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Ein weltweiter Tag für die Mädchen

In vielen Regionen der Welt leiden Frauen und Mädchen unter massiver Benachteiligung und Unterdrückung. Sie werden misshandelt, verstümmelt, verkauft oder noch vor der Geburt abgetrieben. Auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen ab dem 12. Oktober 2011 will Kanada einen Antrag zur "Einrichtung eines Weltmädchentages der Vereinten Nationen" einbringen, um noch stärker auf die traurige Situation aufmerksam zu machen. Der 22. September soll dann nach der jetzigen Planung zum Weltmädchentag der Vereinten Nationen erklärt werden.

Ein blondes Mädchen wirft einen Globus in die Höhe

© dpa


Der Bundestag unterstützt diese Initiative und hat am 21. September 2011 mit großer Mehrheit beschlossen, sich für die Einrichtung des Weltmädchentages einzusetzen. Vor Journalisten erläuterten fünf Initiatoren, darunter die Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dagmar G. Wöhrl (CDU/CSU), am Mittwoch, 28.September 2011, wie wichtig es ist, die Situation von Mädchen und jungen Frauen weltweit stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen hatten den Antrag gemeinsam vorgelegt. Darin heißt es: "Ungeachtet der Tatsache, dass die Weltgemeinschaft in Konventionen und Abkommen universell Menschenrechte verankert hat, die gleichermaßen für Männer und Frauen gelten", seien Mädchen in vielen Ländern Benachteiligungen, Ausbeutung, Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt. Der Weltmädchentag soll weltweit auf die Rechte von Mädchen aufmerksam machen.

Nicht nur ein Symboltag

Nur die Linksfraktion hatte sich dem Antrag nicht angeschlossen. Sie unterstütze zwar prinzipiell eine solche Initiative, sagte Heike Hänsel. Die Politikerin kritisierte aber, dass ihre Fraktion nicht angesprochen worden sei. Außerdem stehe "sehr viel Symbolpolitik dahinter". Der Abgeordneten Sabine Weiss (CDU/CSU) ist bei der Gestaltung eines Weltmädchentages wichtig, dass dieser Tag eben nicht nur ein "Symboltag wird". Sie möchte unter anderem erreichen, dass Rechtlosigkeit und Unterdrückung von Mädchen ein Stück mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Um die oft verzweifelte Situation von Frauen und Mädchen mit Zahlen zu stützen, präsentierte Dagmar G. Wöhrl (CDU/CSU) eindrucksvolle Fakten: 70 Prozent der Analphabeten weltweit sind weiblich. Rund 40 Millionen Mädchen gehen nach Angaben der Vereinten Nationen (VM) nicht zur Schule, 150 Millionen erleben ihre ersten sexuellen Kontakte unter Anwendung von Gewalt. Und die Gefahr an Aids zu erkranken, ist für junge Frauen deutlich höher als für ihre männlichen Altersgenossen. "Ein Grund dafür sind die großen Infektionsgefahren durch Genitalverstümmelungen", berichtete die Abgeordnete.

Der Schlüssel des Problems, da sind sich die Abgeordneten einig, ist Bildung. Wöhrl zitierte den ehemaligen VN-Generalsekretär, Kofi Annan, der in seiner Eröffnungsrede am 5. Juni 2000 zur UN-Sondergeneralversammlung "Frauen 2000 – Gleichstellung, Entwicklung und Frieden für das 21. Jahrhundert" gesagt hatte: "Tatsächlich haben mehrere Studien bestätigt, dass es für die Gesellschaft als Ganzes, für Frauen und Männer, keine bessere Entwicklungsstrategie gibt als die, in der die Frau eine zentrale Rolle spielt."

Bildung als Schlüssel gegen Unterdrückung

Die FDP-Politikerin Helga Daub wies auf ihre Rede vor dem Bundestag hin, in der sie gesagt hatte: "Bildung bedeutet Aufklärung, Wissen und Bewusstsein, damit die nächsten Generationen von Mädchen mit mehr Rechten und unter größerem Schutz vor alltäglicher Unterdrückung und Gräueltaten aufwachsen können."

Karin Roth (SPD), auf deren Initiative hin der fraktionsübergreifende Antrag zustande kam, berichtete erschüttert vom Schicksal ihrer Geschlechtsgenossinnen: "Mädchen werden verkauft und verstümmelt." Sie und ihre Mitstreiter wollen erreichen, dass weltweit darauf aufmerksam gemacht wird, dass Mädchen aufgrund ihrer besonderen Lebenssituationen häufig ignoriert und verletzt werden oder Gewalt ausgesetzt sind. Ihr geht es darum, "das Bewusstsein der Frauen in den betroffenen Ländern zu schärfen."

Auch ein Mann kämpft offensiv für den Mädchentag: Uwe Kekeritz von Bündnis90/Die Grünen erinnerte daran, dass in einigen Gesellschaften Mädchen sogar schon vor ihrer Geburt geschützt werden müssen. Viele Föten würden abgetrieben, nur weil sie weiblich seien. Er ist der Meinung, dass ein künftiger Weltmädchentag durchaus das Potenzial hat, irgendwann einmal mit dem Internationalen Frauentag verglichen zu werden.


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