Das Berliner Paul-Löbe-Haus am frühen Nachmittag: Rote Handabdrücke auf weißen DIN-A4-Blättern peppen die sonst eher graue Umgebung auf. Der zwölfjährige Anton hat sich die Leiter geschnappt. Fachmännisch und unbeeindruckt von den Politikern und Medienvertretern befestigt er die Papierbögen mit Klammern an einer Wäscheleine. Drei Leinen hat der Gymnasiast mittlerweile behangen – auf eine passen circa 25 Blätter.
Auf Anregung von Schülern des Johann-Rist-Gymnasiums aus Wedel bei Hamburg unterstützt die Kinderkommission (KiKo) des Bundestages diese Aktion zum internationalen "Red Hand Day" am 12. Februar. Die roten Handabdrücke stehen für das "Nein" zu minderjährigen Soldaten.
250.000 Kindersoldaten auf der ganzen Welt
Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind weltweit noch immer 250.000 Kindersoldaten als Kämpfer, Träger, Nachrichtenübermittler oder Spione im Einsatz. Allein im südostasiatischen Birma stehen 77.000 Kinder in den Reihen der staatlichen Armee. Vor zehn Jahren trat am 12. Februar das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention in Kraft, das Mädchen und Jungen unter 18 Jahren vor dem Einsatz als Soldaten schützen soll. In aller Welt engagieren sich an diesem Tag seitdem besonders Jugendliche, um die Rekrutierung von Kindern zu verhindern.
"Mit einer Stimme wollen wir öffentlich die Hände heben gegen Gräueltaten, zu denen Kinder weltweit gezwungen werden", eröffnet die KiKo-Vorsitzende Nicole Bracht-Bendt (FDP) die Aktion. Den anwesenden Schülern versichert sie, dass Deutschland viele Projekte unterstütze, "um dem Unrecht ein Ende zu bereiten". Auch ihre Kollegen von der Kinderkommission Eckhard Pols (CDU/CSU) und Marlene Rupprecht (SPD) tauchen ihre Hände in die rote Farbe. "Es ist so wichtig, dass der Deutsche Bundestag ein Zeichen gegen Kindersoldaten setzt. Über den Ansturm bin ich sehr positiv überrascht", sagt KiKo-Mitglied Diana Golze (Die Linke).
"Die Aktion hat eine solche Macht"
Die ersten Aktionen mit roten Händen gab es im Jahr 2002. "Schon UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der damalige Bundespräsident Horst Köhler empfingen Rote-Hand-Aktivisten. Jetzt sind wir im Bundestag. Das ist unglaublich, die Aktion hat eine solche Macht", stellt Günter Haverkamp vom Verein "Aktion Weißes Friedensband" fest.
"Der Ablauf der Aktion – beginnend beim Einfärben der Hand mit roter Fingerfarbe, über den Abdruck auf ein Papier – bietet viel Platz für eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Krieg und Gewalt", erklärt die 20-jährige Mariam Demir. Seit zwei Jahren unterstützt die Gymnasiastin die Aktion. Auch von ihren Freunden nimmt sie munter Handabdrücke. Bis Ende 2011 wurden weltweit fast 370.000 Abdrücke von roten Händen zusammengetragen.
Botschaften an die Politik
Besonders Engagierte verzieren ihren Handabdruck außerdem mit Botschaften und Forderungen: "Kinder in die Schule – nicht aufs Schlachtfeld" oder "Gegen Kindersoldaten" steht zum Beispiel auf den Zetteln im Bundestag. Katy Mietzger hat sich für das Statement "Liebe statt Krieg" entschieden. Solche "gelungenen Aktionen" könne sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag öfter vorstellen. Der Zeitpunkt sei gut gewählt: "Jetzt nach Ausschusssitzungen lassen sich besonders viele Abgeordnete blicken." Unter anderem Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder (CDU/CSU), Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) und Grünen-Fraktionschefin Renate Künast machen sich für den guten Zweck die Hände schmutzig.
Anton hängt die roten Hände mittlerweile in zweiter Reihe auf. Viel Platz ist nicht mehr, das Interesse aber nach wie vor groß. Sobald die mehr als 100 Abdrücke getrocknet sind, wird die Kinderkommission sie an die Vereinten Nationen weiterleiten.








