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Wird die Krise zum Krieg?

Ein junger Mann blickt in die Kamera.

– © privat

Ihre Heimatländer sind direkte Nachbarländer der Ukraine oder Länder, die eng mit den Geschehnissen dort zusammenhängen. Manche kommen auch aus der Ukraine selbst. Wie sehen sie die Krim-Krise, die jungen Gäste des Bundestages, die derzeit ein fünfmonatiges Praktikum bei Abgeordneten machen. Fürchten Sie einen Krieg? Wo bekommen sie ihre Infos her, wem glauben sie? Jekaterina hat sie gefragt und etwa erfahren, dass manche Facebook mehr vertrauen als den Fernsehnachrichten im Heimatland.

Dmitry Androsov aus Russland

Hast du Angst vor einem Krieg in Europa?

Ich glaube nicht, dass es Krieg geben wird. Das liegt zum Beispiel daran, dass die ukrainische Armee gar nicht in der Lage ist, den russischen Truppen heftigen Widerstand zu leisten. Der regionale Konflikt auf der Krim sowie in östlichen Gebieten ist aber durchaus möglich, denke ich.

Wie werden die Geschehnisse auf der Krim in deinem Heimatland dargestellt?

In Russland gehört die absolute Mehrheit der Massenmedien und TV-Kanäle dem Staat. Die Geschehnisse werden meiner Meinung nach einseitig dargestellt.

Wo informierst du dich? Welchen Infos vertraust du?

Ich vertraue Informationen aus dem Internet, darunter soziale Netzwerken. Es gibt noch ein paar unabhängige russische Internetmedien, sowie auch oppositionelle Blogger und Politiker. Ich nutze auch deutsche Medien, zum Beispiel die Deutsche Welle.

Wie diskutiert ihr das Thema im Freundes- oder Bekanntenkreis?

Das ist sehr unterschiedlich. Mit einigen meiner Freunden und Bekannten bin ich bezüglich der Geschehnisse einer Meinung. Bei anderen tauchen erhebliche Meinungsunterschiede auf.

Was ist deine persönliche Meinung zur Lage in der Ukraine? Und welches Szenario ist wahrscheinlich?

Ich habe die ukrainische Hauptstadt auch während der Revolution besucht und viele Menschen kennengelernt. Deshalb habe ich einen persönlichen Bezug zur gesellschaftlichen und politischen Entwicklung im Land. Den Kampf des Volks gegen Janukowitsch habe ich dabei unterstützt. Auch historisch gesehen ist die Ukraine der engste Partner von Russland und ist für uns viel mehr als einfach ein Nachbarland. Aus diesem Grund glaube ich, dass die Russen zu den Geschehnissen in der Ukraine nicht gleichgültig bleiben dürfen.

Eine junge Frau steht in einem weitenläufigen Gebäude.

– © DBT/Saldern

Diana Knyr aus der Ukraine

Hast du Angst vor einem Krieg in Europa?

Ich habe Angst, sowohl vor dem Krieg als auch vor einer Blockade, die zwischen Russland und der Ukraine entstehen kann. Beides ist für mich, einer geborenen Russin, furchtbar und erschreckend.

Wie werden die Geschehnisse auf der Krim in deinem Heimatland dargestellt?

Es wird vor allem von der Aggression seitens der russischen Föderation gesprochen und die Ereignisse werden sehr einseitig dargestellt.

Wo informierst du dich? Welchen Infos vertraust du?

Im Hinblick auf den geführten Informationskrieg ist es schwer, einem bestimmten öffentlichen Medium zu vertrauen. Ich versuche, Information aus allen möglichen Quellen zu bekommen und zu vergleichen, um mir dann ein möglichst objektives Bild der aktuellen politischen Entwicklungen zu verschaffen.

Wie diskutiert ihr das Thema im Freundes- oder Bekanntenkreis?

Die aktuelle Situation in der Ukraine wird besonders im Kreise meiner Freunde und Bekannten aus der Ukraine und Russland sehr intensiv und emotional diskutiert. Anders geht es nicht, denn es betrifft uns persönlich und wir alle machen uns Sorgen um die Zukunft unserer Heimatländer. Aber auch in Gesprächen mit den politisch interessierten Menschen aus anderen Ländern kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Denn es geht nicht nur um die zukünftige Entwicklung der osteuropäischen Länder, sondern darum, ob der Frieden in Europa erhalten bleibt.

Was ist deine persönliche Meinung zur Lage in der Ukraine? Und welches Szenario ist wahrscheinlich?

Die aktuelle Krise in der Ukraine ist für mich die Folge einer unvernünftigen Politik der bisherigen ukrainischen Regierung und einer Reihe politischer Fehler, die sowohl von der ukrainischen als auch von der russischen Seite begangen wurde.

Eine junge Frau blickt seitlich in die Kamera.

– © privat

Irina Kharuk aus Russland

Hast du Angst vor einem Krieg in Europa?

Natürlich machen mir die ständigen Meldungen in den Medien immer mehr Sorgen. Jedoch hoffe ich, dass die beteiligten Seiten und Politiker die Eskalation nicht zulassen.

Wie werden die Geschehnisse auf der Krim in deinem Heimatland dargestellt?

Das ist eine wichtige Frage, weil genau diese Berichterstattung eine große Rolle spielt und vielleicht auch eine der Ursachen der kontinuierlichen Verschärfung des Konflikts ist. Den zentralen russischen Medien gegenüber, vor allem dem Fernsehen, bin ich sehr skeptisch. Dort wird meiner Meinung nach ein sehr einseitiges und sehr propagandistisches Bild gezeigt: dass die Unruhen in der Ukraine eine Gefahr für die russischsprachige Bevölkerung darstellen, dass Russland diese schützt. Andererseits benutzen heutzutage viele Menschen Internet und soziale Netzwerke, um sich zu informieren. Dort kann man sehr unterschiedliche und kontroverse Meinungen und politische Positionen inklusive scharfer Kritik an der russischen Regierung finden.

Wo informierst du dich? Welchen Infos vertraust du?

Ich glaube, dass es mit den immer neuen Ereignissen in der Ukraine immer schwieriger ist, ein objektives Bild zu bekommen. Die westlichen Medien berichten genau so einseitig und übertreiben sehr oft mit einer negativen Darstellung meines Landes, da sie solche Nachrichten einfach leichter "verkaufen" können, denke ich. Deswegen versuche ich, immer möglichst viele verschiedene Quellen zu vergleichen und informiere mich vor allem im Internet. Natürlich spielen die sozialen Netzwerke heutzutage eine wichtige Rolle: ich habe auch sehr viele Bekannte und Freunde aus der Ukraine selbst und versuche mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Zu ihren Nachrichten habe ich eigentlich am meisten Vertrauen.

Wie diskutiert ihr das Thema im Freundes- oder Bekanntenkreis?

Die Ukraine-Krise ist in den letzten Wochen natürlich das wichtigste Thema in allen Diskussionen geworden. Ich möchte noch Mal betonen, dass es in Russland verschiedene Meinungen dazu gibt. Mit vielen meiner Bekannten und Freunden kann ich mich zum Beispiel auch nicht einigen, es gibt immer sehr heftige Diskussionen und Missverständnisse.

Was ist deine persönliche Meinung zur Lage in der Ukraine? Und welches Szenario ist wahrscheinlich?

Kurz gefasst: ich finde, dass kein Staat sich so aggressiv in die Politik seines Nachbarn einmischen darf und dass alles, was jetzt auf der Krim passiert, nicht legitim ist. Andererseits idealisiere ich die westliche Position auch nicht. Ich bin der Meinung, dass die Situation in der Ukraine im Endeffekt von allen Mächtigen einfach für die Realisierung eigener politischer und wirtschaftlicher Ziele ausgenutzt wird und sich niemand wirklich für die Unabhängigkeit oder Demokratie in der Ukraine interessiert. Deswegen tun mir die Menschen in der Ukraine unglaublich leid. Eines kann man sicherlich schon sagen: die Ukraine-Krise hat bereits politische wie auch wirtschaftliche Konsequenzen. Und was für mich besonders bedauerlich ist: dass Russland jetzt möglicherweise jahrelange gute Beziehungen mit einem der für uns wichtigsten Länder, mit unserem Brudervolk, verschlechtert, wenn nicht ruiniert hat.

Eine junge Frau blickt in die Kamera.

– © privat

Tatsiana Kruchko aus Belarus

Hast du Angst vor einem Krieg in Europa?

Selbstverständlich habe ich Angst vor einem Krieg in Europa. Ein solcher Krieg würde auch mein Heimatland Belarus direkt betreffen. Es würde auch der Weltwirtschaft sowie den internationalen Beziehungen schaden.

Wie werden die Geschehnisse auf der Krim in deinem Heimatland dargestellt?

Dazu kann ich nicht viel sagen, da ich in Deutschland wohne. Ich krieg wenig davon mit, wie darüber in Belarus berichtet wird.

Wo informierst du dich? Welchen Infos vertraust du?

Ich informiere mich ganz normal über Fernseh-Nachrichten, aber auch online, wie zum Beispiel spiegel.de. 100 Prozent Vertrauen habe ich allerdings zu keinen Medien. Ich versuche, mich durch unterschiedliche Quellen zu informieren und meine eigene Meinung dazu zu bilden.

Wie diskutiert ihr das Thema im Freundes- oder Bekanntenkreis?

Menschen in Belarus haben Angst. Allgemein würde ich behaupten, dass sie mehr Vertrauen zur EU haben als zu Russland.

Was ist deine persönliche Meinung zur Lage in der Ukraine? Und welches Szenario ist wahrscheinlich?

Ich wünsche mir, dass in der Ukraine endlich Frieden herrscht. Ich glaube auch, dass die Ukrainer die Hilfe von der EU nicht verweigern sollen.

Ein junger Mann schaut über die Schulter in die Kamera.

– © privat

Vladimir Gilca aus Moldawien

Hast du Angst vor einem Krieg in Europa?

Nein, ich glaube nicht, dass wir einen Krieg in Europa haben werden. Ich glaube eher, wir werden einen kurzfristigen Konflikt haben, während die russische Regierung das Anerkennungsreferendum durchführt. Wie die Lage später aussehen wird, hängt von der EU, den USA und Russland ab.

Wie werden die Geschehnisse auf der Krim in deinem Heimatland dargestellt?

In der Presse sind die Meinungen ganz unterschiedlich – einige sehen einen Eroberungskrieg und einen illegalen Angriff, manche sind der Meinung, dass die Menschen auf der Krim das Recht haben, ihre Zukunft selbst zu entscheiden. Trotzdem hat Russland meiner Meinung nach kein Recht, auf solche Art und Weise einen unabhängigen Staat anzugreifen.

Wo informierst du dich? Welchen Infos vertraust du?

Ich nutze mehrere Informationsquellen und meistens in verschiedenen Sprachen. Meistens sind das Online-Magazine, aber auch freie Web-Seiten oder offizielle Berichte auf der Web-Seite von den Vereinten Nationen, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) oder dem Auswärtigen Amt.

Wie diskutiert ihr das Thema im Freundes- oder Bekanntenkreis?

Ich bin froh, dass die meisten von meinen Freunden und Bekannten gut informiert und locker sind. Es gibt auch Russen und Ukrainer unter meinen Freunden, und die meisten teilen meine Meinung. Aber wenn man über die Zukunft der Krim spricht, sind die Meinungen oft sehr unterschiedlich. Manche Ukrainer sagen, die Krim muss ein Teil der Ukraine bleiben; viele Russen sagen, die russische Armee sollte die Krim verlassen, aber die Krim sollte die Möglichkeit bekommen, selbst zu entscheiden, in welche Richtung es zukünftig gehen soll.

Was ist deine persönliche Meinung zur Lage in der Ukraine? Und welches Szenario ist wahrscheinlich?

Ich sehe das als illegalen Angriff von der russischen Armee, auch wenn die Soldaten keine russischen Uniformen tragen. Für mich persönlich gibt es zwei Szenarien: das pessimistische und das optimistische. Das pessimistische Szenario: Russland führt das Referendum auf der Krim durch, und dann folgen die Regionen Donetzk, Odessa, Kharkiv und vieleicht auch Transnistrien.

Das "optimistische" Szenario: Die Krim wandelt sich in ein De-Facto-Regime oder einen Möchtegern-Staat (wie die deutschen Journalisten das schön sagen), wird aber kein Teil von Russland und wird auch nicht von Kiew regiert. Die russische Armee bleibt in Simferopol und wahrscheinlich zusätzlich in zwei bis drei anderen Städten. So "optimistisch" ist es auch nicht, aber leider glaube ich momentan nicht, dass die Krim ein Teil von Ukraine bleiben wird.

Ein junger Mann blickt in die Kamera.

– © privat

Nathan Christ aus den USA

Hast du Angst vor einem Krieg in Europa?

Ich hoffe nicht, dass es dazu kommen wird. Aber Angst habe ich schon.

Wie werden die Geschehnisse auf der Krim in deinem Heimatland dargestellt?

New York Times und Washington Post berichten sehr viel darüber. In der New York Times wird viel über die russischen Militärschiffe berichtet. Es gab auch einen Artikel über Arsenij Jazenjuk, der seit dem 27. Februar 2014 Ministerpräsident der Ukraine ist, und sein Treffen mit Barack Obama. Jazenjuk wird in der New York Times sehr positiv dargestellt, als ein sehr charimatischer Mensch. Allerdings besteht auch die Unsicherheit, ob er seine schwierige Aufgabe schaffen wird. In der Washington Post liegt der Fokus meiner Beobachtung nach vor allem auf den Truppenbewegung.

Wo informierst du dich? Welchen Infos vertraust du?

Ich informiere mich normalerweise über den Fernsehsender BBC und deutsche Zeitungen.

Wie diskutiert ihr das Thema im Freundes- oder Bekanntenkreis?

Mit meinen Freunden aus dem Stipendiatenprogramm des Bundestages habe ich das Thema noch nicht groß diskutiert. Mit meinen Amerikanischen Freunden sprechen wir über die amerikanische Haltung in dem Konflikt.

Was ist deine persönliche Meinung zur Lage in der Ukraine? Und welches Szenario ist wahrscheinlich?

Ich glaube, dass nach dem Referendum am 16. März 2014 nichts Schlimmes passieren wird. Der UN-Sicherheitsrat beobachtet die Situation, es können außerdem Sanktionen von den USA und der EU kommen. Meiner Meinung nach sollen die EU und die USA die folgenden Prioritäten setzen: die Krim soll ukrainisch bleiben und die Ukraine soll weiter finanzielle Hilfe bekommen.

Kommentare

 

antinazi schrieb am 18.03.2014 16:59

Jetzt hat die Krim sogar für Russland gestimmt!

 

 

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