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Die Autorin

Leonie Ameis 68x68

Leonie Ameis (16)
ist Schülerin

Atomwaffen
Wie weiter mit der Bombe?

19.04.2017 |

In den 1980er Jahren war die Angst vor einem nuklearen Inferno allgegenwärtig. Mit dem Ende des Kalten Krieges hatte sich das erledigt – aber die Waffen sind immer noch da. Droht mit zunehmenden globalen Konflikten nun ein neues Wettrüsten? Die Opposition befürchtet das.

Eine Atimbombe explodiert und man sieht den Atompilz

Wie ein Pilz sieht die Explosion einer Atombombe aus. Hier handelt es sich um einen Test in der Wüste Nevada im Mai 1953. – © dpa

Am 6. August 1945 gegen 8 Uhr morgens erschienen drei Flugzeuge über dem Himmel von Hiroshima. Die Japaner machten sich nicht allzu viele Sorgen. Luftangriffe waren sie seit Monaten gewöhnt, aber daran waren normalerweise sehr viel mehr Bomber beteiligt. Was können drei Flugzeuge schon ausrichten? Kurz nach acht klinkte eine der B-29 eine einzige Bombe aus, die 580 Meter über der Innenstadt explodierte. Der entstehende Feuerball hatte eine Innentemperatur von über einer Million Grad Celsius und verursachte eine Druckwelle, die 80 Prozent der Innenstadt in wenigen Sekunden dem Erdboden gleichmachte.

Man sagt, noch in über zehn Kilometern Entfernung seien Bäume in Flammen aufgegangen. Rund 80.000 Menschen waren sofort tot. Drei Tage später tötete eine weitere Atombombe in Nagasaki weitere zehntausende Menschen. Am 15. August kapitulierte Japan, der Zweite Weltkrieg war zu Ende.

Verheerende Abspaltung

Warum bauen Menschen solche fürchterlichen Waffen? Schauen wir zurück. Grundlage für den Bau von Atomwaffen – auch als Nuklearwaffen oder Kernwaffen bekannt – ist die Spaltung von Atomkernen. 1938 gelang es Otto Hahn und Fritz Straßmann erstmals, solch eine Kernspaltung herbeizuführen. Bei der Kernspaltung wird unglaublich viel Energie freigesetzt. Die kann man in Atomkraftwerken in Strom umwandeln – aber man kann sie eben auch als Waffe verwenden. Beim Einsatz einer Atombombe werden Hitze, Druck und radioaktive Strahlung freigesetzt. Durch die enorme Druckwelle können sich die entstehenden Brände schneller ausbreiten. Außerdem tötet die Druckwelle jegliches Leben in der Nähe der Explosion. Die radioaktive Strahlung wiederum führt dazu, dass Menschen, die die Explosion selbst überlebt haben, später oft an der sogenannten Strahlenkrankheit sterben – oder Jahrzehnte später an Krebs. Ein Jahr nach dem Atombombeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki hatte sich die Zahl der Opfer noch einmal um rund 100.000 Menschen erhöht.

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Der deutsche Wissenschaftler Otto Hahn entdeckte 1938, dass bei der Spaltung von Urankernen Energie in großen Mengen freigesetzt wird. Damit legte er den Grundstein für die Entwicklung der Atombombe. Im darauffolgenden Jahr warnte der Physiker Albert Einstein den damaligen amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt vor einem möglichen Atombombenangriff der Deutschen – und trieb damit die Forschung an einer atomaren Waffe auch in den USA voran. – © picture alliance/Imagno

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Der erste Atomwaffentest fand am 16. Juli 1945 in New Mexico statt. Der Codename des US-Militärs für diese Operation war Trinity – englisch für Dreifaltigkeit. Niemand wusste, was wirklich geschehen würde, wenn die Plutonium-Implosionsbombe in die Luft geht. Das Ergebnis übertraf aber alle Erwartungen. Die Explosion war gigantisch. Noch im selben Jahr rissen zwei Bomben zehntausende Menschen in Hiroshima und Nagasaki in den Tod. Seitdem gab es weltweit mehr als 2.000 Kernwaffentests. – © picture alliance / akg images

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Obwohl man sich durchaus der Zerstörungskraft der Atombombe bewusst war, wurden die Gefahren anfangs unterschätzt. Die Druckwelle reißt Häuser und Mauern ein, die Hitze pulverisiert alles im näheren Umkreis – wie hier in Hiroshima. Die radioaktive Strahlung verseucht ganze Landstriche und lässt Menschen an der Strahlenkrankheit sterben. Daneben birgt auch der sogenannte "Fallout", also radioaktiver Niederschlag, Gefahren für die weitere Umgebung. – © picture alliance/Glasshouse Images

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Neben den USA verfügen auch Russland, Frankreich, Großbritannien, China, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea über nukleare Waffen. Einige dieser Staaten testen ihre Waffen auch - überirdisch, unterirdisch und unter Wasser. Insgesamt fanden seit den 40ern weltweit mindestens 2.000 Atomtests statt. Der nächste in Nordkorea steht möglicherweise kurz bevor. – © dpa

Abschreckung ist die beste Verteidigung

Die Amerikaner hatten die Bomben in Hiroshima eingesetzt, um Japan zur Kapitulation zu zwingen und den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Doch wenige Jahre später hatte auch die Sowjetunion Kernwaffen. Schnell wurde klar: Sollte es zum Atomkrieg kommen, würde es der Menschheit mühelos gelingen, binnen kurzer Zeit ihren gesamten Planeten zu zerstören. Keine der beiden Supermächte, die sich seit den 1950er Jahren in einem Kalten Krieg befanden, war deshalb scharf darauf, die andere Seite wirklich anzugreifen – denn die Kernwaffen stellten eine wirksame Abschreckung dar.

Der Atomwaffensperrvertrag

Doch auch andere Länder hatten mittlerweile die Bombe: Großbritannien, Frankreich und China. Um zu verhindern, dass sich die infernalischen Waffen noch weiter verbreiten, initiierten die fünf Atommächte den Atomwaffensperrvertrag. Der soll den Atomwaffenbestand auf genau diese fünf Länder beschränken, den Handel und Bau von Kernwaffen für alle anderen Unterzeichner verbieten und langfristig für den Abbau aller bereits vorhandener Atomwaffen sorgen. Außerdem soll er allen Mitgliedern eine friedliche Nutzung der Kernenergie ermöglichen. Der Vertrag trat 1970 für 25 Jahre in Kraft und wurde 1995 auf unbestimmte Zeit verlängert. 190 Ländern haben ihn bislang unterschrieben, nur wenige sind nicht dabei: Israel, Indien, Pakistan und der Südsudan. Nordkorea trat 2003 wieder aus. Ob die Staaten, die den Vertrag unterzeichnet haben, ihn auch einhalten, kontrolliert die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA).

Heute gibt es insgesamt rund 16.000 atomare Sprengköpfe weltweit. Russland als Nachfolger der Sowjetunion und die USA besitzen zusammen mehr als 90 Prozent der Atomwaffen. Frankreich hat rund 300 Sprengköpfe, Großbritannien 215, China 260, Israel vermutlich rund 80, Indien vermutlich rund 110, Pakistan vermutlich rund 120 und Nordkorea um die zehn. Bei den beiden letztgenannten ist unklar, ob sie derzeit die notwendige Technik besitzen, um diese Sprengköpfe passgenau ins Ziel zu befördern.

Die schwarzen Schafe

Heikel ist die Lage in Bezug auf den Iran. Das Land stand lange in Verdacht, illegal ein Atomprogramm zu betreiben, obwohl der Sperrvertrag das verbietet. Ein Abkommen zwischen den Machthabern in Teheran, den USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich von 2015 beschränkt dieses Programm nun zwar stark, es wird aber vermutet, dass das Land weiterhin versucht, an atomwaffenfähiges Material zu gelangen – auch in Deutschland. Nordkorea hingegen betreibt seine Atomwaffenprogramm relativ unverhohlen und führt seit rund zehn Jahren regelmäßig Tests durch, die das mit dem kommunistischen Regime verfeindete Südkorea und die USA immer wieder in Aufregung versetzen.

Trump, Russland und die neue Unsicherheit

Deutschland hat keine eigenen Kernwaffen. Aber im Rahmen der Nato gibt es die Beistandsverpflichtung zwischen allen Bündnisstaaten. Das heißt auch, dass zum Beispiel die USA andere Staaten ohne Atomwaffen bei einem atomaren Angriff unterstützen, indem sie ihre eigenen Waffen einsetzen. Unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump ist das Verhältnis zwischen USA und Nato allerdings nicht ganz klar. Im Wahlkampf erklärte er sie noch für überflüssig, inzwischen hat er sich wieder anders geäußert. In jedem Fall fordert er aber mehr Geld von den Bündnispartnern. Besonders die osteuropäischen Staaten sind verunsichert und Polen forderte nun schon eine eigene europäische Nuklearstreitmacht – aus Angst vor Russland. Wäre das nicht ein Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag? Nicht, wenn die Europäer nur auf die vorhandenen britischen oder französischen Sprengköpfe zurückgreifen. Doch die beiden einzigen Atommächte Europas könnten die restlichen Staaten des Kontinents kaum verteidigen, da sie zu wenig Atomwaffen haben, um einen wirkungsvollen Abwehrschirm über Europa aufzuspannen.

Zwischen allen Stühlen

Und Deutschland? Sitzt zwischen allen Stühlen. Schon in den 80er Jahren gab es hierzulande eine starke Friedensbewegung, auch und vor allem gegen Atomwaffen. Auf der anderen Seite sind wir auf die Bombe (der Amerikaner) angewiesen, wegen der Abschreckung. Das jedenfalls ist die gängige Nato-Doktrin, die sich auch die Bundesregierung zu eigen macht. Und die deshalb Verhandlungen über ein totales Atomwaffenverbot nicht unterstützt.

Dieses totale Verbot fordert gerade die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (UN). Mit breiter Mehrheit und gegen den Widerstand und politischen Druck der Atomwaffenstaaten stimmten sie für Verhandlungen, deren Ziel ein solches Atomwaffenverbot ist. Neben den meisten Atommächten waren vor allem deren Verbündete dagegen, unter ihnen Deutschland.

Opposition fordert Abrüstung

Die Opposition im Bundestag findet das befremdlich. Die Linke und die Grünen legten Anträge vor, in denen sie fordern, dass Deutschland sich bei den weiteren Verhandlungen auf die Seite der Atomwaffengegner schlagen solle. Beide Fraktionen wollen, dass sich die Bundesregierung aktiv für das Verbot von Atomwaffen einsetzt. Die Grünen fordern zusätzlich in ihrem Antrag, dass die Bundesregierung mehr für die Abrüstung tun soll. Außerdem wollen sie keine Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland und fordern die Bundesregierung auf, sich für deren Abzug einzusetzen. In einem gemeinsamen Antrag bündelten die Oppositionsfraktionen ihre Forderungen nun noch einmal. Am 23. März haben die Abgeordneten erstmals darüber beraten. Das Video dazu könnt ihr euch hier anschauen. Der Antrag wandert als nächstes in den Auswärtigen Ausschuss.

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