Internationales Parlaments-Stipendium im Bundestag
Von A wie Albanien bis U wie USA: Über 1.000 Politikbegeisterte aus aller Welt haben bisher das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) erhalten. Während ihres Aufenthalts in Deutschland machen die Studenten ein 15-wöchiges Praktikum bei einem Bundestagsabgeordneten. Sie können also an den Sitzungen teilnehmen und so hinter die Kulissen des Parlaments blicken.
Gleichzeitig sind sie an der Humboldt-Universität eingeschrieben und besuchen Vorlesungen der drei Berliner Universitäten. Aber das ist noch nicht alles: Die Bundestagsverwaltung organisiert außerdem Seminare, in denen sich die Teilnehmer über die Wirtschaft und Kultur in Deutschland informieren können.
Voraussetzungen für die Teilnahme sind unter anderem gute Deutschkenntnisse, ein abgeschlossenes Studium und die Staatsbürgerschaft eines der 28 teilnehmenden, meist europäischen Länder. Wer sich bewerben will, muss außerdem jünger als 30 Jahre sein und sich in seiner Heimat politisch engagiert haben. Eine unabhängige Kommission wählt jedes Jahr die 120 am besten geeigneten Studenten aus.
Aber auch als deutsche Studenten könnt ihr ein Parlaments-Praktikum machen: Schaut Abgeordneten in Frankreich, Polen, Lettland und Ungarn bei ihrer Arbeit über die Schulter. Wie, erfahrt ihr auf den nächsten Seiten.
Paris erleben bei der Assemblée Nationale in Frankreich
"Salut Paris!" heißt es jedes Jahr für fünf politisch und gesellschaftlich interessierte Studenten und Hochschulabsolventen. Die können von Anfang September bis Ende Juli das französische Parlament kennenlernen und am Institut d'Etudes Politiques des Paris studieren. Seit 1991 schon vergibt die Assemblée Nationale in Zusammenarbeit mit dem Institut d'Etudes Politiques de Paris ein zehnmonatiges Praktikum in der französischen Nationalversammlung. Begleitet einen Abgeordneten der Assemblée Nationale und übernehmt Aufgaben eines Parlamentarierbüros. Dazu gehört nicht nur Artikel und Briefe zu schreiben, sondern auch Reden zu verfassen, Sitzungen vorzubereiten und Gutachten auszuarbeiten.
Die Studiengebühren und Sozialbeiträge werden vom Institut d'Etudes Politiques des Paris übernommen. Zusätzlich werdet ihr mit rund 880 Euro pro Monat unterstützt. Alles was ihr braucht, ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium, das maximal vier Jahre zurückliegt, oder mindestens sechs abgeschlossene Semester, wenn das Programm beginnt. Ihr müsst deutscher Staatsbürger sein und natürlich solltet ihr sehr gut Französisch sprechen und mit dem französischen, deutschen und europäischen politischen System vertraut sein.
Budapest im Herbst: Praktikum beim Országgyűlés in Ungarn
Ihr sucht noch ein Thema für eine Seminar-, Abschluss- oder Doktorarbeit? Dann bewerbt euch für das Parlamentsstipendium in Budapest! Schlüpft drei Monate in die Beobachterrolle und lernt die verschiedenen parlamentarische Gremien, gesellschaftspolitische Institutionen, Konferenzen und Kommunen kennen. Außerdem stehen Vorlesungen an der Andrássy Universität Budapest auf der Tagesordnung. Aber keine Bange: Der Austausch mit wichtigen Persönlichkeiten des öffentlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens kommt dabei nicht zu kurz. Abschließend haltet ihr eure Eindrücke in einer Studie fest, die veröffentlicht wird. Das Thema könnt ihr selbst wählen. So lässt sich das Stipendium problemlos in eure Studiengänge integrieren.
Das Stipendium des Országgyűlés dauert drei Monate und wird an drei Stipendiaten vergeben. Los geht's jedes Jahr am 1. Oktober. Das Ungarische Parlament übernimmt eure Reisekosten, bezahlt Unterkunft und Versicherung sowie den öffentlichen Nahverkehr. Zusätzlich bekommt ihr ein monatliches Taschengeld von 600 Euro. Klingt gut? Dann solltet ihr ein abgeschlossenes Bachelorstudium haben und euch für die Politik, Geschichte und Kultur Ungarns interessieren.
Parlament auf Polnisch beim Sejm in Warschau
Ihr seid politisch interessiert und sprecht Polnisch? Dann auf nach Warschau zum Parlamentspraktikum! Drei Monate begleitet ihr einen polnischen Abgeordneten, so bekommt ihr einen direkten Einblick in den parlamentarischen Alltag. Aber nicht nur das: Ob beim Verfassen von Reden, bei der wissenschaftlichen Recherche oder Vorbereitungen von Sitzungen – eure Mitarbeit ist gefragt. Außerdem könnt ihr noch ein bisschen Studentenluft schnuppern: Während eures Aufenthalts seid ihr als Gasthörer an der Uni eingeschrieben. Besucht also alle offenen Vorlesungen und verbessert eure Polnischkenntnisse. Darüber hinaus könnt ihr auf Ausflügen mehr über die Kultur und Geschichte Polens erfahren.
Finanziell werdet ihr mit rund 430 Euro pro Monat unterstützt. Außerdem werden eure Unterkunft und die Reisekosten übernommen. Schon seit 2007 bieten der Sejm, eine Kammer des polnischen Parlaments, und die Universität Warschau das Internationale Programm der Parlamentspraktika (MPSP) an. Wenn ihr daran teilnehmen wollt, solltet ihr nicht älter als 30 sein, euer Universitätsstudium erfolgreich abgeschlossen haben und gute polnische Sprachkenntnisse besitzen.
Wissen sammeln beim Saeima in Lettland
Ihr habt nicht so viel Zeit, die ihr im Ausland verbringen könnt? Dann bietet euch Lettland eine Alternative: Das Parlament der Republik Lettland, Saeima, vergibt seit 2010 jedes Jahr ein dreiwöchiges Praktikum. Das Ziel: Den Stipendiaten die lettische Republik näherbringen, vor allem das politische System, und die Beziehung zwischen Deutschen und Letten vertiefen.
In den ersten beiden Wochen seid ihr dabei, wenn die Abgeordneten und die Fraktionen an die Arbeit gehen. Die dritte Woche wird speziell: Lernt den Arbeitsalltag einer Parlamentsinstitution kennen, die sich entweder mit auswärtigen Angelegenheiten oder Öffentlichkeitsarbeit befasst. Das könnte zum Beispiel der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten, das Büro für Interparlamentarische Beziehungen oder das Protokollreferat sein. Und wenn ihr schon mal da sein, könnt ihr an der Uni einen Einführungskurs über Lettland besuchen.
Für die drei Wochen erhaltet ihr ein einmaliges Stipendium von 400 Euro. Für Reise- und Versicherungskosten werdet ihr zusätzlich mit 430 Euro unterstützt und die Unterkunft ist kostenlos. Ihr wollt euch bewerben? Dafür müsst ihr ein Bachelorstudium abgeschlossen haben, einen Beruf im Staatsdienst oder in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens anstreben und gute Englischkenntnisse haben. Außerdem ist es von Vorteil, wenn ihr schon ein bisschen Lettisch könnt und Politikwissenschaft studiert.