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Mehr als "Jugo-Nostalgie"

Der Abgeordnete Josip Juratovic (SPD) nimmt seit 2007 jedes Jahr einen IPS-Stipendiaten in seinem Büro auf und trifft sich mit allen Stipendiaten aus der Westbalkan-Region. Er will ihnen einen offenen Raum zur Debatte über die gesellschaftspolitischen Probleme in ihren Heimatländern bieten. Juratovic stammt selbst aus Koprvnica im heutigen Kroatien. Im Interview hat er Stipendiat Damir Stambolija erklärt, was er sich von den Treffen verspricht.

Josip Juratovic

Josip Juratovic engagiert sich im Bundestag für die Westbalkan-Region. – © DBT/Lichtblick/Achim Melde


Warum veranstalten Sie diese Westbalkan-Treffen?

Das Programm lebt vom Engagement aller Beteiligten, auch der Abgeordneten. Und da trage ich gerne meinen Teil dazu bei. Ich bin im früheren Jugoslawien aufgewachsen und beschäftige mich auch als Abgeordneter mit der politischen und gesellschaftlichen Situation auf dem Westbalkan. Bei den Treffen mit den Stipendiaten erfahre ich viel über die aktuelle Lage.

Aber vor allem führe ich diese Treffen durch, um den IPS-Teilnehmern den Rahmen für eine Diskussion untereinander zu geben. Diese Treffen finden nicht aus "Jugo-Nostalgie" statt, sondern weil alle Staaten des Westbalkans vor denselben Herausforderungen stehen, die sie nur gemeinsam bewältigen können. Einerseits ist dies der Aufbau einer Wirtschaftsregion und andererseits natürlich die europäische Einbindung.

Ich habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass die Westbalkan-Treffen für viele Stipendiaten sehr wichtig sind. Natürlich reden sie miteinander in ihrer Freizeit. Aber für schwierige Themen ist ein geschützter, produktiver Rahmen notwendig. Und diesen will ich den IPS-Teilnehmern ermöglichen.

Was können die IPS-Stipendiaten in ihren Ländern verbessern?

Ein optimales Ergebnis wäre für mich, wenn die IPS-Stipendiaten aus dem Balkan nach unseren Treffen eins geschafft haben: Ganz konkret zu sagen, was sie sich für die Zukunft ihrer Gesellschaften wünschen. Sich über seine Ziele klar zu sein, ist ein wichtiger Schritt. Dass sich in den Staaten des Westbalkans momentan nicht alles positiv entwickelt, ist offensichtlich. Das wird einem jeder Mensch auf dem Westbalkan bestätigen. Aber nur wenige haben neben der Kritik für das Bestehende auch konstruktive Vorschläge für das Zukünftige.

Ich wünsche mir, dass möglichst alle Stipendiaten nach ihrer Zeit in Berlin in ihrem Heimatland gesellschaftspolitisch aktiv werden – ob dies in einer Partei ist, was sicherlich in vielen Ländern sehr schwierig ist, oder an anderer Stelle. Wichtig ist das Ziel, etwas zum Besseren verändern zu wollen. Und das nicht nur kurzfristig, sondern von längerer Dauer. Alle Stipendiaten haben hier in Berlin gesehen, wie lange gute Vorschläge brauchen, bis sie Gesetz sind. Wer gesellschaftlich etwas verändern will, braucht einen langen Atem. Wichtig ist: Nicht aufzugeben, auch wenn über eine lange Zeit keine Ergebnisse der Bemühungen zu sehen sind. Wer sich beharrlich für seine Überzeugungen einsetzt, wird irgendwann Erfolg haben.

Ich hoffe, dass auch dann noch die Kontakte zu anderen ehemaligen Stipendiaten aus Westbalkan-Ländern bestehen. Eine langfristige Vernetzung der Westbalkan-Stipendiaten wäre für die Region sehr positiv. Hier liegt es an den Stipendiaten, die Vernetzung zu institutionalisieren. Ich freue mich sehr, dass die diesjährigen Stipendiaten das ebenso sehen. Für ihre Vernetzung wünsche ich ihnen viel Erfolg!


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Partystimmung im Paul-Löbe-Haus

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