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Pro und Contra
Mindestlohn ab 18?

04.04.2014 |

Der Mindestlohn soll kommen, aber nicht für die meisten Minderjährigen. Ungerecht, findet Laura (21), das Alter sage nichts über die Leistung. Peter (20) hält dagegen: Viele würden keine Ausbildung beginnen, wenn sie 8,50 Euro verdienen könnten. Damit schadeten sie sich langfristig selbst.

Peter ist links und Laura rechts im Bild zu sehen.

Weil sie weniger Arbeitserfahrung haben, will auch Peter für unter 18-Jährige keinen Mindestlohn. Doch, den sollen sie bekommen, sagt Laura, die ein Wort für qualifizierte Minderjährige einlegt. – © privat

Contra

Laura, 21: Azubis und Praktikanten leisten oft viel

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will einen einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde für alle Arbeitnehmer über 18 Jahren. Der entsprechende Gesetzentwurf hat inzwischen das Bundeskabinett passiert. Im Vorfeld forderten Teile von CDU/CSU und Arbeitgeberverbände gar eine noch höhere Altersgrenze.

Weder Nahles noch denjenigen in der Union, die ein höheres Mindestalter verlangten, stimme ich zu. Beide Ansätze gehen in die falsche Richtung. Mich stört die Altersgrenze. Was sagt das Alter über die Qualifikation aus? Angenommen, jemand beginnt nach der neunten Klasse mit 15 Jahren eine nur zweijährige Ausbildung. Mit 17 arbeitet er längst. Immerhin berücksichtigt der Gesetzentwurf solche Fälle. Auch diese Jugendlichen sollen 8,50 Euro bekommen. Aber was ist mit Azubis und Praktikanten? Häufig leisten sie ähnlich bis gleich viel wie ihre Kollegen und brauchen nur in der Anfangsphase etwas Unterstützung.

Daher setze ich dem Mindestalter als Voraussetzung eine Staffelung des Mindestlohns entgegen. Und zwar gestaffelt anhand der Qualifikation. Das heißt: Angenommen, die Lohnmindestgrenze würde auf 8,50 Euro für Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung festgelegt. Auszubildende, Praktikanten und vorher Arbeitslose würden zum Beispiel nur acht Euro oder weniger bekommen. Somit bliebe der Anreiz, die Ausbildung abzuschließen, bestehen. Einen zwar geringeren, aber gesetzlich festgelegten Mindestlohn für sie gäbe es trotzdem. Wer Einsatz zeigt und seinen Job gut macht, sollte dafür auch entsprechend bezahlt werden.

Befürworter der Altersgrenze argumentieren, durch den Mehraufwand für Arbeitgeber gingen Jobs verloren und die Schwarzarbeit nehme zu. Nahles hält dem entgegen, das sei nicht zu erwarten. Dafür spreche die Erfahrung. Mindestlöhne existieren bereits in 13 Branchen und 21 europäischen Ländern. Auch Arbeits- und Berufsforscher stimmen ihr zu.

Nicht zuletzt ist eine Altersgrenze für den Mindestlohn möglicherweise verfassungswidrig. Diese Kritik äußerte Bernd Riexinger (Die Linke). Auch die Grüne Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer hält die Forderungen nach weitreichenden Ausnahmen für verfassungsrechtlich bedenklich. Sie hat eine Studie in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass bestimmte Arbeitnehmer nicht einfach von einer gesetzlich festgelegten Lohn-Untergrenze ausgenommen werden dürfen.

Der geplante Mindestlohn soll erst für Arbeitnehmer ab 18 Jahren gelten. Findet ihr das ok?

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    47%


    Ja, eine Altersgrenze ist wichtig, ansonsten würden sich viele Jüngere gegen eine Ausbildung entscheiden, weil man als Azubi weniger verdient, schließlich lernt man ja noch.

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    53%


    Nein, kein Mindestalter! Wenn es einen Mindestlohn gibt, dann bitteschön für alle, die arbeiten gehen.

Kommentare

 

William schrieb am 25.04.2014 14:51

Auf der Pro-Seite heißt es: "Hinzu kommt, dass gerade Jugendlichen unter 18 Jahren die Arbeitserfahrung fehlt. Sie sollten daher nicht dasselbe verdienen wie jemand mit mehr Know-how." Das ist doch totaler Unsinn. Das Konstrukt heißt doch MINDEST-Lohn. Wer verbietet denn, dass Arbeiter und Angestellte mit viel Know-how mehr als den Mindestlohn verdienen dürfen?! Hier liegt es doch viel mehr an der Einstellung der Arbeitgeber, möglichst Viele zu möglichst wenig Kosten für sich schuften zu lassen. Aber das ist doch kein Fehler in der Idee eines umfassenden Mindestlohnes.

 

 

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