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Berufsausbildung
Läuft – oder etwa nicht?

10.06.2016 |

Was im Berufsbildungsbericht 2016 drin steht, ist die eine Sache, was man daraus für Schlüsse zieht, eine ganz andere. Das machten die Abgeordneten kürzlich bei der Debatte darüber deutlich.

Schugmacher-Auszubildende mit Leisten

Erster Schritt zum Lebensglück? Diese Auszubildende wird Maßschuhmacherin. – © picture alliance / dpa Themendienst

Der Berufsbildungsbericht 2016 ist da. Darin steht, wie es um die Berufsausbildung in Deutschland bestellt ist. Klare Sache könnte man meinen. Die Debatte im Bundestag am 9. Juni ist aber auch ein Lehrstück darüber, wie unterschiedlich man so einen Bericht interpretieren kann. Für einen Sozialdemokraten ist der Bericht der Ritterschlag für das deutsche Berufsausbildungssystem – es sei das beste der Welt. Die Opposition hingegen spricht von "Stagnation" und "geplatzten Träumen". Sie hatte deshalb auch zwei Anträge mitgebracht, in denen steht, was sie an der Berufsausbildung verbessern will.

Union: Berufsausbildung stärken

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Feist (CDU/CSU) lobte den Ausbildungsmarkt. Zugleich meinte er aber, dass die akademische Bildung und die berufliche Bildung "im Gleichklang sein" müssten, "weil sie gleichwertig sind." Was meint er damit? Ein Studium hat offenbar ein besseres Image. Das wirke sich, wie Feist darlegte, folgendermaßen aus: Die Zahl derjenigen, die eine berufliche Bildung beginnen, ist nahezu gleichgeblieben, aber die Zahl derjenigen, die eine akademische Ausbildung beginnen, ist stark gestiegen. Allerdings werde das Studium dann aber oft nicht abgeschlossen, so Feist. "Da scheint etwas aus dem Lot zu geraten." Deshalb will der Unionsmann gerne das Image der Berufsausbildung verbessern.

Linke: Das ist nicht positiv

Rosemarie Hein (Die Linke) kritisierte die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hingegen deutlich: Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge gehe leicht zurück, die Zahl der Ausbildungsbetriebe ebenfalls. Es gebe nach wie vor 80.000 erfolglos suchende Bewerber und 20.000 Jugendliche, die gar kein Angebot erhalten hätten. "Das ist keine positive Gesamtentwicklung." Der einzige Posten, der wachse, sei der der unbesetzten Ausbildungsplätze. Das waren 41.000. "Aber", so Hein, "doppelt so viele haben erfolglos gesucht."

SPD: Das beste System der Welt

Rainer Spiering (SPD) wiederum rühmte die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Er war derjenige, der meinte: "Bei aller Kritik: Die Berufsausbildung in Deutschland ist das beste Berufsausbildungssystem der Welt." Es tue dem Wirtschafts- und Sozialsystem gut, gleichzeitig sei es wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland und einen entspannten Arbeitsmarkt.

Ein bisschen was will Spiering aber doch verändern und kritisierte, dass für Auszubildende unter 18 Jahren jeweils andere Schul- und Ausbildungszeiten gelten als für Volljährige. "Das ist nicht mehr zeitgemäß. Das tut der Ausbildung nicht gut."

Grüne: Geplatzte Träume

Beate Walter-Rosenheimer (Bündnis 90/Die Grünen) wiederum liest nichts Gutes im Berufsbildungsbericht 2016. Auch sie erwähnte die vielen Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, außerdem seien 271.000 im System von Übergangsmaßnahmen gelandet. "Für alle diese jungen Männer und Frauen ist der Traum von einer Berufsausbildung geplatzt", glaubt die Grünen-Abgeordnete. Die Wirtschaft habe 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen wollen, nur rund 7.000 aber seien es wohl geworden.

Ministerin: Berufsausbildung entscheidend fürs Lebensglück

Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) legte dar, was eine Berufsausbildung ihrer Meinung nach für junge Menschen bedeutet: "Es ist für jeden einzelnen Jugendlichen die Riesenchance, es ist für sein Lebensglück entscheidend, dass er eine Ausbildung macht. Das sichert ihm über viele Jahre die Chance, in Arbeit zu sein und selbstbestimmt zu leben." Und sie wies noch einmal auf die 41.000 unbesetzten Stellen hin.

Eine Sache läuft, glaubt man der Ministerin, ziemlich gut: die Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungsmarkt. Das Handwerk hatte am 1. April versprochen, für diese 10.000 Ausbildungsplätze anzubieten – schon jetzt seien davon 9.000 am Start.

(DBT/ah)

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