"Wir feiern heute den zehnten Geburtstag des Zusatzprotokolls der UN-Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten", begrüßte Ralf Willinger von der Kinderhilfsorganisation "terre des hommes" die Anwesenden. Der Kinderrechtsexperte würdigte die Erfolge, die seitdem durchgesetzt wurden: In der internationalen Strafverfolgung habe es Fortschritte gegeben, zudem sei das internationale Bewusstsein gestiegen.
"Das ist Verdienst der Zivilgesellschaft, die durch Aktionen wie etwa die Rote-Hand-Kampagne die Aufmerksamkeit auf eben jenes Thema lenkt", sagte Willinger. Der Druck, der bei solchen Aktionen entstehe, sei sehr wichtig. Denn die bis jetzt erreichten Maßnahmen reichten noch bei Weitem nicht aus. Deutschland müsse zudem auch selbst "seine Hausaufgaben machen" und mit positivem Beispiel vorangehen: Bisher rekrutiere die Bundeswehr jedes Jahr rund tausend 17-jährige Freiwillige – dies hätten die Vereinten Nationen schon mehrfach kritisiert.
"Die Mädchen nicht vergessen"
May Evers sprach das "stumme Leiden, also die Rehabilitierung von Kindersoldaten" an. Die Kinderrechtsexpertin der Organisation "Plan" forderte, dass "langfristig und individuell angelegte Programme entworfen und umgesetzt werden". Dabei müsse der Fokus vor allem auf Bildungschancen, Traumaheilung und Einkommen schaffende Maßnahmen gelegt werden, damit sich die Betroffenen wieder in Gemeinschaften integrieren könnten. Ziel sei, dass "auch diejenigen Kinder und Jugendlichen erreicht werden, die vom Krieg betroffen sind, aber nicht unbedingt aktiv am Kriegsgeschehen beteiligt waren".
Ihre Forderung untermauerte Evers mit schrecklichen Zahlen: 90 Prozent der ehemaligen Kindersoldaten litten an einer posttraumatischen Belastungsstörung, 65 Prozent unter schwersten Depressionen. "Besonders instabil sind die Mädchen – 40 Prozent hegen Selbstmordgedanken."
Mädchen dürften nicht vergessen werden:"Sie werden lediglich als Ehefrauen von Soldaten angesehen und daher nicht in Hilfsprogramme aufgenommen." Dabei hätten sie auch zu leiden – oft würden die Verwandten der Mädchen ermordet. Oder sie müssten ihre Körper verkaufen, um sich und die eigene Familie zu ernähren. Zudem bekämen sie in der Dorfgemeinschaft oft soziale Ablehnung und Ausgrenzung zu spüren.
Schüler brachten die KiKo auf die Aktion "Rote Hand"
Der Siebtklässler York Frerks vom Johann-Rist-Gymnasium aus Wedel bei Hamburg war der jüngste Sprecher. Von Kindersoldaten habe er zum ersten Mal im Religionsunterricht gehört. Seitdem sammelt er gemeinsam mit seinen Klassenkameraden rote Handabdrücke. Die lauschten der Pressekonferenz auf der Besuchertribüne des Sitzungssaals: Die Kinderkommission des Bundestages (KiKo) hatte sie eingeladen; denn die Schüler waren es, die die Kommission auf die Idee zur Aktion "Rote Hand" im Paul-Löbe-Haus gebracht hatten. "Die Abdrücke übergeben wir dann den Politikern und hoffen, dass die Presse darüber berichtet", sagte York.
Beim letzten Weihnachtsbasar verkauften die Schüler Plätzchen in Handform – so hätten auch umliegende Schulen von der Aktion erfahren. Im Rahmen der Kampagne interviewten die Gymnasiasten auch ihre Großeltern. Einige von ihnen berichteten, wie sie als Minderjährige "im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten rekrutiert und ohne Ausbildung an die Front geschickt wurden". Ihre Schilderungen hätten die Schüler ermutigt, sich gegen Kindersoldaten stark zu machen. Damit "sich was verbessert" will sich York Frerks weiterhin engagieren.
"Im Parlament wird gesprochen"
Auch die 20-jährige Mariam Demir engagiert sich seit zwei Jahren beim "Red Hand Day". "Was wird denn nun passieren? Wir reden zwar, doch tut sich nichts", machte ihrem Unmut Luft. Das Parlament sei eine wichtige Einrichtung, in der "nun mal geredet wird", antwortete Tom Koenigs (Bündnis90/Die Grünen), Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses. Kommunikation sei unabdingbar, um dann durch Opposition, über Zuhörerschaft und Presse einen gewissen Druck aufzubauen. Auf den Versuch käme es an. "Und manchmal dauert der Prozess eben 40 Jahre – wie der Atomausstieg zeigt", so der Grünen-Politiker. Er forderte, in Deutschland die Rekrutierung als Kindersoldat als Asylgrund anzuerkennen und minderjährige ehemalige Kindersoldaten nicht abzuschieben: "Das deutsche Asyl- und Aufnahmesystem versagt hier."








