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Streitgespräch: Sollen wir aussteigen?
Alexander Schwennicke vs. Meret Trapp – © Jugend debattiert
Alexander Schwennicke: "Gegen den Ausstieg!"
“Die Atomkatastrophe von Fukushima hat auch bei der Bundesregierung zu der Erkenntnis geführt, dass die Gefahren und Risiken der Nutzung der Atomenergie grundlegend neu bewertet werden müssen.” So heißt es im Gesetzesentwurf zur Beendigung der Nutzung von Atomkraftwerken, über den der Deutsche Bundestag am 30. Juni 2011 entscheidet.
Aber stimmt das denn? Müssen die Gefahren und Risiken der Kernenergie wirklich neu bewertet werden? Natürlich müssen die Risikoberechnungen immer wieder aktualisiert werden - sobald der Unfall in Fukushima vollständig geklärt ist, müssen wir die hohen deutschen Sicherheitsstandards womöglich anpassen und noch weiter erhöhen. Aber das ist kein Grund, jetzt sofort und endgültig den Atomausstieg zu beschließen. Denn was soll geschehen, wenn wir aus der Kernenergie aussteigen?
Gerade für uns Jugendliche ist es wichtig, an die Zukunft zu denken und da ist die Energieversorgung eines der Probleme, das uns am meisten beschäftigt: Es ist absehbar, dass fossile Brennstoffe aufgebraucht sein werden und die viel gepriesenen erneuerbaren Energien sind zur Zeit noch viel zu ineffizient und unzuverlässig, um eine sichere Deckung unseres steigenden Energiebedarfs zu gewährleisten. Die Antwort auf diese ernste Herausforderung darf nicht sein, dass wir die Stützpfeiler unserer Energieversorgung einreißen, indem wir aus der Kernenergie aussteigen, wir müssen ganz im Gegenteil neue Kraftwerke bauen, um uns eine subventionsfreie Versicherung für die Zukunft zu schaffen.
Die andere große Herausforderung, der wir uns stellen müssen, ist der Klimawandel. Dem steigenden Energiebedarf zum Trotz suchen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Wegen, den CO2-Ausstoß zu begrenzen, bestenfalls sogar zu senken. Trotzdem scheut man sich, neue Kernkraftwerke zu errichten, man will sie sogar endgültig abschaffen. Dabei ist die Kernenergie zusammen mit der Wasserkraft die umweltfreundlichste und energieeffizienteste Methode überhaupt, sie ist so gut wie CO2-frei, auch was Schwefeldioxid, Stickoxide und Feinstaub betrifft, schneidet sie hervorragend ab. Kernenergie allein wird nicht reichen, um das Energie- und Klimaproblem zu lösen. Aber besonders im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien leistet die Kernenergie einen wesentlichen Beitrag zur Entschärfung des Problems. Da sie durch eine konstante Stromerzeugung die Schwankungen in Wasser- und Windkraft ausgleichen kann, muss gerade sie gefördert und ausgebaut werden.
Nein, Kernenergie ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, das stimmt. Aber aus Katastrophen wie Fukushima, so schlimm sie auch sind, können wir lernen und wir haben es getan: Kernenergie verlangt vollen Einsatz, volle Sorgfalt und die neueste Technologie, aber sie ist der Schlüssel zur Überwindung zweier zentraler Herausforderungen, die uns alle betreffen. Und deshalb spreche ich mich dagegen aus, das wir in Deutschland endgültig aus der Kernenergie aussteigen.
Meret Trapp: "Endgültig aus der Atomkraft aussteigen!"
In wenigen Tagen wird der Bundestag entscheiden, ob alle Atomkraftwerke endgültig bis spätestens 2022 abgeschaltet werden sollen. Der Grund für diese Diskussion ist, dass die Atomkraft ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko birgt, welches wir vor Kurzem in Fukushima miterleben mussten. Deswegen stellen wir uns heute die Frage: Sollen wir in Deutschland endgültig aus der Atomkraft aussteigen?
Der Vorschlag sieht vor, dass alle Atomkraftwerke in Deutschland bis 2022 abgeschaltet werden. Die acht ältesten Meiler sollen auch jetzt nicht mehr ans Netz gehen dürfen. Der zentrale Punkt dabei ist, dass es endgültig sein muss. Niemand soll nach 2022 in Deutschland ein AKW betreiben können.
Der Ausstieg aus der als „kostengünstig“ geltenden Atomkraft ist erforderlich, weil sie in Wahrheit riesige Kosten birgt, nicht für die Konzerne, die die Gewinne einstreichen, sondern für den Steuerzahler bzw. für die 40.000 kommenden Generationen, denn erst dann ist der radioaktive Müll nicht mehr gefährlich und damit die sichere Lagerung nicht mehr notwendig. Ach ja, ein sicheres Endlager gibt es weder in Deutschland noch sonst irgendwo auf der Welt. Im Gegenzug produzieren über 400 AKWs weltweit jeden Tag radioaktiven Müll. Vorrausschauendes Handeln sieht anders aus.
Diese Maßnahme muss endgültig sein, weil die Atomkraft unglaubliche Risiken birgt, weil eine nukleare Katastrophe wie in Tschernobyl, oder jetzt in Fukushima, auch bei uns passieren kann. Kein Atomkraftwerk der Welt ist vor einem Terrorangriff geschützt. Am 11. September 2001 lenkten Terroristen Flugzeuge in ein Hochhaus in den USA, am 11. September 2011 könnte ihr Ziel ein AKW in Deutschland sein. Die gesundheitlichen Schäden für die Bevölkerung und die volkswirtschaftlichen Konsequenzen für die Bundesrepublik möchte und kann ich mir nicht vorstellen.
Ich sehe ein, dass man alle AKWs nicht von heute auf morgen abschalten kann, aber ich sehe die Notwendigkeit, sich von der Atomkraft zu trennen und auf erneubare Energien zu setzen. Diese sind besser für die Umwelt und sie sind nicht von immer knapper werdenden Ressourcen abhängig, denn auch Uran ist nicht unbegrenzt verfügbar.
Da die Nutzung von Kernenergie nicht nur viele Kosten für kommende Generationen (also auch für mich und meine Kinder), sondern auch ein unkalkulierbares Risiko birgt und man meiner Ansicht nach nicht mit Menschenleben spielt, bin ich der Meinung, dass Deutschland nicht nur endgültig aus der Atomkraft aussteigen soll, sondern auch muss.
Kommentare
Greenstar schrieb am 05.07.2011 11:35
Der Text von Alexander ist stylistisch besser, faktisch liegen hier aber Fehler vor. Subventionsfrei? - Die Kernenergie ist die Energieform die am meisten subventioniert wird. Der Staat haftet für eventuelle Schäden die in die Billionen gehen können (siehe Tschernobyl) und er entsorgt außerdem den radioaktiven, gefährlichen Müll. Außerdem gibt es durchaus Erneuerbare wie die Wasserkraft die man als Grundlastkraftwerke (haupts. in nordischen Ländern) einsetzen kann und ansonsten brauch man eben bessere Speicher für den elektrischen Strom.
Felix schrieb am 03.08.2011 22:12
Ich finde es schrecklich das immer noch 53 % für die weitere Nutzung von Kernenergie ist ! Kernenergie ist vielleicht auf den ersten Blick die billigste, aber wenn man mal genauer "hinschaut" kommen da noch Kosten für den Transport von dem Radioaktiven-Müll (ganz zu schweigen von dem Risiko) der 3 Mrd. Euro kostet (!) , Öffentlicher Finanzierungsanteil an gescheiterten Projekten („Schneller Brüter“ Kalkar, WAA Wackersdorf, THTR Hamm-Uentrop, AKW Mülheim-Kärlich) kostet 9 Mrd. Euro. Und dann kommen noch die Kosten für den Bau von Forschungsreaktoren, 20 mrd. Euro !!! So, die zusammengerechneten Kosten von 32 Mrd. Euro hätte man super in Forschung von Wasserkraftenergie, Solarenergie und Windkraftenergie investieren können.
Kevin schrieb am 25.03.2012 15:18
Aus einer Machbarkeitsstudie für Windkraft geht hervor, dass wenn man nur jeweils 2 Prozent der für Windkraft nurtbaren Fläche jedes Bundeslandes wirklich mit Windrädern bestücken würde, könnte man 73,5% des benätigten Stroms erzeugen, und damit die Kernkraft ablösen. Da Bundesländer wie Schleswig- Holstein über 20% nutzbare Fläche verfügen, könnte man mehr Strom als benötig erzeugen, es geht hier aber nur um eins: Die Steuern, welche von den Kernkraftwerksbetreibern gezahlt werden ! Unsere Politiker, die Kanzlerin voran, haben in den öffentlichen Stellungnahmen schon oft genug bewiesen, wie wenig Ahnung sie von Atomkraft haben. Ich könnte heulen, wenn jemand sagt, Atomkraft sei zumindest eine klimaneutrale Art der Energieerzeugung... Wenn diese Menschen wüssten, dass Energiekosten bei Transport des radioaktiven Materials, Zwischen-/Endlagerung, und vor allem der s.g. Aufbereitung ( die in Wirklichkeit nur zu ca. 3% Effektiv ist) wahrscheinlich ausreichen würden, um eine Kleinstadt von vllt 8.000 Bewohnern ein halbes Jahr mit Energie zu versorgen... Guckt euch mal unter historische Debatten den Tschernobyl Bericht an. Bundeskanzler Schröder wollte uns schon damals aus der Atomkraft rausführen !! Und zum Abschluss noch etwas: Die Atomkraftwerke vom Netznehmen (2022) heisst nicht das Deutschland atomfrei ist oder sicher vor Atomkatastrophen: Wenn ein Atomkraftwerk "abgeschaltet" wird sind die Brennstäbe immernoch so heiß, dass sie mehrere Jahre lang noch abkühlen müssen, also das Kraftwerk in Betrieb lassen. Das ist wie ein Feuer das nicht aufhört zu brennen, man wirft nur keine Kohle nach, die Glut brennt aber immer noch.... Ein Atomkraftwerk abschalten geht also nicht.... Angenommen es gäbe in Deutschland keine Atomkraftwerke, so hätten wir immer noch unseren lieben Nachbarn Frankreich. Versteht mich nicht falsch, ich mag Frankreich, aber leider kommen 83% französischer Energie aus Kernkraftwerken. Und wenn da ma was in einem AKW nicht so rund läuft, kann ich gar nicht schnell genug wo ganz anders, weit weg von Europa sein....
Kevin schrieb am 25.03.2012 15:45
Lieber Alexander, " [...] Gerade für uns Jugendliche ist es wichtig, an die Zukunft zu denken [...] ". Die Halbwertszeit gibt an wann die ! Hälfte ! eines Stoffes verfallen ist. Das heisst wenn wir nehmen eine Menge eines Stoffes, ich nehme jetzt das blöde Beispiel Wasser, und sagen wir einen Liter. Dieser Liter Wasser ist in einem Eimer, im Keller. Ohne Sonne, dass Wass verdunstet nicht, dem gehts da super. aber wenn seine Halbwertszeit, sagen wir 5 Jahre, zu Ende ist, ist nicht mehr ein Liter im Eimer, sondern nur noch 0,5 Liter. Nach weiteren 5 Jahren 0,25 Liter, und nach insgesamt 15 Jahren 0,125 Liter usw. Es wird nur halbiert, verschwindet nie, wird nur irgendwann ziehmlich wenig... Halbwertszeiten strahlenden Erzeugnisse eines AKW Uran 238 HWZ 4468 Milliarden Jahre ---> aufbereitbar zu <3% XD Uran 235 HWZ 703,8 Mio. Jahre Jod-129: HWZ 17 Millionen Jahre -----> es gibt ja noch Jod Tabletten ;) Plutonium 238 HWZ 87,74 Jahre Caesium 137 HWZ 30,2 Jahre ---> häufig eingeatmete alpha Strahler !! die weniger zahlreich produzierten Strahler bitte auch ;) Tellur 128 ca 7 Quadrillionen Jahre Bismut 209 ca 19 Trillionen Jahre Thorium 232 14,05 Mrd. Jahre Wenn ich als noch 14 Jähriger und damit denke ich noch Jugendlicher an meine Zukunft denke, bin ich hochbegeistert, dass deart langlebiges strahlendes, krebserrendes, hochgiftiges, lebensfeinliches Material im Salzbergwerk unter meiner Stadt, links neben dem Brunnen der ans Grundwasser geht, herum strahlt... Danke für das Nein zum Atom Ausstieg ! Noch was: Wenn so ein Teil nach X Millionen Jahren zerfallen ist, zerfällt das nur in ein anders meist auch radiaktives Teil. es gibt da verschiedene Sorten Zerfall: z.B. Alpha Zerfall, betha + oder betha - Zerfall usw. Je nach dem wie ein Element erfällt landen wir möglicherweise nach dem Zerfall beim nächsten radioaktiven Scheiss...
Kevin schrieb am 25.03.2012 16:24
Nur damit man das mal gesehen hat: Sagen wir, wir haben eine Tonne Uran 238 aus einem AKW entwendet, und beobachten jetzt wie schnell es zerfällt, das wird ne Generationsaufgabe :) 238 HWZ 4468 Milliarden Jahre 1 Jahr ist vergangen, immer noch eine Tonne, 50 Jahre sind vergangen, immer noch eine Tonne, 100 Jahre sind vergangen, übergabe an die nächste Familien Generation ist erfolgt, immer noch eine Tonne. 200 Jahre vergehen, 500 Jahre vergehen, 900 Jahre vergehen, E.T. wurde von Behörden zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, aber immer noch eine Tonne Uran 238 im Keller. Weite 900 Jahre vergehen, wir schreiben das Jahr 3812, auch wenn der Keller schon lange zerfallen ist, der strahlende Haufen Uran ist immer noch da ! Also ein bischen schneller: 10.000 Jahre - 1 Tonne Uran, 100.000 Jahre - 1 Tonne Uran, 1.000.000 Jahre - 1 Tonne Uran. 10.000.000 Jahre - 1 T Uran, 100.000.000 Jahre - 1 T Uran !!!!!! 1.000.000.000 - 1 T Uran, 1.000.000.000.000 - 1 Tonne Uran ......................... ..- .usw...... . - ......... usw.. ............................... usw .............................. bist :4.468.000.000.000 Jahre Nach dem Uran 238 Diebstahl ! haben wir nicht mehr 1 Tonne Uran sondern nur noch eine halbe Tonne :) 1/2 Tonne Uran !!!! hurra jetzt müssen wir nur noch weitere 4.468.000.000.000 Jahre warten, dann haben wir 250 kg ( 1/4 Tonne) Uran. Wenigstens können wir bevor wir nochmal 4468 Mrd. Jahre warten mit den 250 kg ein bischen Plutnoium erzeugen, für ein paar Kernwaffen :)
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© Katrin Cürük








