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Die Autorin

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Lou Antoinette Godvliet (18)
Psychologiestudentin aus Wuppertal

Preis für junge Forscherin
"Ideale der Demokratie?"

16.05.2017 |

Jelena von Achenbach ist mit 34 schon Juniorprofessorin. Sie hat den Wissenschaftspreis des Deutschen Bundestages erhalten. Was sie genau erforscht, wofür sie das Preisgeld ausgibt und wie sie sich motiviert, das hat Lou sie gefragt.

Frau mit Brille

Wissenschaft ist für sie vor allem ganz viel Lesen und intensives, diszipliniertes Denken: Jelena von Achenbach. – © Uni Gießen

Worum geht es bei Ihrer Forschung?

Ich habe mich in meiner Doktorarbeit mit dem Gesetzgebungsverfahren der Europäischen Union beschäftigt. Genauer gesagt, habe ich theoretisch und praktisch untersucht, wie das Europäische Parlament, das direkt von den Unionsbürgern – also auch allen volljährigen deutschen Staatsbürgern – gewählt wird, mit dem Rat, der sich aus Regierungsvertretern der Mitgliedstaaten ergibt, zusammenwirkt. Und wie demokratisch die beiden Organe arbeiten. Schlussfolgernd konnte ich feststellen, dass das Europäische Parlament mehr demokratische Legitimation vermittelt als der Rat – vor allem, weil es eben direkt von den Unionsbürgern gewählt wird.

Warum ist das wichtig?

Ich glaube, dass das Thema der Demokratie auf europäischer Ebene vor dem Hintergrund von Brexit und zunehmend antieuropäisch-populistischen Strömungen (Deutschland, Frankreich, Polen, Ungarn...) aktuell sehr bedeutsam ist. Meine Arbeit ist dabei europafreundlich ausgerichtet und kann daher ein positiver Impuls in der Debatte sein.

Hat die Dissertation einen Einfluss auf das europäische Recht oder die Politik?

Solche Arbeiten haben nie einen unmittelbaren politischen Effekt, aber ich weise auf bestimmte Probleme hin, die in der Praxis der Gesetzgebung entstehen, zum Beispiel auf das Problem der vielen informellen Verhandlungen. Ich glaube, dass eine wohlbegründet formulierte Kritik auch Anregung an die Praxis sein kann, solche Entwicklungen kritisch zu betrachten und gegebenenfalls auch rechtlich anzugehen.

Was ist Wissenschaft für Sie?

Wissenschaft ist für mich vor allem ganz viel Lesen und intensives, diszipliniertes Denken. Man darf nicht schnell aufgeben. Wissenschaft bedeutet, dass man sich den Themen widmet, die einen interessieren, und dass man sich mit vielen klugen Menschen austauscht. Es ist ein langer und andauernder Denkprozess mit immer neuen Impulsen.

Was finden Sie an Ihrem Fachgebiet so interessant?

Mein Fachgebiet umschließt alle Rechtsfragen der Demokratie. Die Demokratie ist ständig in der Entwicklung. Es gibt immer noch Ideale der Demokratie, die nicht eingelöst sind. Diese stetige Entwicklung und das Hinterfragen politischer Praktiken faszinieren mich.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich werde weiter zu allen Rechtsfragen der Demokratie und insbesondere zu Fragen des Parlamentarismus arbeiten. Mich interessieren besonders Fragen des Verhältnisses zwischen Regierung und Parlament. Ein zweites Forschungsfeld ist die Internationalisierung des Militärs in Europa. Hier untersuche ich Fragen der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Zusammenhang mit militärischer Kooperation und Integration.

Haben Sie einen Tipp für Nachwuchswissenschaftler?

Man muss sich Themen suchen, die einen brennend interessieren, weil man sehr viel Disziplin, Geduld und Durchhaltevermögen braucht. Zusätzlich sollte man so früh wie möglich in den intensiven Austausch mit anderen treten. Je mehr kritische Perspektiven man zu seiner Forschungsarbeit bekommt, umso besser wird sie im Endeffekt. Man muss also gut mit Kritik umgehen können.

Gab es auch mal Momente, an denen Sie keine Lust mehr hatten zu forschen?

Es gibt immer wieder Momente des Zweifels. Ist das interessant was ich mache? Ist es relevant? Werde ich es schaffen? Habe ich mir zu viel vorgenommen? Da hilft es am meisten, wenn man Leute hat, die einen unterstützen und einem ehrlich sagen, ob man gerade in die richtige Richtung läuft oder nicht.

Haben Sie schon Ideen, was Sie mit dem Preisgeld von 10.000 Euro machen möchten?

Bücher kaufen. Ich lese grundsätzlich sehr viel – vor allem natürlich Bücher, die für meine Forschung interessant sind. Ansonsten habe ich mir noch nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Ich denke, dass ein Teil zur Belohnung für die ganze Anstrengung in einen schönen Urlaub fließen wird.

Über Jun. Prof. Dr. Jelena von Achenbach:

Jun. Prof. Dr. Jelena von Achenbach ist 34 Jahre alt, wohnt in Berlin und entschloss sich nach ihrem Abitur in Dortmund und mehreren Praktika für das Jurastudium. Danach promovierte sie an der Juristischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und schrieb dort in einer Forschungsgruppe ihre Dissertation. Nach dem Referendariat (unter anderem am Bundesverfassungsgericht) ging sie nach New York, um einen Master of Laws zu absolvieren. 2014 kam sie zurück nach Deutschland und arbeitete als Postdoktorandin an der Universität in Gießen. Im vergangenen Jahr wurde sie dort auf eine Juniorprofessur für öffentliches Recht berufen.

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