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Rechtsextreme Jugendliche
Nazi werden ist nicht schwer

16.03.2017 |

Wie und warum wird man Nazi? Die Ursachen liegen nicht zuletzt im Elternhaus, erklärten Experten der Kinderkommission. Aber auch die Rechtsextremen selbst machen sich die Unsicherheit vieler junger Menschen zunutze.

Schild mit Aufschrift: Achtung Faschisten

"Achtung Faschisten": Auch die Experten in der Kinderkommission warnen vor rechtsextermen Aktivisten. – © picture alliance/Eventpress

Die Gefahr, in die rechtsextreme Szene abzudriften, ist vor allem für Jugendliche real. Wie das genau funktioniert, wurde bei einem Fachgespräch der Kinderkommission (Kiko) am 8. März deutlich.

"Gemeinschaft, Aktion und Anerkennung"

"Die rechtsextreme Szene hat in den letzten Jahren eine Lernphase durchschritten, wie man an Jugendliche herantritt", so Dr. Thomas Pfeiffer von der Abteilung Verfassungsschutz, Referat Prävention und Aussteigerprogramme des Ministeriums für Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen. Die Rechtsextremen locken mit verschiedensten Aktivitäten und Projekten wie zum Beispiel Konzerten oder Sommercamps, die Gehirnwäsche gibt es dann quasi nebenbei. Die Szene verspreche Jugendlichen vor allem Gemeinschaft, Aktion und Anerkennung. Die rechtsextreme Gemeinschaft stärke das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit, sie integriere und trage zur Identitätsbildung bei, so Pfeiffer. Selbstwirksamkeit bezeichnet die Überzeugung einer Person, etwas auf die Reihe zu kriegen, Dinge aus eigener Kraft zu schaffen.

Erst die Ideologie, dann das eigene Leben

Diese Erfahrungen konnte auch Felix Benneckenstein bestätigen. Der vertrat in der Kiko die Aussteigerhilfe Exit Deutschland und stieg selbst vor ein paar Jahren aus der rechtsextremen Szene in Bayern aus. "Man versteht sich als politischer Soldat", so Benneckenstein. Das eigene Leben werde einer Ideologie komplett untergeordnet. Angriffe von außen, zum Beispiel durch linke Gruppen, bestätigten dann nur das eigene Weltbild: "Ich greife die anderen an, weil sie mich angreifen."

Exit Deutschland hat etwa 650 Menschen beim Austritt aus der rechtsextremen Szene begleitet, was keine leichte Sache für die Aussteiger ist. Jeder Ausstieg müsse dann ganz individuell unterstützt werden, erklärte Benneckenstein. In den besten Fällen merke die Szene selbst gar nicht, dass jemand aussteigt, "damit sich kein Hass entwickeln kann". Wer aussteigt, ist in den Augen der alten Kameraden nämlich ein Verräter.

Alltagsrassismus als Nährboden

Aber die Freizeitangebote der rechten Szene als "Einstiegsdroge" seien nur die eine Seite der Medaille, erzählte der Aussteiger weiter. Seit einigen Monaten finde der Zulauf in die rechte Szene auch auf einer neuen Ebene statt: Die Flüchtlingskrise verstärke eh schon vorhandene rassistische Ressentiments – auch im familiären Umfeld. Der Stammtisch-Rassismus der Eltern werde vielen Jugendlichen schon von zu Hause mitgegeben, da ist es bis zum Einstieg in die harte Szene kein großer Schritt mehr.

Wie Alltagsrassismus von Eltern aussehen kann, erzählte Eva Prausner vom Projekt ElternStärken. "Was mache ich mit Eltern, die sich über die Puppe mit einer anderen Hautfarbe im Puppenregal der Kita aufregen?", fragte die Expertin. Dass das eine schwierige Sache ist, macht schon die Frage deutlich. Lehrer und Erzieher müssten dem aber gewachsen sein und sich klar gegen rechtsextreme Stimmungen wenden, so Prausner. Außerdem warnte sie: "Kinder orientieren sich sehr schnell an den Diskriminierungsregeln ihrer Eltern." Um mit solchen Problemen umgehen zu können, müssten die Fachkräfte vor allem erfahren sein und Einstellungen und Erscheinungsformen der rechtsextremen Szene kennen.

(DBT/ah)

Kommentare

 

Victor Muller schrieb am 20.03.2017 15:45

Jawohl bite ich will.

 

 

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