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Opas Graffiti entdeckt

Als IPS-Stipendiat Anar Najafov aus Aserbaidschan die "russischen Graffitis" im Reichstagsgebäude begutachtete, entdeckte er die Handschrift seines Großvaters. Der hatte 1945 als sowjetischer Soldat das Gebäude erstürmt. Auf der Sandsteinmauer sind noch heute das Datum sowie die Namen und Heimatorte der Besatzer zu lesen.

Ein IPS-Stipendiat und ein Abgeordneter stehen vor einer mit Graffiti beschmierten Wand

IPS-Stipendiat Anar Najafov (links) und der Abgeordnete Rüdiger Kruse (CDU/CSU) vor den "russischen Grafittis" – © Büro Rüdiger Kruse


"Ich war überglücklich, als ich seinen Namen auf dieser Wand gesehen habe." Anar Najafov schickte sofort Fotos zu seiner Familie in Aserbaidschan. Die war mindestens so stolz wie der 27-Jährige, der an der Uni Eichstätt seine Doktorarbeit schreibt. "Mein Großvater hat immer diese Geschichte erzählt." Doch seine Familie glaubte ihm damals nicht.

Anar Najafovs Opa lebt nicht mehr. Aber ein Porträt, das dieser damals in Potsdam malen ließ, hat im Hause Najafov bis heute einen Ehrenplatz. 31 Jahre alt war er beim Sieg der Alliierten über Nazideutschland.

"Und heute stehen wir beide hier und machen Politik"

Von März bis Juli arbeitete der Teilnehmer am Internationalen Parlamentsstipendium (IPS) im Büro von Rüdiger Kruse (CDU/CSU). Im Innenhof des Reichstagsgebäudes füllte er gemeinsam mit "seinem" Abgeordneten und Besuchern aus dessen Wahlkreis Erde in das Kunstprojekt "Der Bevölkerung", eine "Inschrift" aus Leuchtbuchstaben. Bei einem dieser Besucher-Rundgänge stieß er auf die 66 Jahre alte kyrillische Inschrift seines Großvaters.

Anar Najafovs parlamentarische Höhepunkte waren Sondersitzungen zum Atomausstieg und die Rede des japanischen Botschafters zu den Ereignissen in Fukushima im Umweltausschuss. Später will der IPSler in die Politik, sein Land gestalten.

Auch Rüdiger Kruse hat diese "Familienzusammenführung" berührt. Sein Vater war als junger Mann ebenfalls Soldat, allerdings auf "der anderen Seite". "Und heute stehen wir beide hier und machen Politik." Für seine Besuchergruppen hat der Parlamentarier nun eine ganz besondere Anekdote in petto.


Kommentare

 

Detlef schrieb am 15.09.2011 18:42

Das ist halt Politik, oder?

 

Max Sigi schrieb am 15.09.2011 22:18

Das ist ein Stück weit Auflösung des alten Hasses, nicht nur in der Politik, sondern auch in anderen Gesellschaftsbereichen leben heute Nachfahren, deren Vorfahren gegeneinander kämpften, friedlich beisammen.

 

Torda Rietdorf schrieb am 16.09.2011 10:23

Als Mitarbeiterin des Bundestagsbüros von Rüdiger Kruse habe ich die "Entdeckung" unseres jungen Stipendiaten hautnah miterlebt, es war sehr berührend zu sehen, wie dieser junge Mann erkannte, dass es hier im Deutschen Bundestag eine Verbindung zwischen ihm und seinem Großvater gibt.

 

 

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