"Wir wollen den Dialog zwischen Fans, Verbänden und der Polizei stärken", begründete die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), die Diskussion im Bundestag. Sind diese drei Gruppen mit den Problemen alleine überfordert oder warum schaltet sich das Parlament ein?
Wenn der Sportausschuss sich mit einem Thema befasst, dann wird da ja nichts konkret entschieden. Wir können aber die Bedeutung eines Themas unterstreichen. Der Dialog zwischen den drei Beteiligten findet ja regelmäßig und auf unterschiedlichen Ebenen statt – die Anhörung ist also auch als Anerkennung für diese Arbeit zu verstehen.
Auch in anderen Sportarten ist die Fankultur stark ausgeprägt. Wie kommt es, dass gerade in Fußballstadien die Situation so oft eskaliert – wie beispielsweise im Oktober bei einem DFB-Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden?
Das hat sicher mit der Popularität des Fußballs zu tun. Und dann ist Fußball aber auch ohne Frage ein sehr emotionaler und zum Teil auch aggressiver Sport.
Sind das überhaupt Fußballfans oder treffen sich da einfach ein paar gewaltbereite Randalierer?
Das ist ein Punkt, der auch in der Anhörung angesprochen worden ist. Experten haben bestätigt, dass leider unter den Stadionbesuchern oft Menschen sind, denen es nicht um den Fußball geht, sondern nur um die Randale.
Die Polizei hat vor Kurzem sogar lebenslange Stadionverbote für gewaltbereite Fußballfans gefordert. Was halten Sie von Stadionverboten für Einzelpersonen oder sogar ganze Gruppen?
Stadionverbote sind nicht ganz unproblematisch und vor allem schwer umzusetzen. Woher soll der Ordnungshüter wissen, dass da jemand Stadionverbot hat? Die herauszufiltern, das geht nur in Zusammenarbeit mit allen Akteuren und besonders auch mit den organisierten Fangruppen. Ein lebenslanges Stadionverbot halte ich für wenig sinnvoll. Grundsätzlich bleibt ja die Hoffnung, dass das Stadionverbot vielleicht zu einem Umdenken bei den Betroffenen führt.
Fanvertreter kritisieren, dass Stadionbesucher über einen Kamm geschert werden. Teilweise wird über ein generelles Alkoholverbot in Stadien oder die Abschaffung von Stehplätzen diskutiert. Wie lässt sich eine Lösung finden, die allen gerecht wird?
Die Frage der Stehplätze habe ich in der Anhörung selbst angesprochen. Die Vertreter der Vereine haben bestätigt, dass Stehplätze ein wichtiger Bestandteil der Fußballkultur sind. Es wäre auch unsozial, weil gerade die Fans mit dem kleinen Geldbeutel davon betroffen wären. Es kann also niemand ernsthaft Bestrebungen haben, Stehplätze abzuschaffen. Und wenn ein Besucher eines Fußballspiels gerne ein Bier in der Halbzeit trinkt, wäre es sehr unfair, ihn da zu bevormunden. Die randalierenden Fans trinken sich ja schon bei der Anreise warm. Daher wäre es sinnvoller schon bei einem Alkoholverbot in Zügen oder Bussen anzusetzen.
In den oberen Ligen sorgt die Polizei und Sicherheitspersonal für Ordnung im und um das Stadion. Wie können sich kleinere Vereine vor Gewaltausbrüchen schützen?
Um die Sicherheit bei An- und Abfahrt kümmert sich ja die Bundespolizei. Für die Sicherheit in den Stadien sind dann die Vereine selbst verantwortlich. Wenn Vereine unterer Ligen mit der Größenordnung der Zuschauer überfordert sind, können sie sich zum Beispiel an ihren Verband wenden. Aber in der Regel ist das ja gut kalkulierbar, wie viele Fans kommen.
Gibt es politisch geförderte Projekte, die an der Basis ansetzen und jungen Menschen vermitteln, dass Gewalt und Sport sich eigentlich ausschließen?
Fanprojekte sind über ganz Deutschland verteilt. Bei der Anhörung war daher nicht nur ein Vertreter einer Faninitiative sondern auch der Sprecher der "Koordinationsstelle Fanprojekte" eingeladen. Diese haben ihre konkreten Erfahrungen geschildert und zum Beispiel von zu knappen finanziellen Mitteln berichtet, was ja nicht zuletzt auch eine kommunale Aufgabe ist. Es ist klar, dass nur durch eine enge Zusammenarbeit mit der Fanszene auf die Zuschauer eingewirkt werden kann, welche die Grenzen überschreiten.
Die Anhörung im Sportausschuss am 8. Februar war der "Anpfiff" im Bundestag zum Thema Gewalt im Fußball. Wie geht es jetzt weiter?
Es ist klar geworden, dass es bei einer ganzen Reihe von Fragen gut ist, sie aus sportpolitischer Sicht zu bewerten. Konkret ging es um die Kennzeichnung von Polizisten, die vorher schon im Innenausschuss diskutiert worden ist. Eine Kennzeichnung der Beamten auf dem Rücken bringt uns hier allerdings nicht weiter. Generell versuchen wir im Sportausschuss, wichtige Themen zu benennen und ein Diskussionsforum zu bieten. Man darf aber nicht zu schnell zu viel erwarten. Nicht jeder Lösungsvorschlag macht in der Praxis wirklich Sinn.
Gehen Sie eigentlich selbst ins Stadion?
In den letzten Monaten habe ich mir öfter Spiele von meinem Heimatverein Göttingen 05 in der fünften Liga angeschaut. Da habe ich mir im Übrigen immer ganz bewusst eine Stehkarte besorgt.









