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Constantin Germann 68x68

Constantin Germann (16)
ist Schüler

Digitalisierung
Wie arbeiten wir morgen?

07.04.2017 |

Homeoffice, Videokonferenzen und intelligente Helferlein – die digitale Revolution verändert Job und Ausbildung. Constantin erklärt, worüber die Arbeitsmarktexperten des Bundestages diskutierten, was in 100 Jahren vielleicht auf dem Lehrplan steht und wer WLAN auf dem Schulhof fordert.


Fragen über Fragen: Welche Technik kann bald welche Aufgaben übernehmen? An welchem Ort arbeiten wir? – © dpa

Sicher habt ihr auch im Geschichtsunterricht in der Schule die industrielle Revolution durchgenommen. Ihr habt Filme geschaut, in denen Dampfmaschinen und Akkordarbeiter gezeigt wurden. Der Geschichtslehrer schilderte, wie sehr sich die Arbeitswelt damals verändert hat, welche Fortschritte und Probleme mit dieser Revolution verbunden waren. Was 200 Jahre entfernt scheint, ist uns jetzt gerade so nah wie nie. Unsere Gesellschaft erlebt derzeit eine weitere Revolution: die digitale Revolution.

Die digitale Revolution

Über die "digitale Revolution" und ihre Folgen diskutieren die Arbeitsmarktexperten häufiger im Bundestag. Jetzt hat die Grünen-Fraktion dazu einen Antrag mit dem Titel "Arbeit 4.0 – Arbeitswelt von morgen gestalten" vorgelegt. "Was wir uns fragen müssen ist, ob das Neue auch in das Alte passt", sagte die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae in der entsprechenden Debatte am 23. März.

Die Nebenwirkungen

Doch nochmal kurz zurück zur industriellen Revolution. Die führte damals zu einer massiven Veränderung der Produktionsbedingungen. Industrielle Fertigung, Serien- und Massenproduktion brachten eine rasante wirtschaftliche Entwicklung. Mit ihr kam es jedoch auch zu einer Ausbeutung und Verarmung der Massen.

Der Titel des Grünen-Antrags ist wohl gewählt: 4.0 als Beginn eines neuen Zeitalters. Version 1.0 war nämlich die industrielle Revolution, in der mechanische Produktionsanlagen mit Hilfe von Wasser- und Dampfkraft eingesetzt wurden. 2.0 steht für die zweite Revolution, die mehr Arbeitsteilung und die Einführung von elektrisch betriebener Massenproduktion beinhaltete. 3.0 steht für den zunehmenden Einsatz von Robotik und IT zur Automatisierung der Produktion. Die Revolution 4.0 umfasst nun auch den Einsatz von cyber-physischen Systemen. Mit diesem cyber-physischen System ist nicht einfach nur das Internet gemeint, sondern: künstliche Intelligenz.

Aber wie soll die digitale und moderne Ausbildungs- und Arbeitswelt denn nun aussehen?

Mehr Homeoffice?

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen stellt sich das so vor: In einer Arbeitswelt, in der das Internet das zentrale Kommunikationsmittel darstellt, sollen Arbeitszeit und -ort freier wählbar sein, Beispiel Homeoffice. 74 Prozent aller Beschäftigten geben in Umfragen an, so heißt es im Antrag, sie würden gerne mehr von zu Hause aus arbeiten.

In der Arbeitswelt von morgen sollen sich außerdem Familie und Beruf komplett vereinbaren lassen. Die Digitalisierung soll das Leben komfortabler und praktischer machen, das ist der Grundtenor des Grünen-Antrags. Aber auf gar keinen Fall dürfe die Technik Arbeitsplätze vernichten. In der neuen Arbeitswelt sollen Arbeitnehmer sich besser fortbilden und mehr mitbestimmen können.

Vom Grün- zum Weißbuch

Der Antrag der Grünen baut auf einem Konzept von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) auf. Diese initiierte 2015 einen Dialogprozess zur Arbeit im digitalen Wandel, der auch den Begriff Arbeit 4.0 prägte. Die übergeordnete Frage zu diesem Thema war: Wie können wir technische Innovationen auch für sozialen Fortschritt nutzen und gute Arbeit im digitalen und gesellschaftlichen Wandel erhalten oder sogar stärken? 30 solche Leitfragen beinhaltete das sogenannte Grünbuch des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, welches ein erster Richtungsweiser in die vollkommene Digitalisierung sein sollte.

200 beteiligte Experten

Um ein genaueres Bild über die Wünsche von Arbeitnehmern und Geschäftsführern für die Digitalisierung zu erhalten, befragte das Ministerium über 200 Experten, Gewerkschaften und Verbände und rund 15.000 Bürger in Online-Foren. Im November 2016 wurde dann ein sogenanntes Weißbuch als Ergebnis des Dialogprozesses vorgestellt. Es bietet laut Arbeitsministerin Nahles konkrete Lösungsansätze für Unternehmen, um gute Arbeit im digitalen Wandel umsetzen zu können. Wozu dann also der Antrag der Grünen?

"Hätte, müsste, sollte"

"Das Weißbuch sollte Lösungen liefern, aber es bleibt im Konjunktiv. Hätte, müsste, sollte", erklärte Kerstin Andreae in der Bundestagsdebatte. Die Grünen möchten mit ihrem Antrag nun konkretere Ansätze liefern. Die Vorlage empfiehlt zum Beispiel, dass die Regierung die Bundesagenturen für Arbeit dahingehend umstrukturiert, dass mehr Weiterbildungen für den Computer- und Technikbereich angeboten werden. Niemand dürfe aufgrund der Digitalisierung abgehängt werden und auch schon in jungen Jahren solle digitale Bildung stattfinden: Offenes WLAN an jeder Schule und mehr Fortbildungen für Pädagogen im Computerbereich. Mit dem Abschluss der Schule solle jeder Schüler auf die digitale Welt vorbereitet sein. Der Entwurf sieht auch vor, Start-ups mit digitalem Know-how zu fördern und zu Ausbildungspartnern zu machen.

Bildung als Schlüssel

Auch in der Debatte spielte das Thema Ausbildung eine Rolle. Uwe Lagosky (CDU/CSU) lobte das duale Ausbildungssystem und die Hochschulbildung in Deutschland als solide Startgrundlage für junge Menschen. Es sei richtig, dass über den Zugang zu guter Bildung hierzulande nicht der Geldbeutel entscheide, anders als in den USA. Und es sei richtig, sich darauf zu besinnen, dass Deutschland durch die soziale Marktwirtschaft stark geworden sei, diese solle weiter gestärkt werden.

Dennoch müsse man sich fragen, wieso es in den USA deutlich mehr Firmengründungen gebe als hierzulande. "An dieser Baustelle müssen wir in Deutschland noch erheblich arbeiten", sagte Lagosky.

Katja Mast (SPD) sieht Weiterbildung und die Investition in Qualifikationen als zentralen Schlüssel, damit die Beschäftigten auch in Zukunft ihren Teil vom Kuchen abbekämen. Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die Gesellschaft müssten dabei an einem Strang ziehen, forderte sie und verwies auf das vom SPD-Vorsitzenden Martin Schulz und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles entwickelte Konzept für ein "Arbeitslosengeld Q" (Menschen ohne Job sollen länger Arbeitslosengeld bekommen, wenn sie sich weiterbilden lassen) und den Ausbau der Bundesagentur für Arbeit zu einer Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung.

Beschäftigte sollen profitieren

Klaus Ernst (Linke) fragt hingegen: "Kommen die Gewinne einseitig den Unternehmen zugute oder gelingt es uns durch gesetzliche Regelungen, dass auch die Beschäftigten, zum Beispiel über kürzere Arbeitszeiten oder Bildungszeiten, oder dass auch die Gesellschaft als Ganzes davon profitiert?"

Der Antrag der Grünen wandert nun erst mal in die zuständigen Ausschüsse. Wer weiß, vielleicht wird in 100 Jahren eine Klassenarbeit über die digitale Revolution und ihre Nebenwirkungen geschrieben.

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