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Zum Tod von Helmut Kohl
Der ewige Kanzler

19.06.2017 |

Nach dem Tod Helmut Kohls hat Bundestagspräsident Lammert der Witwe des "Kanzlers der Einheit" sein Beileid ausgesprochen. Ein kurzer Rückblick auf Kohls Schaffen.

Helmut Kohl

Altkanzler Helmut Kohl ist am 16. Juni 2017 gestorben – © picture alliance / NurPhoto

"Tief verwurzelt in seiner politischen Familie, der Christlich Demokratischen Union, seiner Heimat stets eng verbunden, traditionsbewusst und zugleich mit großem Gestaltungswillen zur Modernisierung von Staat und Gesellschaft prägte Helmut Kohl über viele Jahrzehnte unser Land", so charakterisierte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert in seinem Kondolenzschreiben den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl.

Kohl war am Freitag, 16. Juni, im Alter von 87 Jahren gestorben. Als Bundeskanzler regierte er die alte Bundesrepublik und später das wiedervereinigte Deutschland von 1982 bis 1998, länger hielt sich kein anderer in diesem Amt. Doch wer war dieser Mann, den seine Gegner gern als "Birne" verspotteten, den seine Anhänger am Ende ehrfürchtig mit dem Titel "der ewige Kanzler" huldigten?

Als 15-Jähriger im Krieg

Geboren am 3. April 1930 in Ludwigshafen, erlebte Helmut Kohl das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 als 15-Jähriger in Berchtesgaden. Sein vier Jahre älterer Bruder Walter war wenige Monate zuvor gefallen. Nach Kriegsende nahm Kohl zunächst eine landwirtschaftliche Lehre auf, die er nach vier Monaten aber abbrach. Danach ging er wieder zur Schule, schaffte 1950 das Abitur und studierte danach in Frankfurt am Main und später in Heidelberg Geschichte, Politische Wissenschaft, Staatsrecht und Öffentliches Recht.

Parallel engagierte er sich schon seit 1946 in der Jungen Union, bereits während des Studiums kletterte er die Karriereleiter der CDU nach oben. 1969 wurde er Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, 1973 Parteivorsitzender der CDU, 1976 Kanzlerkandidat. Diese Wahl verlor er zwar gegen Helmut Schmidt (SPD), trat dann aber 1982 doch noch seine Nachfolge an. Helmut Kohls 16-jährige Regierungszeit hatte begonnen.

Kanzler der Einheit

In die ersten Jahre seiner Kanzlerschaft fielen wirtschafts- und sozialpolitische Neuerungen, Kohl schaffte 1987 die Wiederwahl und stellte sich erneut an die Spitze einer von Union und FDP gestützten Regierung. Zwei Jahre später fiel die Mauer und Kohl ergriff die historische Chance zur Überwindung der deutschen Teilung. Seine persönlichen Kontakte zu allen beteiligten Staatschefs der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges waren dabei sehr hilfreich. Denn die mussten die Wiedervereinigung sozusagen genehmigen.

Gerade mal ein knappes Jahr nach dem politischen Umbruch in der DDR trat diese der Bunderepublik bei. Kohl versprach den Ostdeutschen und ihrem ökonomisch heruntergewirtschafteten Ex-Staat "blühende Landschaften" innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre. Deutschland befand sich in einer kollektiven Einheits-Euphorie, Bundestagspräsident Lammert umschreibt das nun so: "Helmut Kohl hat entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten."

Für die Einheit Europas

Mit den blühenden Landschaften allerdings ging es dann allerdings doch nicht so schnell voran wie erhofft und im Osten machte sich Ernüchterung breit. Kohl wurde trotzdem 1994 noch einmal wiedergewählt. In den 1990er Jahren trieb Kohl dann auch die europäische Einigung entscheidend voran. Auch weil es eine Bedingung Frankreichs für die Wiedervereinigung Deutschlands gewesen war, die Wirtschafts- und Währungsunion innerhalb der EU zu forcieren. Frankreich ist eine der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und musste der Einheit mit zustimmen.

Schwere Krise

Wirtschafts- und Währungsunion, das bedeutete nichts anderes als die Einführung des Euro, die Kohl zwar auf den Weg brachte, die endgültig aber erst nach seiner letzten Amtszeit kam. 1998 verlor Kohl die Bundestagswahl, es folgte eine Regierung aus SPD und den Grünen. Kohl blieb noch weitere vier Jahre Mitglied des Bundestages. Überschattet wurde diese letzte Etappe seiner Karriere allerdings von der CDU-Parteispendenaffäre. 1999 stürzte diese die Partei in eine schwere Krise. Kohl räumte ein, von schwarzen Kassen gewusst und sogar illegale Spenden in Höhe von 1,5 bis zwei Millionen Deutsche Mark (etwa 750.000 bis 1 Million Euro) entgegengenommen zu haben.

Ehrenbürger Europas

Was von Kohl bleibt, sind vor allem seine Verdienste um die deutsche Einheit und die Einheit Europas, die er als überzeugter Europäer entscheidend vorangetrieben hatte. Dafür ernannte ihn ein Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs bereits 1998 zum "Ehrenbürger Europas" – eine Auszeichnung, die zuvor nur einem der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft zuteil geworden war. "Sein Vermächtnis, ein weltweit geachtetes Deutschland in einem friedlich geeinten Europa, bleibt die Richtschnur unseres Handelns und ist Auftrag für alle künftigen Generationen", würdigt Bundestagspräsident Lammert den "ewigen Kanzler".

(DBT/ah)

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