Eigentlich wollte Katrin nach Verwandten ihrer Mutter suchen, die die Familie in der NS-Zeit aus den Augen verloren hatte. Beim Internationalen Suchdienst (ISD) in Bad Arolsen fand sie zwar keine Informationen über sie – aber eine Ausbildung, die sie interessierte. Kurzerhand bewarb sie sich um den Ausbildungsplatz zur Kauffrau für Bürokommunikation und begann wenige Monate später dort zu arbeiten.
Das ist mittlerweile vier Jahre her. Die Assistenzaufgaben, die sie in ihrer Ausbildungszeit vor allen Dingen übernommen hatte, liegen nun größtenteils hinter ihr, denn mittlerweile ist sie als vollwertige Archivmitarbeiterin übernommen worden. "Das ist etwas komplett anderes", sagt sie. Heute assistiert sie nicht mehr, sondern bereitet selbst die Dokumente über die nationalsozialistische Verfolgung, Zwangsarbeit und den Holocaust für die Restaurierung vor.
Aktuell verarbeiten sie und ihre Kollegen rund 300.000 Original-Dokumente aus dem Konzentrationslager Dachau, in denen von 1934 bis 1945 die Häftlinge registriert wurden. "Ich erfasse die Dokumente und lege Zwischenblätter zum Schutz der Schrift ein. Später werden die Dokumente dann mit Hilfe von Chemikalien entsäuert." Das ist nötig, damit sich das Papier im Lauf der Zeit nicht zersetzt. Acht Stunden am Tag macht sie das gemeinsam mit sechs Kollegen. "Teamarbeit ist dabei nur begrenzt möglich. Das kann manchmal ganz schön eintönig sein, aber diese Arbeit ist sehr wichtig, damit die Dokumente erhalten bleiben und nie vergessen wird, was damals passiert ist."
Katrin setzt sich außerdem nicht immer nur mit der Beschaffenheit solcher Dokumente, sondern auch mit ihren Inhalten auseinander. Eine Zeit lang hat sie in einer Abteilung gearbeitet, in der sie Suchanfragen bearbeitet und die Schicksale von Vermissten recherchiert hat. "Das geht mir schon oft nah. Besonders wenn Familien auseinander gerissen und Kinder zu Waisen wurden."
Ihr selbst wurde erst während der Arbeit im Archiv wirklich bewusst, was während des Holocaust geschehen ist und was die Menschen damals mitmachen mussten. "In meiner Schulzeit ist dieses Thema viel zu kurz gekommen", sagt sie. Deshalb begrüßt sie es sehr, dass Schulklassen das Archiv besuchen können. "Wir machen Führungen und die Schüler können selbstständig zu bestimmten Themen recherchieren." Auch sie selbst hat das genutzt, als sie die Verwandten ihrer Mutter finden wollte – und ist inzwischen fündig geworden. Wenn auch nicht über den Suchdienst, sondern über andere Angehörige.







