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Studium
Adé NC – oder nicht?

11.05.2017 |

Die Linke will den Numerus Clausus abschaffen. Der schränke ein Grundrecht ein, nämlich das auf freie Berufswahl. Was genau will die Fraktion dagegen tun?

voller Hörsaal

Wer darf rein in den Hörsaal? Das entscheidet zum Beispiel auch die Abi-Note. – © dpa

Wie geht's weiter nach der Schule? Praktikum, Ausbildung, Ausland, Studium? Und wenn Studium: Uni in Berlin, Hamburg, Tübingen – oder woanders? Es gibt da etwas, das euch einen Strich durch eure Hochschulpläne machen könnte: der Numerus Clausus (NC).

Die sogenannte Zulassungsbeschränkung sorgt dafür, dass sich an der Hochschule X nicht tausend Erstsemester für den Studiengang Y einschreiben können, obwohl nur Platz für hundert ist. Und sie verhindert unter Umständen, dass jemand beispielsweise Arzt wird, wenn seine Abinote nicht gut war.

Antrag und Anfrage

Die Linke im Bundestag findet das ungerecht und will den NC abschaffen. Ein entsprechender Antrag ging am 30. März in die erste Lesung. Anfang April legte die Fraktion dann noch einen drauf und schickte eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung, in der sie wissen wollte, warum jedes Jahr tausende Studierwillige keinen Studienplatz bekommen – obwohl davon Jahr für Jahr über 10.000 unbesetzt bleiben.

Wozu gibt es den NC?

"Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen." So steht es im Grundgesetz und ganz am Anfang des Linken-Antrages. Schon vor Jahrzehnten stellte sich allerdings heraus, dass die Hochschulen dem Ansturm der Bewerber nicht mehr gewachsen waren. Sie führten also den Numerus Clausus ein, was so viel wie "beschränkte Anzahl" bedeutet. Kriterium für die Auswahl der Bewerber wurde der Notendurchschnitt beim Abi.

Oder warten

Um nicht gegen das Grundgesetz zu verstoßen, hält die Regelung noch einen anderen Weg zum Traumstudium offen: die Wartesemester. Wer also in der Schule nicht das beste Abi hatte, kann nach einer gewissen Zeit doch ein Medizinstudium beginnen. Das Bundesverfassungsgericht bezeichnete die Sache 1972 als "vorübergehende Notmaßnahme". In einem weiteren Urteil von 1977 betonte das Gericht, "daß jede Auswahl zwischen hochschulreifen Bewerbern eine Ungleichbehandlung prinzipiell Gleichberechtigter in der Verteilung von Lebenschancen darstellt". So beschreiben es auch die Linken in ihrem Antrag und wollen daran etwas ändern. Denn aus der Notmaßnahme ist ein Dauerzustand geworden und der NC hat sich in Deutschland ausgebreitet.

Was will die Linke?

Die Fraktion beklagt, dass der NC die "Aufstiegschancen von Bewerberinnen und Bewerbern aus unterprivilegierten Schichten stark schmälert". Als Beispiel führt sie das Medizinstudium an, in dem sich vor allem junge Menschen aus wohlhabenden und gebildeten Elternhäusern tummeln. Die Sache mit den unbesetzten Studienplätzen trotz zu vieler Bewerber will Die Linke mit einer Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) regeln. So was gab es schon mal, die Behörde wurde aber 2008 in eine Stiftung umgewandelt und habe ihre Schwächen. Die Fraktion möchte unter anderem konkret:

  • Gesetzlich festschreiben, dass die Hochschulen so viele Kapazitäten schaffen müssen, wie gewünscht werden, damit der NC überflüssig wird
  • jedem Studienbewerber den Wunschstudienplatz innerhalb von zwei Jahren garantieren
  • Die ZVS in eine Behörde zurückverwandeln und schlagkräftiger machen
  • Den Hochschulen mehr Geld geben, damit die ganze Sache auch funktioniert

Soweit der Plan. Wie es mit dem NC nun weitergeht, darüber verhandelt als nächstes der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Auf die Kleine Anfrage hat die Bundesregierung mittlerweile schon geantwortet.

(DBT/ah)

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