Ende Mai stellte die SPD-Fraktion eine Große Anfrage an die Bundesregierung. Darin finden sich zahlreiche Fragen zu mittelständischen Unternehmen, etwa zur Entwicklung, ebenso wie zum Fachkräftebedarf. Doch wer zählt überhaupt zum Mittelstand?
Früher bezeichnete der Mittelstand das Bürgertum. Also eine gesellschaftliche Schicht, die gemessen an Einkommen, Vermögen oder Beruf eine mittlere Stellung einnahm. Heute bezieht sich der Begriff auf kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) aus Wirtschaftsbereichen wie Industrie, Handwerk und Handel, die nach Definition der Europäischen Kommission einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro machen und in denen nicht mehr als 249 Mitarbeiter angestellt sind.
Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen
Unter den Mittelstand fallen auch Kleinstunternehmen, die – wie der Name schon verrät – die kleinste Unternehmensform darstellen: Nach Einteilung der Europäischen Kommission gibt es dort nicht mehr als neun Mitarbeiter und der Umsatz beschränkt sich auf maximal zwei Millionen Euro im Jahr. Zum Mittelstand gehören außerdem Betriebe, die im Jahr unter zehn Millionen Euro erwirtschaften und in denen zehn bis 49 Angestellte arbeiten, die sogenannten kleinen Unternehmen. Mittlere Unternehmen haben einen Umsatz von weniger als 50 Millionen Euro und höchstens 249 Beschäftigte. Firmen mit mehr Beschäftigten und höherem Umsatz gelten als Großunternehmen.
Dieser Definition nach zählen 99,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland zu den kleinen und mittleren Unternehmen. Sie erwirtschaften 37,8 Prozent aller Umsätze. 55,1 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aller Unternehmen arbeiten in mittelständischen Betrieben.
Wer beim Mittelstand außerdem an Familienbetriebe denkt, liegt nicht ganz falsch. Denn viele mittelständische Unternehmen sind auch gleichzeitig Familienunternehmen. Allerdings zeichnen sie sich nicht durch ihre Größe, sondern durch ihre Geschäftsführung aus. Gehört zwei Personen oder ihren Familienangehörigen mindestens die Hälfte einer Firma, handelt es sich um ein Familienunternehmen. So können aber auch Konzerne mit mehr als 249 Beschäftigten ein solches sein.
Konstante Entwicklung
In Deutschland zählen rund 3,6 Millionen Unternehmen zum Mittelstand. Daran hat sich in den vergangenen 20 Jahren nichts geändert. Auch in anderen Ländern sieht es ähnlich aus: Innerhalb der EU ist der Anteil kleinster, kleiner und mittlerer Unternehmen vergleichbar hoch, nämlich 99,8 Prozent.
2009 waren in Deutschland in den kleinen und mittleren Unternehmen 13,9 Millionen Menschen beschäftigt. Davon arbeiteten rund 3,9 Millionen Beschäftigte in kleinsten, 4,7 Millionen in kleinen und 5,2 Millionen in mittleren Unternehmen. Insbesondere im Bau- und Gastgewerbe sowie im Handel finden sich viele mittelständische Unternehmen.
Doch auch große Unternehmen sind für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig. Zu ihnen zählen etwa 16.700 Betriebe, bei ihnen arbeiten aber mit etwa 11,3 Millionen überproportional viele Menschen, nämlich rund 45 Prozent aller Beschäftigten. Vor allem in der Energieversorgung haben Großunternehmen die Nase vorn: Dort haben rund 195.000 Mitarbeiter eine Stelle – also etwa 87 Prozent der Menschen, die in diesem Wirtschaftszweig beschäftigt sind.
Arbeitgeber für viele Auszubildende
In mittelständischen Unternehmen arbeiteten 2006 bis 2010 jährlich jeweils rund 72 Prozent der Auszubildenden, 2010 waren es exakt 72,6 Prozent. 26,6 Prozent von diesen absolvierten ihre Ausbildung in mittleren, 25,6 Prozent in kleinen und 20,3 Prozent in Kleinstbetrieben. In ganzen Zahlen: Von insgesamt rund 1,7 Millionen Auszubildenden waren etwa 1,2 Millionen im Mittelstand beschäftigt, die übrigen in Großunternehmen.







