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Stille Örtchen im Parlamentsviertel

Dr. Reinhard Brandl (CDU/CSU) genießt die Ruhe in der Präsenzbibliothek.

Dr. Reinhard Brandl (CDU/CSU) genießt die Ruhe in der Präsenzbibliothek.


Ruhepol im Reichstagsgebäude

Auf der Plenarsaalebene im Reichstagsgebäude herrscht ein ständiges Kommen und Gehen: Medienvertreter gieren nach Statements, Abgeordnete tauschen sich aus und hetzen dann weiter. Parlamentarier Dr. Reinhard Brandl (CDU/CSU) verschwindet dann ganz gern hinter einer eher unscheinbaren Tür. Dahinter: angenehme Stille, kein Ton deutet mehr auf Hektik hin. "In der Präsenzbibliothek finde ich auch mal Ruhe, kann mich wieder sammeln. Die Anspannung fällt dann von mir ab."

Brandl erzählt, dass er sich hier einmal pro Woche aufhält. Dann lässt er seinen Blick durch den neun Meter hohen Raum schweifen. Die Bibliothek ist ein Ort zum Abschalten: Rote Ledersessel bilden einen gelungenen Kontrast zu den dunkelblauen Wänden und laden zum Verweilen ein. Neben alten Parlamentsdrucksachen, Forschungsberichten und Datenhandbüchern liegen aber auch Bildbände aus. Brandl greift am liebsten zu Tages- und Wochenzeitungen.

"Der Raum hat eine besondere Aura." Den Eingang zur Bibliothek habe er nur durch Zufall entdeckt, umso mehr freue er sich nun über "diese Schatzkammer". Durch zwei riesige Fenster dringt viel Licht hinein, noch mehr Sonne gibt's auf dem Balkon der Bibliothek. "Von hier kann man wunderbar den Spreebogen überblicken", sagt Brandl.

Der Unions-Politiker bezog sein Hauptstadtbüro im Jahr 2009. "Anfänglich erschienen mir die Liegenschaften des Deutschen Bundestages sehr groß, doch nach drei Wochen durchschaut man das System." Brandl bereut es keinesfalls, in die Politik gegangen zu sein: "Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen ist doch eine ehrenvolle Aufgabe."

Von Anne Wirth




Ruhepol im Reichstagsgebäude

Auf der Plenarsaalebene im Reichstagsgebäude herrscht ein ständiges Kommen und Gehen: Medienvertreter gieren nach Statements, Abgeordnete tauschen sich aus und hetzen dann weiter. Parlamentarier Dr. Reinhard Brandl (CDU/CSU) verschwindet dann ganz gern hinter einer eher unscheinbaren Tür. Dahinter: angenehme Stille, kein Ton deutet mehr auf Hektik hin. "In der Präsenzbibliothek finde ich auch mal Ruhe, kann mich wieder sammeln. Die Anspannung fällt dann von mir ab."

Brandl erzählt, dass er sich hier einmal pro Woche aufhält. Dann lässt er seinen Blick durch den neun Meter hohen Raum schweifen. Die Bibliothek ist ein Ort zum Abschalten: Rote Ledersessel bilden einen gelungenen Kontrast zu den dunkelblauen Wänden und laden zum Verweilen ein. Neben alten Parlamentsdrucksachen, Forschungsberichten und Datenhandbüchern liegen aber auch Bildbände aus. Brandl greift am liebsten zu Tages- und Wochenzeitungen.

"Der Raum hat eine besondere Aura." Den Eingang zur Bibliothek habe er nur durch Zufall entdeckt, umso mehr freue er sich nun über "diese Schatzkammer". Durch zwei riesige Fenster dringt viel Licht hinein, noch mehr Sonne gibt's auf dem Balkon der Bibliothek. "Von hier kann man wunderbar den Spreebogen überblicken", sagt Brandl.

Der Unions-Politiker bezog sein Hauptstadtbüro im Jahr 2009. "Anfänglich erschienen mir die Liegenschaften des Deutschen Bundestages sehr groß, doch nach drei Wochen durchschaut man das System." Brandl bereut es keinesfalls, in die Politik gegangen zu sein: "Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen ist doch eine ehrenvolle Aufgabe."

Von Anne Wirth

Turnschuhe an und runter zur Spree

Ein Porträt über den Lieblingsort von Judith Skudelny müsste eigentlich auf einem Reiterhof stattfinden. Dort verbringt die FDP-Abgeordnete nämlich am liebsten ihre Zeit: "Beim Reiten kann ich mich am besten entspannen." Während der Sitzungswochen, wenn Judith Skudelny unter anderem im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit arbeitet, ist ihr heimatliches Gestüt bei Stuttgart mehr als 600 Kilometer entfernt. Dann schwingt sie sich statt aufs Pferd in die Sportschuhe und joggt die Spree entlang.

Von ihrem Büro im Jakob-Kaiser-Haus sind es nur wenige Schritte bis zum Flussufer. Gegenüber des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses beginnt ihre Tour durchs Parlamentsviertel. Vorbei an den grauen Betonbauten und den Mahnkreuzen, die an die Opfer erinnern, die an der Berliner Mauer starben. Manchmal joggt die Abgeordnete bis in den Tiergarten auf der anderen Seite des Reichstagsgebäudes.

Auf Kollegen trifft Judith Skudelny dabei selten."Will ich auch gar nicht. Wenn ich laufe, nehme ich mir Zeit für mich", sagt sie. Und zwar so lange, bis sie während des Joggens zu singen anfängt. "Dann weiß ich, dass mein Kopf wieder frei ist", erklärt sie. Auf diese Weise habe sie schon so manche Entscheidung getroffen. "Gerade musste ich zum Beispiel abwägen, ob ich zu einer Partei-Veranstaltung gehe oder am Tag vor dem Geburtstag meiner Tochter lieber nach Hause fliege." Skudelny hat sich für die Heimreise entschieden. Auch die ein oder andere Abendveranstaltung lässt die Mutter ausfallen, wenn ihre Kinder mit ihr in Berlin sind.

Ihre Tochter war 2009 als erstes Baby jemals bei einer Plenarsitzung des Deutschen Bundestages dabei. Inzwischen verbringt sie die Zeit allerdings lieber mit Erkundungstouren mit ihrem Bruder und ihrer Großmutter, während Judith Skudelny arbeitet: "Die gehen dann zum Indoor-Spielplatz oder Roller fahren auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld. Mein Sohn könnte hier in Berlin sicher so einige Lieblingsorte nennen."

Von Anna Frey

Der Balkon der Abgeordneten

Wenn Lars Klingbeil (SPD) Besuchergruppen durch den Bundestag führt, macht er immer auch in der Abgeordnetenlobby Station. Dann erzählt er etwas über das Werk des russischen Künstlers Grisha Bruskin – 115 Einzelbilder, die sich über der roten Bar des clubähnlichen Raumes aneinanderreihen. Das Gemälde ist eines der Kunstwerke im Deutschen Bundestag, die den Viermächtestatus Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisieren. "Die anderen drei aus Frankreich, England und den USA hängen nicht so versteckt und ich finde, so ein Geschenk sollte man schon ab und zu mal zeigen", sagt der Abgeordnete.

An die Lobby angeschlossen ist der Lieblingsplatz des SPD-Politikers: ein steinerner Balkon. Mit Blick auf den Vorgarten des Reichstagsgebäudes genießt Klingbeil hier die Pausen zwischen längeren Debatten. "Im Gebäudekomplex des Bundestages ist das die schnellste Möglichkeit, aus dem Plenarsaal an die frische Luft zu kommen", erklärt er. In entspannter Atmosphäre träfen sich die Abgeordneten hier für nette Gespräche unter Kollegen. "Hier kann man sich auch ungezwungen und fraktionsübergreifend austauschen", sagt Klingbeil, der unter anderem Mitglied im Verteidigungsausschuss ist. "Ich finde es schön, dass ich hier gleich so mittendrin bin im Geschehen", begründet er seine Wahl. "Auf der Wiese sonnen sich Besucher, spielen Jugendliche Fußball, da ist immer was los." Wenn der Parlamentarier Ruhe braucht, dann zieht er sich in sein Büro zurück: "Da kann ich am besten nachdenken."

Von Anna Frey

Ausruhen mit Bertolt Brecht

Es regnet. Bertolt Brecht ist schon pitschnass, Niema Movassat (Die Linke) sucht Schutz unter den Bäumen – davon gibt es zum Glück einige im Bertolt-Brecht-Park. "Das ist so ein schöner Ort", sagt der Abgeordnete und lässt seinen Blick über die Anlage schweifen. Die liegt etwas versteckt, knapp zwölf Gehminuten vom Bundestag entfernt. Umgeben von kleinen Grünflächen sitzt Bertolt Brecht hier als übergroße, metallene Statue.

"Der Bertolt-Brecht-Park liegt direkt am Berliner Ensemble, das 1949 von dem bekannten Dichter gegründet wurde. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Spree und es laufen nicht allzu viele Touristen vorbei." Doch das Plätschern des Regens wird gelegentlich durch Baulärm übertönt: Unweit des Parks entsteht eine Luxuswohnanlage. Niema Movassat findet es schade, dass solche Orte zugebaut werden. "Vielleicht inspiriert der Dichter ja den ein oder anderen Spaziergänger?", sagt der 27-Jährige. Er holt sich hier Entspannung und Inspiration – unter anderem für seine Arbeit im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

von Anne Wirth

Die grüne Oase

Elisabeth Scharfenberg (Bündnis90/Die Grünen) steht in einem der zwei Innenhöfe des Reichstaggebäudes. "Das ist ein lustiger Platz, weil die Pflanzen hier wild vor sich hin wuchern. Sie wachsen, wie sie wollen. Damit unterscheidet sich dieser Ort grundsätzlich von den parlamentarischen Strukturen und der Architektur des Gebäudes." Im Lichthof wurde auf einer Fläche von 21 mal sieben Metern ein flacher Kasten installiert. Farne, Kräuter und auch Unkraut können sich in dem kleinen Beet frei entfalten. In der Mitte strahlen in weißen Buchstaben die Worte DER BEVÖLKERUNG nach oben. Ob als Erinnerung oder Mahnung – das kann jeder Parlamentarier frei für sich interpretieren.

"Der Ort war einst ein Projekt, initiiert vom Künstler Hans Haacke. Abgeordnete konnten einen Eimer Erde aus dem eigenen Wahlkreis mitbringen und hier aufschütten", erklärt Scharfenberg. Auch Erde aus ihrem Wahlkreis 239 Hof/Wunsiedel in Oberfranken liegt hier. "Immer wenn ich in den Innenhof blicke, erinnert mich das an meine Heimat. Das gibt mir ein wohliges Gefühl", berichtet die Parlamentarierin, die unter anderem im Gesundheits-Ausschuss mitarbeitet. "Wenn Besucher aus meinem Wahlkreis im Bundestag sind, dann zeige ich ihnen diesen wunderbaren Ort."

Ihre Heimat liegt im Nordosten Bayerns. "Ich lebe in einem Dorf, in dem nur 60 Bürger wohnen – direkt an der Grenze zu Tschechien." Mit ihrer Familie besitzt sie dort einen alten Bauernhof. Die Abgeordnete findet es angenehm, dass sie so naturnah lebt und dort schnell ihre Ruhe findet. "Ich brauche die Anbindung ans ruhige Grün." Und wenn nicht zuhause, dann eben im grünen Innenhof des Reichtagsgebäudes.

Von Anne Wirth

Im Garten des ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais

Rita Pawelski (CDU/CSU) ist nicht nur Mitglied im Tourismus-Ausschuss, sondern auch in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (DPG), einer überparteilichen Vereinigung von Abgeordneten des Bundestages, der deutschen Landtage und des Europaparlaments. Als Sitz dient dem sogenannten "Club der Abgeordneten" das ehemalige Reichstagspräsidentenpalais gegenüber dem Reichstagsgebäude. Die Unions-Abgeordnete kommt gerne hierher, der Garten der DPG mit seinen weißen Bänken und den großen Sonnenschirmen ist ihr Lieblingsort im Parlamentsviertel. Umgeben von Grün, kann sie die Ruhe genießen und ein bisschen durchatmen.

Doch so gerne Rita Pawelski diesen Platz öfter als Rückzugsort nutzen würde – die Besuche im Garten stellen eine Seltenheit dar. Maximal drei Mal im Jahr schafft sie es hierher, denn im Kalender einer Parlamentarierin findet sich nur selten eine freie Minute. Wenn es irgendwie geht, verlegt sie kleine Meetings mit ihren Kollegen ins Grüne oder nutzt gutes Wetter für eine Mittagspause an den runden Tischen unter den grünen Schirmen.

Während der Fußballmeisterschaften bieten sich aber auch andere Aktivitäten an: Dann finden hier Public Viewings statt und mitten auf dem Rasen steht eine Torwand, an der die Politiker ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen können. An die Fußballspiele und das ein oder andere Eis erinnert sich Rita Pawelski gerne, wenn sie im Büro sitzt. Gerade die seltenen Besuche machen den Garten für sie zu einem so besonderen Ort.

Von Lien Herzog

Bei Wurst und Kartoffelsalat

In der kleinen Cafeteria herrscht lautes Treiben. Zahlreiche Parlamentarier nutzen die Mittagszeit, um mit Kollegen zu sprechen und knurrende Mägen zu füllen. Auch Florian Bernscheider (FDP) sitzt bei Bratwurst, Kartoffelsalat und einem Glas Wasser an einem der vielen Tische. Die Cafeteria macht gute Laune: die Stühle kommen in bunten Farben daher und frische Blumen schmücken die Tische.

Bernschneider findet es schwierig, einen Lieblingsplatz zu benennen. Denn eigentlich fehle ihm die Zeit, um sich längere Zeit an einem schönen Fleck aufzuhalten. "Deshalb muss man versuchen, Orte zu finden, an denen man die normale Arbeit mit Freizeit und Entspannung verbinden kann." Die Cafeteria sei solch ein Ort, wo er sich gern mit anderen Abgeordneten austausche – nicht immer stünden dabei politische Themen im Mittelpunkt. In einer Sitzungswoche zieht es den Liberalen zwei bis drei Mal in die Cafeteria: "Man kann schnell hierher kommen und sich mit gutem Essen stärken."

Schon als Schulsprecher war der heute 25-Jährige – aktuell jüngster Abgeordneter im Bundestag – in bildungspolitische Diskussionen involviert: "Zu meiner Zeit ging es in Niedersachsen um die Frage, ob sich ein dreigliedriges Schulsystem oder doch eher Gesamtschulen etablieren sollen. Ich fand, dass – egal welches System – nur zählte, was Lehrer, Schüler und Schulleiter daraus machen. Die einzige Jugendorganisation, die das genauso gesehen hat, waren die Jungen Liberalen. Das war dann 2002 mein Anknüpfungspunkt in die Politik." Heute engagiert er sich für seine Fraktion unter anderem im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Von Anne Wirth

In luftiger Höhe

Kerstin Griese (SPD) beweist, dass ihr schwindelerregende Höhen nichts anhaben können. Ihre Besucher bekommen von ihr keine gewöhnliche Führung durch den Bundestag – mit der Abgeordneten geht es auf die obere Brücke zwischen Paul-Löbe- und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Wegen der Höhe wird der luftige Übergang auch scherzhaft "gehobene Beamtenlaufbahn" genannt.

Die Überführung liegt im sechsten Stock, in zehn Metern Höhe. Kerstin Griese bringt ihre Gäste gerne hierher, nicht nur wegen des Nervenkitzels, sondern auch wegen der tollen Aussicht. Für sie als Historikerin verkörpert die Obere Brücke eine ganz besondere Erzählstätte, weil von dort alte wie neue Gebäude zu sehen sind: die Bundestags-Kita, der Hauptbahnhof und sogar die Mauerlinie.

Bei ihren Besuchern amüsiert sie sich über das immer gleiche Phänomen: Während Kinder furchtlos über die Brücke rennen, wird der ein oder andere Erwachsene kreidebleich und betritt die Konstruktion erst gar nicht. Als Rheinländerin fasziniert Kerstin Griese, die unter anderem im Europaausschuss sitzt, dagegen nicht die Höhe, sondern vor allem die Lage. Denn während der Rhein oft über seine Ufer tritt, bekommen die Parlamentsgebäude an der Spree keine nassen Füße – und wurden deshalb direkt ans Wasser gebaut.

Von Lien Herzog

Frischluft am Wasser

Diana Golze (Die Linke) kommt ursprünglich aus Rathenow in Brandenburg. Ihre Erinnerung an das Havelland: viel Wasser. Ihr Fleckchen Heimat hat sie in Berlin deshalb zwischen dem Paul-Löbe und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gefunden. Auf den Stufen zur Spree nimmt sie sich gerne mal eine kleine Auszeit. Den Platz entdeckte sie, als sie nach einer hitzigen Debatte im Plenum einen Ort suchte, um alleine zu sein und sich zu beruhigen.

Inzwischen kommt Diana Golze immer wieder hierher: mal um nach anstrengenden Sitzungen den rauchenden Kopf abzukühlen, mal um kurze Gespräche mit Kollegen zu führen. Gerade im Sommer ist die gelernte Sozialpädagogin hier öfter zu finden. Denn im Vergleich zum "abgeschotteten" Bundestag bringt die Frischluft am Wasser eine willkommene Abwechslung. Im Gegensatz zu den gewohnten Arbeitsabläufen spielt für Diana Golze hier das richtige Leben: Wenn sie könnte, würde sie stundenlang auf den Stufen sitzen und Leute beobachten. Aber wie jeder Abgeordnete hat auch sie einen straffen Zeitplan, der nur wenig Raum für solche Auszeiten lässt. Sie macht sich unter anderem in der Kinderkommission des Bundestages (KiKo) für die Interessen von Jugendlichen stark.

Von Lien Herzog

Park im Taschenformat

Die Kronen der Bäume kann Viola von Cramon-Taubadel (Bündnis 90/Die Grünen) von ihrem Bürofenster aus sehen. Ein paar Bänke stehen in dem Miniatur-Park, ein Wegkreuz aus hellen Steinen verbindet die vier Straßen, die die Grünfläche umgeben. Die Menschen, die an diesem Tag hier vorbeikommen, hetzen zur Arbeit – zu Fuß oder auf ihren Rädern. Auch für die Abgeordnete hat der Arbeitstag schon um kurz nach acht begonnen: Es ist Sitzungswoche im Deutschen Bundestag. "Leider habe ich nicht oft die Gelegenheit, mich dort in die Sonne zu setzen", bedauert von Cramon-Taubadel.

"Pocket-Park" nennt man solche grünen Inseln wie die auf der Rückseite des Abgeordnetenhauses "Unter den Linden" und Viola von Cramon-Taubadel erinnert sich noch gut, wie Kollegen ihr gegenüber diese Bezeichnung zum ersten Mal benutzten. "Passt ja auch, weil er so klein ist", sagt sie und erzählt, dass ihr abwechslungsreiche Plätze in Städten sehr wichtig sind.

Die Abgeordnete sitzt unter anderem im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und ist viel unterwegs. "Parks eignen sich da sehr gut, um durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen. Selbst wenn es nur für einen kurzen Moment ist", sagt sie. Auch die Gesprächsatmosphäre sei lockerer: "Manche Flurgespräche oder Telefonate lassen sich auch gut an der frischen Luft führen."

Ganz so ungestört wie heute wird Viola von Cramon-Taubadel bei ihren Besuchen im Pocket-Park allerdings bald nicht mehr sein. Direkt neben der Oase entstehen Luxus-Apartments. In unmittelbarer Nähe zu Friedrichstraße, Komischer Oper und Brandenburger Tor wäre sicher auch der Pocket-Park begehrtes Bauland. Von Cramon: "Umso wichtiger und schöner finde ich es, dass der Park erst mal erhalten bleibt."

Von Anna Frey

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Open-Air-Kino im Parlamentsviertel

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© Silvio Duwe


Es ist wieder so weit: Die Fassade des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses verwandelt sich in ein Freiluftkino. Silvio begleitete die rund 60 Techniker beim Aufbau des Open-Air-Kinos mit der Kamera.