Mit fünf Jahren träumen Kinder normalerweise von einer Karriere als Tierarzt, Feuerwehrmann oder Herrscher eines Königreiches. Josefs Berufswunsch sah von Anfang an anders aus: Er wollte Zimmerer werden – genau wie sein Papa. "Ich fand den Beruf schon als kleiner Junge spannend und habe meinen Vater häufig in seiner Zimmerei besucht, die lag schließlich direkt bei unserem Wohnhaus", erinnert sich Josef.
Heute, mit 30, muss er nicht mehr vom Holzbau träumen. Mittlerweile leitet er das Familienunternehmen, eine Zimmerei und Dachdeckerei. Sieben Angestellte arbeiten dort: Fünf Gesellen, ein Azubi – und sein Vater. Dass das so sein würde, stand schon 2001 fest, als Josef den Posten des Geschäftsführers übernahm. Jetzt arbeitet sein Vater unter ihm, was Josef aber ziemlich gelassen sieht: "Ich bin nicht der Typ, der Boss ist."
Mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 800.000 Euro jährlich zählt Josefs Unternehmen zu den so genannten Kleinstunternehmen. Gemeinsam mit kleinen und mittleren Unternehmen, also Firmen in denen höchstens 249 Menschen arbeiten, bilden Kleinstunternehmen den Mittelstand. Ein Familienbetrieb zeichnet sich dagegen nicht durch seine Größe, sondern durch seine Geschäftsführung aus. Gehört maximal zwei Personen oder ihren Familienangehörigen mindestens die Hälfte einer Firma, handelt es sich um ein Familienunternehmen.
Das Berufsziel Zimmerer ließ Josef seit seiner Kindheit nie aus den Augen: Nach dem Realschulabschluss machte er eine Ausbildung und darf sich inzwischen Zimmerei- und Dachdeckermeister nennen. Als er das Unternehmen übernahm, war er aber noch Geselle – mit plötzlich viel Verantwortung. "Aber Verantwortung", weiß Josef, "hat man schließlich immer." Als Chef kümmert er sich um technische Aspekte, wie die Baustellenplanung und Organisation. Zu seinen Angestellten hat er ein gutes Verhältnis. "Eigentlich ist es so, als ob ich auch ein normaler Mitarbeiter wäre. Wir sprechen uns alle mit 'du' an und meine Angestellten unterhalten sich mit mir auch über persönlichere Themen." Obwohl Josef ein relativ junger Geschäftsführer ist, spielt das in seinem Unternehmen eine untergeordnete Rolle. Bis auf seinen Vater und einen Gesellen sind die restlichen Beschäftigten sowieso genauso alt wie er oder sogar jünger.
Die Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen verbindet Josef aber insgesamt eher mit Vorteilen. Er kennt all seine Mitarbeiter und seine Position bietet ihm viele Freiheiten. In welche Richtung er das Unternehmen lenken will, kann er selbst entscheiden. Angst davor, dass Großunternehmen seinem Betrieb den Markt streitig machen, hat Josef nicht: "Wir haben uns auf Privatkunden und die Modernisierung von Häusern festgelegt, darum kümmern sich große Unternehmen kaum." So plant er in Zukunft weiter Geld in neue Maschinen zu stecken und vielleicht noch einen Mitarbeiter einzustellen: "Das Unternehmen soll beständig und nachhaltig wachsen."
Ob er es später auch an seine zukünftigen Kinder weitergibt, steht dagegen noch nicht fest. "Es würde mich freuen, aber ich werde sie nicht dazu zwingen. Denn wenn ihnen der Beruf keinen Spaß macht, machen sie ihn auch nicht richtig."







