Aus Überzeugung, als Notlösung, wegen der Ferien – es gibt viele Gründe, warum ein Schulabgänger Lehrer werden will. Und Pädagogen werden dringend gebraucht, denn derzeit fehlen in Deutschland rund 45.000 Lehrkräfte. Doch man sollte sich wirklich nur für ein Lehramtsstudium entscheiden, wenn man gern mit Teenagern zusammenarbeitet, seine Arbeit ernst nimmt und Freude an einem abwechslungsreichen, kreativen Unterricht hat. Bleibt nur die Frage, wo studieren?
Mit dem Wo kommt das Wie
Dass der Föderalismus seine Tücken hat, merkt man als Schüler nicht nur an den unterschiedlichen Ferienterminen. Auch angehende Lehramtsstudenten können hierzulande nicht einfach drauf los studieren. "Lehramt ist nicht gleich Lehramt. Man muss sich schon genau informieren, um die passende Ausbildungsstätte zu finden", so Andree Adolph von der TU Dresden, der selbst Gymnasiallehrer ist.
Wer sich zum Beispiel für Baden-Württemberg entscheidet, studiert acht Semester für Grund- und Hauptschule sowie 10 Semester für die Gymnasialstufe. Dann legt er am Ende ein Staatsexamen ab. In Bayern heißt der Abschluss auch Staatsexamen, aber jede Schulstufe sieht ein Semester weniger als in Baden-Württemberg vor. In Berlin und Sachsen beispielsweise erlangen Lehramtsstudenten am Ende den Bachelor oder Master. Doch als ob dies nicht bereits genug Verwirrung stiften würde, will Sachsen den Lehramtsbachelor und -master wieder einschaffen und stattdessen das alte, aber reformierte Staatsexamen anbieten.
Unterschiede gibt es auch bei der Dauer des Referendariats: Sachsen will es von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzen. In Brandenburg verbringen angehende Lehrer aller Schularten durchweg zwei Jahre im sogenannten Vorbereitungsdienst. In Niedersachsen sind es anderthalb Jahre. Das Bundesland Thüringen unterscheidet hier zwischen Grundschule und Gymnasium: Angehende Grundschullehrer müssen anderthalb, Gymnsiallehrer zwei Jahre ins Referendariat.
Wer die Wahl hat, hat die Qual
Weitere Fragen machen die Entscheidung schwer: Kann man sich schon vor Studienbeginn festlegen, welche Schulform man später unterrichten möchte? Wer zum Beispiel noch nicht genau weiß, ob die Grundschule oder doch das Gymnasium die richtige Richtung ist, für den wäre Rheinland-Pfalz eine Option, denn die Entscheidung muss dort erst nach dem fünften Semester gefällt werden. Seine Schulart gleich festlegen muss, wer in Bayern auf Lehramt studiert.
Hat der Lehramtsstudent nur seinen Bachelor gemacht, kann er sich auch in eine ganz andere Richtung entwickeln und etwa ins Kultusministerium oder in einen Schulbuchverlag gehen. Denn erst der "Master of Education", der einst zweites Staatsexamen hieß, befähigt zum Referendariat, das schließlich in den Schuldienst führt.
Zu viele Köche verderben die Schulreform
Warum gibt es aber in Deutschland so viele unterschiedliche Formen des Lehrerausbildung? Grund dafür ist die ungleiche Schwerpunktsetzung der einzelnen Bundesländer. Bildungssache ist Ländersache. Zwar sind sich Sachverständige und Kultusminister in vielen Punkten einig, setzen aber inhaltlich und strukturell auf unterschiedliche Aspekte.
Ein Versuch dieses Wirrwarr aufzulösen sollte der "Bologna-Prozess" sein, der vor fünf Jahren die Abschlüsse Bachelor und Master einführte. Nur waren nicht alle 16 Bundesländer motiviert, ihre bestehende Lehrerausbildung auf den Kopf zu stellen. "Sachsen hat sich mit als erstes Bundesland für die Umstellung auf das Bachelorsystem entschieden", so Adolph. Bayern und Nordrhein-Westfalen hingegen hielten am Staatsexamen fest, selbst Sachsen geht nun wieder dahin zurück. Es gibt bis heute kein länderübergreifendes Gesamtkonzept zur Neustrukturierung des Lehramtsstudiums.
Umzüge in der Ausbildung sind schwierig
Bis es wirklich zu einer Einigung kommt, scheitern noch zahlreiche Studenten beim Versuch von einer Abschlussform in die andere zu wechseln: Ein Bachelorabschluss befähigt nicht zur Zulassung zum zweiten Staatsexamen. Wer sich also einmal für eine Studienform entschieden hat, muss diese auch zu Ende bringen. Daher sollte sich jeder Lehramtsstudent rechtzeitig auf den Internetseiten der verschiedenen Hochschulen und Ausbildungsstätten über das Studium informieren. Hilfe und Überblick bieten auch Bildungsserver oder Webseiten zur Studienwahl, zum Beispiel von der Bundesagentur für Arbeit. Also, zunächst einen kühlen Kopf bewahren – und dann ab ins Klassenzimmer!








