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Daten auf Vorrat speichern?
Philipp und Franka sind beim Thema Vorratsdatenspeicherung geteilter Meinung. – © Juliane Dorn
Philipp, 17: Speichern!
Sicherheit ist doch was Tolles, weshalb regen sich so viele auf? Klar, unsere Rechte werden eingeschränkt, das lässt sich auch nicht abstreiten. Aber ein rechtschaffener Mensch hat doch nichts zu verbergen. Die Vorratsdatenspeicherung soll nur für schwere Delikte wie Terrorismus oder Sexualstraftaten genutzt werden. Um solche Verbrechen schneller aufzuklären, ist es meiner Meinung nach verantwortungsbewusst, seine Rechte einzuschränken – dafür jedoch für mehr Sicherheit zu sorgen. Es wird ja keinen interessieren, wie lange ich auf mitmischen.de surfe.
Immer mehr Menschen nutzen das Internet, darunter leider auch viele Verbrecher. Die Kriminalität im Netz stieg in den letzten Jahren weiter an und wird es sicherlich noch in den nächsten Jahren. Es fängt bei Computerviren an und endet bei Kinderpornografie. Mit der Vorratsdatenspeicherung haben wir die Möglichkeit, dies einzuschränken. Natürlich werden nicht alle Verbrechen auf diese Weise aufgeklärt oder gar verhindert, da die Daten nur ein halbes Jahr gespeichert werden sollen und unsere Exekutive auch nicht aus einer Armee von Supermännern besteht. Dennoch finde ich, dass nur ein einziger verhinderter Terroranschlag oder Ähnliches die Vorratsdatenspeicherung rechtfertigt.
Wieso lehnen alle die Vorratsdatenspeicherung ab? Allein jeder zehnte Deutsche ist bei Facebook und gibt dort auch auch alles über sich preis. Genau wie im Supermarkt: Das Kaufverhalten eines Kunden kann mittels Karten zum Punktesammeln wunderbar analysiert werden. Wenn man sich dies vor Augen führt, kann man sich ruhig auf die Speicherung seiner Daten einlassen. Immerhin können somit unheimlich viele Sachen verhindert werden.
Also: Die Vorratsdatenspeicherung dient nicht zur absoluten Überwachung aller Menschen. Sie soll uns und vor allem Kinder vor schweren Straftaten schützen. In unserer Zeit ist es wichtig, sich zu schützen – auch wenn das heißt, seine Grundrechte ein wenig einzudämmen. Bestimmt ist die Vorratsdatenspeicherung nicht die einzige und beste Möglichkeit, Terrorismus und andere Verbrechen zu bekämpfen. Allerdings wird ein Zeichen gesetzt, dass es so nicht weitergehen kann.
Franka, 18: Löschen!
Kriminelle könnten die Daten in die Hände bekommen. Denn die gespeicherten Daten sind nicht genügend gegen fremde Eingriffe geschützt. Da fragt man sich, ob die Vorratsdatenspeicherung wirklich Kriminelle zur Verantwortung zieht oder ihnen lediglich eine Chance bietet, ihre illegalen Ziele zu verfolgen.
Kriminelle finden außerdem schnell eine Möglichkeit, das Kontrollsystem zu umgehen. Sie können auf Prepaid-Karten für Handys, Internetcafés oder Telefonzellen zurückgreifen, um ihre Geschäfte anonym abzuwickeln. Das bestätigt auch eine Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht: Durch die Vorratsdatenspeicherung werden nicht deutlich mehr Fälle aufgedeckt. Somit stehen wenig erfolgreiche Ermittlungen enorm hohen Kosten für neue Systeme zur Aufbewahrung der Informationen gegenüber. Die Telekommunikationsunternehmen werden diese zusätzlichen Gelder von den Kunden einziehen.
Auch die Internetnutzung leidet unter der Vorratsdatenspeicherung. Viele Berufsgruppen verlassen sich auf die Vertrautheit des Internets, beispielsweise bei der Kommunikation via E-Mail. Der Deutsche Journalisten-Verband zum Beispiel unterstützt Forderungen nach Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung. Die Begründung: Staatliche Behörden seien aufgrund der technischen Möglichkeiten der Telekommunikationsunternehmen nicht in der Lage, einen vollständigen Datenschutz zu garantieren. Der sei jedoch Voraussetzung für die Pressefreiheit.
Auch Ärzte müssen befürchten, dass die Anonymität ihrer Patienten durch die Vorratsdatenspeicherung verloren geht. Besonders Psychologen, die über das Internet erreichbar sind, macht das Sorgen. Dennoch hält die Ärzteschaft das Urteil des Bundesverfassungsgerichts grundsätzlich für gut, da es die jetzige Regelung stoppt und eine Überarbeitung des Gesetzes fordert.
Diese Schreckensszenarien sind aber nicht alles, was uns von der Vorratsdatenspeicherung abhalten sollte. Der wohl wichtigste Punkt ist der Eingriff in die Privatsphäre. Das Sammeln aller Daten über meine Internet- und Telefonnutzung greift zu weit in mein Leben ein! An den Grundsätzen der Demokratie sollte man nicht rütteln, nur um Terrorängste zu verdrängen.
Kommentare
Das hat mehr etwas mir Bürgerreichten zu tun schrieb am 16.09.2011 19:16
Kurz gesprochen verlangt auch niemand, alle Verkehrsdaten von Postsendungen zu speichern und ein halbes Jahr vorrätig zu halten. Im Prinzip funktioniert das Internet genau so (siehe Wikipedia: Packet Switching). Nur weil technische Möglichkeiten bestehen, muss man noch nicht alle Internetaktivitäten aufzeichnen. Auch über den Nutzen kann man sich streiten, da - zum Glück - nicht die Inhalte der Kommunikation gespeichert werden, sondern nur wann von wo Datenpakete nach wo geschickt wurden. Wer etwas zu verbergen hat, kann das auch weiterhin tun. Mit TOR zum Beispiel (siehe Wikipedia: TOR-Netzwerk). Alles in allem also keine gute Idee, oder?
Seb schrieb am 18.09.2011 15:53
Im folgenden handelt es sich um eine plaktative überspitze Darstellung. Es geht niemanden etwas an, wann ich mit wem telefoniere und auch nicht, wie lange ich auf mitmischen.de surfe. Ja, ich habe etwas zu verbergen. Mein Privatleben geht nämlich niemanden etwas an, dem ich nicht persönlich und freiwillig daran teilhaben lasse. Oder fändest du es auch in Ordnung, wenn man dich ein paar Tage lang beschatten würde. Bei allem was du tust steht dann ein Beamter hinter dir. Beim surfen, telefonieren, wenn du Freunde triffst, auf Toilette gehst - du hast ja nichts zu verbergen, also brauchst du keine Privatsphäre.
Eddie Greiner-P. schrieb am 01.10.2011 15:15
Ich bin gegen die Vorratsdatenspeicherung, weil mir meine Privatsphäre wichtig ist. Und niemand kann behaupten, ihm ist das nicht so (irgendwer hat das mal gesagt, ich weiß nicht mehr wer): Warum laufen sie nicht nackt herum? Warum haben sie eine Tür vor ihrer Wohnung? Also. Und das man seine Daten eh an Facebook abgibt ist kein Argument. denn wenn 10% der Deutschen bei Facebook sind und ihre Daten abgeben, ist das deren Problem. 90% der Deutschen sind demzufolge nicht bei Facebook - vielleicht gerade WEIL ihnen ihre Daten wichtig sind - und gegen Facebook wird auch vorgegangen, siehe datenschutzzentrum.de/facebook










