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Flagge gehisst!

José Cases Mañogil ist der einzige Flaggenbeauftragte des Deutschen Bundestages. Wenn hoher Besuch ansteht oder ein Abgeordneter eine Tischflagge braucht, dann ist sein Einsatz gefragt. Autorin Anna durfte mit ihm zusammen die "Fahne der Einheit“ einholen und austauschen. Ein Stück Tuch so groß wie zwei Zimmer, Küche und Bad.



Es ist ein schwarzer Knopf, etwas größer als mein Daumen. "Ab" steht darauf in weißen Lettern und seit wenigen Sekunden halte ich diesen Knopf gedrückt. Ich stehe am Fuß des 28,5 Meter hohen Flaggenmastes vor dem West-Eingang des Reichstagsgebäudes. Den Kopf im Nacken beobachte ich, wie sich die Flagge langsam auf mich zu bewegt. 60 Quadratmeter ist dieses Stück Polyester groß – mein WG-Zimmer würde da drei Mal reinpassen. José Cases Mañogil steht neben mir und hält den weißen Jutesack geöffnet, in den die etwa fünf Kilo Stoff gleich gleiten werden. Es ist nicht sehr windig an diesem Tag. Die Flagge hängt schlaff herunter und nur manchmal wehen auf dem Weg nach unten ein paar Fransen raus.

Bis nur noch Fetzen übrig sind

Diese Stofffetzen sind der Grund, warum die Flagge ausgetauscht wird. Etwa drei Wochen hat sie da oben Wind und Wetter standgehalten. "Länger als vier Wochen bleibt keine der Fahnen gehisst", sagt José Cases. Er ist der Flaggenbeauftragte des Deutschen Bundestages und nicht nur für die Einheitsfahne, sondern auch für die vier Turmflaggen, die Fahnenmasten vor und hinter dem Reichstagsgebäude, die Flaggen von Gebäuden in der Straße Unter den Linden und 125 Tischflaggen verschiedener Landesfarben – zum Beispiel für Auschusssitzungen – zuständig.

Die "Fahne der Einheit", wie sie laut der Flaggenordnung des Parlaments genannt wird, hat eine bewegte Vergangenheit: Am 2. Oktober 1990 wurde um 23.58 Uhr mit ihrem Hissen begonnen. Zwei Minuten später und damit pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit hatte die Flagge die Mastspitze erreicht.

Ich darf heute allerdings nicht das Original einholen, denn das gute Stück muss wegen Wind und Wetter regelmäßig ausgetauscht werden. Mit gekonntem Griff verstaut der Flaggenwart jetzt das schwarz-rot-gelbe Ungetüm im Transportsack. "Das Tuch darf niemals den Boden berühren, das ist ein ungeschriebenes Gesetz", sagt er, löst nach und nach jeden einzelnen der sieben Karabiner und bringt dann die neue Flagge an.

"Weggeflogen ist uns noch keine Flagge, aber einmal, vor der Fußball-WM 2006, da wurde uns eine geklaut. Seitdem sind die Schlösser verstärkt." Anekdoten wie diese kann José Cases viele erzählen. Der 41-Jährige war bereits in Bonn für die Beflaggung zuständig – dort allerdings nicht nur dafür, denn "früher wurde weniger beflaggt". Mit dem Umzug des Parlaments nach Berlin ist auch der gebürtige Spanier in die Hauptstadt gekommen. Der ehemalige Gas-Wasser-Installateur ist der vermutlich einzige deutsche Beamte mit einem spanischen Pass.

Fliegender Flaggenwechsel bei Staatsbesuch

Inzwischen ist die "frische" Einheitsfahne, von unseren Blicken verfolgt, an der Spitze des Mastes angekommen. José Cases schultert den Flaggenbeutel und wir machen uns auf den Weg zum Flaggen-Lager im Reichstagsgebäude. Dort kommt "unsere" Flagge in den Schrank der Fahnen, die zur Reparatur müssen."Eine Firma wäscht und repariert die Flaggen so oft, bis sie wirklich nicht mehr zu gebrauchen sind", sagt Cases. Dann geht’s in den Schredder – "um zu verhindern, dass die Flaggen in die falschen Hände kommen."

Bis zu sieben Einsätze überlebt solch eine "Fahne der Einheit". Die Flaggen von anderen Ländern halten länger. "Die sind ja auch immer nur während der Staatsbesuche oben. Da war das Maximum drei Tage am Stück." Und manchmal muss der Flaggen-Wechsel sogar fliegend gehen: "Da biegt der eine Staatsgast um die Ecke und die nächste Kolonne ist schon im Anmarsch", erzählt Cases. Als nächstes steht zum Beispiel der Papst-Besuch im September an. "Die Flagge des Vatikans kommt sonst eher selten zum Einsatz. Aber dann wird sicher alles aufgefahren, was wir zu bieten haben."

Und wenn die Bilder vom Papst im Bundestag um die Welt gehen werden, dann weiß ich, wer dafür gesorgt hat, dass das weiß-gelbe Tuch richtig herum hängt.


Kommentare

 

Prettyboy schrieb am 19.08.2012 04:09

Die Dinger, bei denen man mit Plastikpistole auf den Monitor schiedft, nennen sich fcbrigens im Fachjargon Rail Shooter bzw. Lightgun Shooter .

 

 

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