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Die Autorin

Katrin Labusch 68x68

Katrin Labusch (21)
macht eine Ausbildung zur Medienkauffrau für Digital und Print

Tunesien
Feiern und hoffen

07.03.2017 |

Tunesien? Da denkt man sofort an Terroranschläge und Arbeitslose. Dabei ist das nordafrikanische Land auf gutem Weg in Sachen Demokratie. Katrin bringt euch auf den neusten Stand.


Junge Tunesier feiern beim Holi Festival in Nabeul. Vielen von ihnen finden nach der Uni keinen Job. – © dpa

Die Demokratie in Tunesien ist keine ungetrübte Erfolgsgeschichte. Zwar gibt es in dem Land inzwischen Presse- und Meinungsfreiheit und ein demokratisch gewähltes Parlament, die Wirtschaft allerdings hat unter den unsicheren Aussichten zu Zeiten der Revolution ab 2010 gelitten. Ein weiteres großes Problem in dem Land am Südufer des Mittelmeers: der Terrorismus. Ihr erinntert Euch sicher an den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember vergangenen Jahres: Der Fahrer des Unglücks-Lastwagens war Tunesier. Nach UN-Schätzungen haben sich inzwischen mehr als 5.000 Tunesier der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien, dem Irak oder Libyen angeschlossen.

"Leuchtturm der Hoffnung"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war gerade in Tunesien. Sie nennt das Land einen "Leuchtturm der Hoffnung", und erwartet, dass die Tunesier "auch anderen reformwilligen Staaten aufzeigen: Der Weg hin zum Besseren ist möglich". Mit dem tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi hat sie sich geeinigt, dass Deutschland Asylbewerber aus Tunesien künftig schneller abschieben darf. Deutschland wird der jungen Demokratie weiter helfen: Mit rund 290 Millionen Euro allein 2016 gehört die Bundesrepublik zu den großen Unterstützern des Landes.

Auch im Gesundheitswesen gibt es viele deutsche Projekte, davon konnte sich jetzt eine Delegation des Bundestages überzeugen. Genügend Gründe also, sich das nördlichste Land Afrikas genauer anzuschauen.

Wo liegt Tunesien?

Tunesien liegt zwischen Algerien im Westen und Libyen im Osten ganz im Norden Afrikas. Auf einer Fläche von über 164.000 Quadratkilometern leben knapp 11,3 Millionen Menschen. Die Bevölkerung ist überwiegend arabisch. Der Name Tunesien stammt von seiner Hauptstadt Tunis.

Geschichte kurz und knapp

Wo hat Tunesien eigentlich seinen Ursprung? Von circa 5.000 bis 1.300 vor Christus siedelten sich Stämme aus der Zentralsahara, welche vom Volk der Berber abstammten, im Gebiet des heutigen Tunesiens an. Im 8. Jahrhundert vor Christus kam es dann zur Gründung der Stadt Karthago. Diese wurde schon bald zur führenden Handelsmacht im westlichen Mittelmeer. Eine Konfrontation mit dem Römischen Reich führte jedoch zu den drei Punischen Kriegen, die 146 vor Christus mit der Zerstörung Karthagos endeten.

Staatspleite und Frankreich

Die dann vorherrschende römisch-christliche Kultur wurde im siebten Jahrhundert durch die Eroberung Tunesiens durch die Araber verdrängt. Ende des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einer Staatspleite. Französische Truppen marschierten in das Land ein und der zu der Zeit regierende Statthalter von Tunis musste den sogenannten Bardo-Vertrag unterzeichnen. Durch diesen Vertrag wurde Tunesien ein französisches Protektorat. Das heißt, dass Tunesien nur noch teilweise souverän war, dass Frankreich Tunesien unter seinen Schutz nahm, aber auch, dass Frankreich teilweise die Innen- und Außenpolitik des Landes bestimmte.

Die Destur-Partei, welche 1920 gegründet wurde, machte sich besonders für demokratische Reformen in Tunesien stark. Somit machte das Land immer mehr Fortschritte in Richtung Unabhängigkeit und erreichte diese 1956 durch die Auflösung des Bardo-Vertrags. Ein Jahr später wurde die Republik ausgerufen.

Schleppend zur Demokratie

Soziale Spannungen und Generalstreiks konnten jedoch erst durch die Abkehr vom Einparteiensystem (1981) eingedämmt werden. Die demokratische Verfassungspartei konnte ein paar Jahre später bei den Parlamentswahlen circa 91 Prozent der Stimmen gewinnen. Im Mai 2002 stimmten offiziell circa 99 Prozent der Wahlberechtigten einer Verfassungsänderung zu, wodurch der Präsident die Möglichkeit bekam, sein Amt länger als üblich auszuüben.

Ein Jugendlicher verbrennt

Die Regierung setzte sich zum Ziel, die Wirtschaft zu modernisieren, eine Wissensgesellschaft aufzubauen und die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit löste großen Unmut aus. Die wirtschaftliche Situation Tunesiens, sowie die jahrzehntelange Herrschaft des Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali führten aber zu heftigen Protesten, welche sich als "Arabischer Frühling" in mehreren Ländern ausbreitete. Ausschlaggebendes Ereignis war die Selbstverbrennung eines Jugendlichen, welcher keine beruflichen Perspektive für sich gesehen hatte. Daraufhin kam es besonders von jungen Bürgern zu landesweiten Solidaritätskundgebungen, die in einem Volksaufstand gegen das Regime endeten.

Präsident flieht

Im Januar 2011 floh Ben Ali nach Saudi-Arabien. Die Regierungsgeschäfte wurden von Übergangsregierungen übernommen. Aus Zukunftsängsten und Unsicherheit in der Bevölkerung kam es zur Flucht tausender Tunesier über das Mittelmeer nach Europa. Im Oktober 2011 wurde eine verfassungsgebende Versammlung gewählt, welche eine neue Verfassung ausarbeiten und Wahlen organisieren sollte.

Neue Verfassung bringt Hoffnung

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen waren weitgehend transparent. Die neue Verfassung von Ende 2014 führte zu festen politischen Institutionen und Strukturen, ohne die eine Demokratie nicht funktionieren kann. Die konservative Partei Nidaa Tounes ("Ruf Tunesiens") des neuen Präsidenten Beji Caid Essebsi nimmt seitdem die stärkste Position im Parlament ein.

Plötzlich wollten auch mehr Firmen wieder investieren und Jobs schaffen, viele auch aus dem Ausland – Tendenz steigend. Die Unruhen im Land nahmen aber trotzdem kein Ende und auch die Arbeitslosigkeit ist konstant hoch bei 15 Prozent. Besonders betroffen sind junge Menschen: rund ein Drittel der Hochschulabsolventen findet keinen Job. Zwei heftige Anschläge, bei welchen mehr als 60 Menschen ums Leben kamen, haben Tunesien im März und Juni 2015 außerdem schwer erschüttert. Zu den Taten bekannte sich der sogenannte Islamische Staat (IS).

Lammert: Viel Sympathie

Schon seit mehr als 60 Jahren kooperieren Deutschland und Tunesien eng miteinander. Besonders seit Beginn der Revolution im Januar 2011 setzt sich die Bundesregierung für den Übergang zur Demokratie in Tunesien ein.

Erst kürzlich betonte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU/CSU) bei einem Zusammentreffen mit Tunesiens Ministerpräsident Youssef Chahed die große Bedeutung der Demokratie, der Verfassung, des Parteiensystems und einer unabhängigen Justiz. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tunesien geschehe mit "Respekt, aufmerksam und mit demonstrativer Sympathie".

Kommentare

 

Veronika Fidler schrieb am 09.03.2017 19:14

Der Tunesier, durch den der arabische Frühling begann, war kein jugendlicher , sondern ein ca.40 jähriger Mann namens Bou Azizi aus Sidi Bouzid.

 

 

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