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Junge Amerikaner im Bundestag
"Wir sind nicht alle dumm"

Die PPP-Stipendiaten aus den USA sitzen im Fraktionssaal der Union.

Bis auf den letzten Platz war der Unions-Fraktionssaal gefüllt. – © Paul Henschel

Es war ein sehr langer und lauter Applaus, den das Ehepaar Peschken aus Mörs (Nordrhein-Westfalen) im Fraktionssaal der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu hören bekam. Stellvertretend für alle Gastfamilien, die in den vergangenen gut 30 Jahren amerikanische Austauschschüler bei sich aufgenommen haben, spürten sie am Morgen des 3. Juni die Dankbarkeit der anwesenden US-amerikanischen Stipendiaten. Für die Teilnehmer des internationalen Austauschprogramms des Bundestages geht in diesem Tagen ihr Jahr in Deutschland zu Ende.

"Als Teilnehmer und Gastfamilien des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms sind Sie Teil einer großen Familie. 22.000 Menschen haben dieses Projekt seit seiner Gründung 1983 begleitet", wandte sich der Abgeordnete Bernhard Schulte-Drüggelte (Union) an die Anwesenden. Er ist Berichterstatter für Internationale Austauschprogramme und ergänzt: "Als Junior-Botschafter für die USA sind Sie hergekommen und ich hoffe, dass Sie nach Ihrer Rückkehr in Ihre Heimat auch ein wenig Botschafter für Deutschland sein werden."

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) gibt seit 1983 jedes Jahr Schülern und jungen Berufstätigen die Möglichkeit, mit einem Stipendium des Deutschen Bundestages ein Austauschjahr in den USA zu erleben. Zeitgleich sind junge US-Amerikaner zu einem Austauschjahr zu Gast in Deutschland. Das Projekt ist ein gemeinsames Programm des Deutschen Bundestages und des US-Congress, das unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht. Dementsprechend war Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU/CSU) auch persönlich gekommen, um die jungen Amerikaner zum Berlin-Tag zu begrüßen.

Der Präsident des Bundestages Norbert Lammert

Victoria bedankt sich bei Bundestagspräsident Lammert mit einem Bild, das sie selbst gezeichnet hat. – © Paul Henschel

Der Tag begann früh für die mehr als 300 Teilnehmer: Bereits um 7 Uhr trafen sich alle zum Gruppenfoto und später dem Besuch einer Plenarsitzung. Im Fraktionssaal diskutierten die Jugendlichen unter anderem mit den Abgeordneten Bartholomäus Kalb (CDU/CSU), Steffen-Claudio Lemme (SPD), Kai Gehring (Grüne) und Jörn Wunderlich (Linke) über aktuelle politische Themen: Transatlantisches Freihandelsabkommen, Rechtsextremismus, Terrorismus, Zukunft der Europäischen Union, Vorratsdatenspeicherung – während ihres Deutschland-Aufenthalts haben die Stipendiaten die Nachrichten hierzulande verfolgt und erkundigten sich nun nach den Positionen der einzelnen Fraktionen.

Nach einer kurzen Rede von Kent Logsdon, Geschäftsträger der Amerikanischen Botschaft, hatte Bundestagspräsident Lammert eine gute Nachricht: "Finanziell ist der Fortbestand dieses Austachs-Programms für die nächsten zehn Jahre gesichert".

Schwarzhaarige

Bonny, 16, aus Massachusetts. – © Paul Henschel

Bonny, 16, aus Massachusetts verbrachte ihr Stipendium in Baden-Württemberg:

"Mein Name ist Bonny ich bin 16 Jahre alt und komme aus Boston – das war der erste Satz, den ich auf Deutsch gelernt habe. Inzwischen ist einiges dazugekommen und ich freue mich, dass mein Aufenthalt mir 1000 verschiedene Türen geöffnet hat. Ich denke, niemand von uns hat sich zu erträumen gewagt, dass wir irgendwann hier sein würden. Für mich steht nach dem Austauschjahr fest, dass ich Politik machen möchte. Denn meiner Meinung nach kann man nur etwas bewirken, wenn auf Worte auch Taten folgen."

PPPler

Thomas, 16, aus North Carolina. – © Paul Henschel

Thomas, 16, aus North Carolina hat sein Stipendium in Bremen verbracht:

"Ich würde sagen: Mein Austauschjahr hier war sehr erfolgreich. Ich kam auf die Idee, an dem Programm teilzunehmen, weil ich in North Carolina einen deutschen Austauschschüler kennengelernt hatte. Jetzt konnte ich selbst drei meiner deutschen Freunde überzeugen, ebenfalls ein Jahr in den USA zu verbringen. Das freut mich sehr und ich denke, das ist auch wichtig, um Vorurteile abzubauen. Wir Amerikaner sind nicht so: essen zu viel, haben eine Waffe, sind dumm und wählen Donald Trump. Die USA sind ein großes Land. Das wollte ich den Menschen zeigen, denen ich hier begegnet bin. Und ich hoffe, das ist mir gelungen."

PPPler

Angelina, 16, aus Illinois. – © Paul Henschel

Angelina, 16, aus Illinois hat ihr Stipendium an der niederländischen Grenze verbracht:

"Mein Engagement für Geflüchtete ist etwas, was ich auf jeden Fall mitnehmen werde in die USA. Während meines Aufenthalts hier habe ich bei einem Projekt mitgemacht, bei dem jungen Flüchtlingen bei den Hausaufgaben geholfen wurde. Öfter war ich auch bei einem internationalen Café, bei dem Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft die Nachmittage miteinander verbringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen oft für oder gegen Flüchtlinge sind, sich aber kaum mit ihnen auseinandersetzen – das ist in den USA genauso und daran möchte ich nach meiner Rückkehr gerne etwas ändern."

PPPler

Alex, 17, aus North Carolina. – © Paul Henschel

Alex, 17, aus North Carolina hat sein Stipendium in Mecklenburg-Vorpommern verbracht:

"Ich will überhaupt nicht weg aus Deutschland, aber das muss ich wohl erstmal, um meine Schule zu Ende zu machen. Danach würde ich gerne zum Studieren zurückkommen. Mein Vater ist Deutscher, er kommt aus der Nähe von Nürnberg. Deshalb hat mich Deutschland schon immer interessiert. Dieses Interesse ist jetzt noch stärker geworden, weil ich nun einen viel engeren Bezug zu den Themen habe. Konkret beschäftigt mich das Thema Flüchtlinge sehr und ich bin gespannt, wie die aktuelle Situation unsere Generation verändern wird."

PPPler

Katrina, 18, aus Wisconsin. – © Paul Henschel

Katrina, 18, aus Wisconsin verbrachte ihr Stipendium in Nordrhein-Westfalen:

"Natürlich habe ich mich auf meinen Deutschand-Aufenthalt vorbereitet und viel recherchiert. Aber eines hat mich dann doch überrascht: wie direkt die Deutschen ihre Meinung sagen. Das finde ich gut. Auch um an diesem Austausch-Programm teilzunehmen, sollte man eher extrovertiert sein, finde ich, damit man mit den Menschen reden kann und offen ist für neue Ideen. Dafür habe ich aber auch sehr viel Offenheit erfahren: Lehrer sind hier sehr viel kumpelhafter, als in den USA. Zumindest ist das die Erfahrung, die ich gemacht habe."

PPPler

John, 16, aus Illinois. – © Paul Henschel

John, 16, aus Illinois verbrachte sein Stipendium in Hamburg:

"Meine Gastfamilie war sehr umweltbewusst, das hat mich sehr beeindruckt. Sie haben sehr darauf geachtet, Müll zu trennen, das kannte ich vorher so gar nicht. Was mich noch überrascht hat, ist beispielsweise das Gesundheitssystem, das es in Deutschland gibt. Alle sind versorgt und es interessiert mich sehr, wie wir so etwas in den USA umsetzen könnten. Das ist etwas, was ich nach meiner Rückkehr diskutieren möchte. Mein Alltag hier: Schule, Sport, Freunde: Ich hatte eine tolle Zeit."

Kommentare

 

Günni jonny schrieb am 28.10.2016 10:31

Eigentlich heißt das Mädchen nicht Victoria sondern manuel neuer

 

 

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