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Die Autorin

Felicitas Junginger

Felicitas Junginger (20)
studiert Modejournalismus und Medienkommunikation

Integrierte Sekundarschule
Ziel: Den Abschluss schaffen

01.07.2016 |

An der Johanna-Eck-Schule in Berlin sind alle Klassen Integrationsklassen. Schüler, für die Deutsch Fremdsprache ist, werden in eigenen Gruppen auf den normalen Unterricht vorbereitet. Für Karim und Rumyana bedeutet das mehr, als nur Vokabeln lernen.

Integration für alle

Eine blonde Frau unterhält sich mit einem jungen, der auf einer Schulbank sitzt.

Karim möchte Techniker oder Tänzer werden. Felicitas ist beeindruckt, wie gut er nach einem Jahr schon Deutsch spricht. – © Anna Rakhmanko

Zwei junge Frauen unterhalten isch in einer Schulklasse.

Rumyana träumt von einem Job als Erzieherin. Sie kommt aus Bulgarien. – © Anna Rakhmanko

Eine Frau in lila Shirt bewegt im Gespräch ihre Hände.

Ein Konzept muss zur Schule passen, sagt die stellvertretende Schulleiterin Silke Donath. – © Anna Rakhmanko

Mehrere Jugendliche laufen einen Schulflur entlang.

Für alle soll der Weg an der Schule zum Abschluss führen. – © Anna Rakhmanko

Der Haupteingang sieht sehr majestätisch aus, mit zwei großen Säulen, darüber hängt das Schild "Johanna-Eck-Schule". Was hinter diesem imposanten Eingang vor sich geht, das weiß eine besonders gut: Silke Donath. Sie unterrichtet hier seit 1993, seit vier Jahren ist sie stellvertretende Leiterin. Das Besondere an der Johanna-Eck-Schule: alle Klassen sind Integrationsklassen. Ein Schwerpunkt dabei ist die Arbeit mit neu nach Deutschland zugewanderten Kindern und Jugendlichen wie Karim aus Syrien und Rumyana aus Bulgarien.

Über 900 Willkommensklassen

Seit 20 Jahren gibt es dieses Modell an der Schule bereits. "Durch die aktuelle Zuwanderungssituation werden immer mehr solcher Programme geplant", sagt Silke Donath. 2010 gab es anfänglich nur etwa 25 Klassen in Berlin, die ein gesondertes Sprach- und Lernprogramm für zugewanderte Kinder anboten, erinnert sie sich, mittlerweile seien es über 900 sogenannte Willkommensklassen. Wobei an der Johanna-Eck-Schule vorsichtig mit der Begrifflichkeit umgegangen wird. "Wir benutzen das Wort Willkommensklassen bewusst nicht. Denn das Willkommen sein muss als Kultur gelebt werden. Willkommen ist uns jeder", sagt Donath.

Echte Chancen auf einen guten Abschluss

Schüler sollen an der Johanna-Eck-Schule von Anfang an als Menschen betrachtet werden, die das Ziel haben, in eine Regelklasse integriert zu werden – und nicht etwa als Menschen, die hier mal kurz ihre Zeit absitzen und sowieso bald wieder gehen. "Die Kinder sollen die Chance haben, am Ende der zehnten Klasse den bestmöglichen Abschluss zu erreichen", sagt Donath. Und die Schüler sollen wieder Träume haben dürfen. Karim, 14 Jahre alt, ist vor knapp einem Jahr mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen. Seitdem er hier ist, hat er den Traum, entweder Techniker oder Tänzer zu werden. "In Syrien in der Schule ging es nur um lernen, lernen, lernen. Es gab keine Chance auf Freizeit und Spaß. Ich bin hier schon glücklicher, aber ich wünsche mir so eine Schule auch für meine Heimat", sagt Karim.

Von der siebten bis zur zehnten Klasse lernen die Schüler an der Johanna-Eck-Schule. Ziel ist es, am Ende der zehnten Klasse den MSA (Mittleren Schulabschluss) zu absolvieren. Das Besondere: Es gibt dort drei Sprachlernklassen (sogenannte Vobereitungsklassen oder "Willkommensklassen") und eine Übergangsklasse. Die Übergangsklasse ist zusätzlich für Jugendliche von anderen Schulen, die zwar Sprachkenntnisse haben, aber fachlich noch etwas im Rückstand sind.

Klassen auf drei Sprachniveaus

Die Zuweisung der Kinder auf die Schulen geschieht über die Schulämter der Region. Dort, wo sie als erstes polizeilich gemeldet sind, ist auch der für die Integration zuständige Bezirk. Wenn sie in andere Regionen umziehen, kann das auch einen Schulwechsel nach sich ziehen, jedoch versuchen Lehrer der Johanna-Eck-Schule und das Schulamt Tempelhof-Schöneberg, die Kinder so wenig wie möglich aus ihrem nun schon etwas gewohnten Umfeld zu reißen.

Auch wenn sich inzwischen einige Schulen an einem solchen Programm beteiligen: Es gibt Unterschiede. "Die Konzepte müssen in die Schule passen und dies kann nicht einheitlich sein. Jede Schule ist individuell", so Donath. So bietet die Johanna-Eck-Schule Vorbereitungsklassen auf drei unterschiedlichen Sprachniveaus an. Die Schüler wechseln in individuellem Tempo und einzig in Abhängigkeit von ihren Deutschkenntnissen von Stufe zu Stufe.

Dies ist nicht die einzige Ausnahme an der Schule. Eine Schulstunde dauert hier nicht 45 Minuten, sondern nur 40 Minuten und eine Doppelstunde hat 80 Minuten. Die restliche Zeit wird quasi gesammelt. Zum Beispiel für Extra-Training in Mathe und Deutsch kurz vor dem Abschluss oder Deutschunterricht mit zwei Lehrern.

Streit schlichten lernen

Und noch eine Besonderheit zeichnet die Schule aus: Karim ist nämlich nicht nur Tänzer, sondern auch ein sogenannter Guardian Angel. Gemeinsam mit anderen aus seiner Klasse hat er eine Streitschlichterausbildung begonnen, die den Zugewanderten aus den Sprachlernklassen genauso offen steht wie allen Schülern der Schule. "Wir machen das gegen Rassismus und den allgemeinen Streit. Wir können das Gelernte auch im Alltag mit unseren Freunden und Klassenkameraden anwenden", erklärt Karim.

Auch Rumyana, 15 aus Bulgarien hat nun mehr Wünsche und auch Möglichkeiten für ihre berufliche Zukunft. Sie mag den Kontakt zu anderen Menschen und das Arbeiten mit Kindern. Zuerst wollte sie Krankenschwester werden, doch nun ist sie sicher, dass Erzieherin besser zu ihr passen würde. Sie ist glücklich, dass sie nun eine Schule besucht, die ihr diesen Traum ermöglichen könnte.

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