Erfolgversprechender als das alte Nachtzugkonzept ist nach seiner Aussage der Einsatz von Zügen des Tagesverkehrs in der Nacht – es gibt also keine Liegen mehr. "Wir bieten auf diesem Weg ein attraktives Angebot unter anderem für preissensible Kunden, das sehr gut angenommen wird", sagte der Bahn-Vorstand. Das heißt dann wohl im Klartext: Wer sparen will, schläft auch gern im Sitzen.

Österreich kauft deutsche Nachtzüge

Bei unseren Nachbarn ist das alles etwas anders, in Österreich fahren auch die Nachtzüge profitabel. Woran das liegt, erklärte Kurt Bauer von der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB). Die ÖBB hat übrigens auch die letzten deutschen Nachtzüge aufgekauft (42 Schlafwagen, 15 Liegewagen) und übernimmt damit sechs Strecken der DB. Dass das Sinn macht, begründete Bauer damit, dass es in der Alpenrepublik kaum Hochgeschwindigkeitsstrecken gebe. Für die Reisenden in Österreich bedeutet das wohl: Wenn der Zug eh langsam ist, verplempere ich nicht meine Tage mit ewigen Zugfahrten, sondern schlafe nachts und komme trotzdem ans Ziel. Deshalb decken die Nachtzüge der ÖBB die Kosten, reich wird das Unternehmen damit aber auch nicht, wie Bauer erklärte.

DB-Leute wollen nicht zur ÖBB

Was wird nun eigentlich mit dem Personal der deutschen Nachtzüge? Von deren Ende sind rund 500 Mitarbeiter betroffen, wie Joachim Holstein, Betriebsrat bei der DB, erklärte. Ein Teil davon sei in anderen Abteilungen des Konzerns untergekommen, ein Teil hätte Abfindungen erhalten. Für manche Mitarbeiter sei die Zukunft aber auch ungewiss, sodass Holstein forderte, die ÖBB solle die doch übernehmen. Bauer dazu: Alle fraglichen Mitarbeiter wären übernommen worden – wenn sie denn gewollt hätten. Aber nur bei genau zwei Leuten war das der Fall.

Fremdanbieter für Nachtzüge gewinnen

Aus Sicht von Marco Bellmann von der Technischen Universität Dresden sollte das Nachtzugnetz erhalten bleiben. Wenn die Deutsche Bahn nicht will, müssten eben Bedingungen her, die es für anderen Unternehmen lukrativ machen, Nachtzüge zu betreiben. Dazu gehören seiner Meinung nach drei Punkte:

  • günstige Trassenpreisen für Nachtzüge
  • fairer Zugang zur Eisenbahninfrastruktur
  • finanzielle Unterstützung durch den Bund oder die EU

Genau diese Punkte nennt auch die Linke – will sie aber gerne mit der DB umsetzen.

(DBT/ah)

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