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Erfahrungsberichte
Unsere Erasmus-Momente

Eine Reise ins Land der Kobolde

Ann-Kathrin lernte die irische Natur und die Iren lieben. – © Ann-Kathrin Albe

Ann-Kathrin war für ein Praktikum in Dublin

Von einer Schulfreundin erfuhr ich von dem Praktikumsplatz in Dublin bei einem Reiseveranstalter, der sich auf Reisen in Dublin, Schottland und England spezialisiert hat. Ich habe mich für Dublin entschieden, weil es nicht so weit von Zuhause entfernt ist und weil ich Englsich sprechen wollte. Momentan studiere ich Kreuzfahrttourismusmanagement in Bremerhaven im achten Semester. Hierfür musste ich ein Auslandspraktikum absolvieren. Erasmus+ war dafür die beste Möglichkeit.

Zahnbürste und Arzttermin

Dublin ist so teuer, dass ich von dem Praktikumsgehalt mit etwa 300 Euro alleine nicht hätte leben können. Schon die Miete und Lebensmittel würden dieses Gehalt überschreiten. Durch die hohen Kosten erhielt ich den Höchstsatz des Erasmus+-Programms (etwa 500 Euro im Monat). Das Praktikum hat mir gezeigt, dass ich auf jeden Fall im Tourismus und der Produktentwicklung bleiben möchte. Hier konnte ich wichtige Erfahrungen sammeln, die ich in meinem Job später anwenden werde.

Ich finde, im Ausland zu leben, heißt auch selbstständig zu sein. Sich selbst eine Zahnbürste zu kaufen oder einen Arzttermin zu machen, gehört zum Erwachsenwerden einfach dazu. Im Ausland gibt es dann auch noch die Sprachbarriere, die so manche einfache Aufgabe zum Hindernis werden lässt.

Ich wurde selbstbewusst

Während meiner sechs Monate in Dublin hatte ich auch das Glück, zu reisen und die Iren und ihre Kultur kennenzulernen. Ich hab dadurch ein ganz neues Selbstbewusstsein erlangt.

Erasmus ist eine sehr schöne Erfahrung, bei der man viel lernen kann. Ich würde es absolut weiterempfehen! Es gab nie Probleme mit dem Geld und auf eine Antwort musste ich auch nicht lange warten. Durch Erasmus konnte ich auch schon viel über meine baldige Arbeit lernen. So mache ich jetzt erst einmal keinen Master, sondern steige ab September bei einer Reiseagentur ein, bei der ich im Grunde dasselbe mache, was ich in Dublin gemacht habe.

Neun Wochen Sommer, Sonne, Strand auf Malta

Beatrice macht ein Praktikum auf Malta. – © Beatrice Pieper

Beatrice arbeitet derzeit auf Malta

Während meiner Ausbildung zur Medienkauffrau habe ich das Glück, dank Erasmus + und meinem Ausbildungsbetrieb, ein Praktikum im Ausland absolvieren zu können. Also hier bin ich. Eine von neun Wochen auf Malta habe ich bereits hinter mir und bin mehr als glücklich mit meiner Entscheidung!

Das wird kein Urlaub

Auch wenn Malta eine wundervolle Urlaubsinsel ist, wird das hier natürlich kein Urlaub. In meiner ersten Woche hatte ich einen Englischkurs zusammen mit sieben weiteren Praktikanten aus Deutschland, der Ukraine, Südkorea, Russland, Belgien und Italien. Nach dem Sprachkurs beginnt dann der Ernst des Lebens. In den nächsten Wochen werde ich täglich neun Stunden im Sales- und Marketingbereich bei dem maltesischen Radiosender "xfm" als Erasmus-Praktikantin arbeiten.

Wetter? Wichtig!

Mit dem Projekt "GoEurope" an der Friedrich-List-Schule in Berlin Schöneberg arbeitet mein Ausbildungsbetrieb schon seit Jahren zusammen. Zur Auswahl standen etwa zehn Länder, da ich aber nur im Englischen ein entsprechendes Sprachlevel vorweisen kann, hatte ich die Wahl zwischen Großbritannien und Malta. Für die 430.000-Seelen Insel entschied ich mich letztendlich, da das Wetter dort bedeutend besser ist und der Reiz, in einem Studentenwohnheim zu wohnen, für mich größer war, als bei einer Gastfamilie.

Schwierige Jobsuche

Normalerweise vermittelt der Erasmuspartner vor Ort den Praktikumsplatz. Man kann sich aber auch, wie ich, selbst ein Praktikum organisieren. Dafür habe ich mich gefühlt bei allen Medienunternehmen in Malta beworben. "Xfm" war das Einzige mit positivem Feedback und da hatte ich noch Glück, denn bei den meisten war die Initiativsuche komplett erfolglos. Die Gründe sind wahrscheinlich, dass jeder "irgendwas mit Medien" machen will und es im Ausland so etwas wie eine Ausbildung nicht gibt. Deshalb wollen die meisten Unternehmen nur Studenten.

Angst und Vorfreude

Natürlich waren die Tage vor der Abreise nach Malta sehr stressig. Schließlich musste ich Koffer packen und das Leben in einen Koffer zu packen, ist gar nicht so einfach. Auch am Flughafen allein zu stehen und zu realisieren, dass es jetzt wirklich losgeht und es kein Zurück mehr gibt, war eine Mischung aus Angst und Vorfreude, bei dem Letzteres gesiegt hat!

Von meinem Aufenthalt erwarte ich zum einen, dass sich mein Englisch verbessern wird. Perfekt Englisch spricht hier zwar kaum einer, aber der einwöchige Sprachkurs und die Tatsache, dass man sich spontan verständigen muss, werden zumindest die Hemmschwelle deutlich senken.

Pure Lebensfreude

Außerdem lernt man über ein Land, in dem man mehrere Monate lebt, natürlich so viel mehr als ein einfacher Tourist. Die Mentalität ist hier eine ganz andere. Das Wort "Pünktlichkeit" zum Beispiel kennt anscheinend niemand. Dafür sind die Menschen hier viel entspannter und legen eine Lebensfreude an den Tag, von der sich der ein oder andere Deutsche noch eine Scheibe abschneiden könnte.

Marlon Jungjohann

Marlon schloss Freundschaften fürs Leben beim Comenius-Projekt in Italien. – © Marlon Jungjohann

Marlon war als Schüler in Italien

Italien – das alte Sehnsuchtsziel der Deutschen. So melodisch die Sprache, so ergreifend die Architektur und so verdammt lecker das Essen. Da kommt das Erasmus+-Projekt gerade recht, um die Menschen Europas hinter die verführerische Fassade des Stiefelstaats blicken zu lassen.

Ich bin Marlon aus Wuppertal. Im März 2016 setzten die Schüler der beiden Englisch-Leistungskurse meiner Gesamtschule den Fuß in den Flieger, um ins 800 Kilometer entfernte Sassuolo nahe Bologna zu reisen. Im Rahmen des Comenius-Projektes sollten wir eine Woche lang lernen, was es heißt, ein Italiener zu sein. Denn auch für Schulprojekte bietet das EU-Austauschprogramm Förderungen.

Schock am Anfang

Am ersten Tag des Aufenthalts der Schock: Schule am Samstag! Doch halb so schlimm, lernten wir sowohl einander kennen, als auch das Thema, das wir nun hier und beim Gegenbesuch in Deutschland erarbeiten sollten: Sustainability – Nachhaltigkeit. Was ist Nachhaltigkeit? Wie ernährt man sich nachhaltig? Was sind Treibhausgase?

Nach einem Kurztrip nach Mailand ging es für uns dann aber doch an die Arbeit. Die Schultage zogen sich: "Sustainability" ist wichtig für die Zukunft, aber ein wenig trocken war es schon. Aufgabe war es, Nachforschungen zu betreiben, um am Ende der Wochen einen themenbezogenen Film vorzustellen.

Größte Pizza-Fabrik

Die weiteren Schultage waren ebenfalls bestimmt von "Nachhaltigkeit", aber auch von Ausflügen in eine der größten Pizza-Fabriken der Region, Essig-Verkostungen in Modena und einem Trip zu Romeo und Julia nach Verona. Der mediterrane Geist war im Grunde allgegenwärtig: die Häuserfassaden, Kunstwerke an allen Ecken und der unverkennbare italienische Kleidungsstil.

Der Gegenbesuch einen Monat darauf bot Abwechslung für die Italiener: Kölner Dom, Ausflüge nach Düsseldorf, Schwebebahnfahren, bergische Industriegeschichte. Und selbstverständlich haben wir mit Bravur unseren Film vollendet, bevor wir in Deutschland den letzten Abend in einem Club feierten.

Sich verstehen lernen

Von welch zentraler Bedeutung Europa und ein internationaler Dialog für Deutschland sind, wird schon beim Blick auf den Lehrplan deutlich. Wie das im "Real Life" aussieht, das führt einem Comenius vor Augen. Bildung und persönliche Beziehungen zu Menschen in anderen Ländern schaffen Brücken und tragen dazu bei, dass wir einander besser verstehen und begreifen, wie wertvoll die europäische Einheit ist.

Sabrina Idjen

Sabrina hat in Schweden auch mit Elchen Freundschaft geschlossen. – © Sabrina Idjen

Sabrina hat in Schweden studiert

Wieso ich nach Schweden wollte? Zwar sind Pippi Langstrumpf und Ikea ganz nett aber eigentlich bin ich nach Schweden gegangen, weil die Sprache einfach so ein schöner Sing-Sang ist. Die durfte ich während meiner sechs Monate in Halmstad lernen.

An der Küste fühle ich mich besonders heimisch. Als Cuxhavenerin kenne ich Wind und Meer und da lag es nahe, Cruise Tourism Management in Bremerhaven zu studieren. Der Studiengang ist international ausgerichtet und deshalb war ein Auslandsaufenthalt verpflichtend. Nach einem Schwedisch-Sprachkurs ging es dann an die Küste Südschwedens.

Sparen, sparen, sparen

Beim International Office meiner Hochschule hatte ich mich über verschiedene Universitäten im Ausland informiert. Die Unis in Halmstad und Bremerhaven sind Partnerunis. Deshalb kooperieren sie eng miteinander. Das war ein großer Vorteil für mich. Verglichen mit anderen Austauschprogrammen ist Erasmus+ da ein extrem unkomplizierter Weg ins Ausland. Neben Hilfe bei organisatorischen Fragen standen mir während meines Schwedenaufenthalts monatlich 275 Euro aus EU-Fördergeldern zur Verfügung. Geld, mit dem bei den hohen Lebenshaltungskosten in Skandinavien, besonders sparsam umgegangen werden musste.

Sandburgen bauen

Besonders im Gedächtnis ist mir meine erste Woche in Halmstad geblieben. Mit einer "Nollneng", einer Begrüßungswoche für Erstsemester, beginnt in Schweden traditionell die Unizeit. Unsere bunt zusammengewürfelten Erasmus-Studierenden aus ganz Europa fanden beim Sandburgen-Bauen und Choreographien-Einstudieren schnell zusammen. Man lernt unglaublich einfach neue Leute kennen. Ein absolutes Highlight meiner sechsmonatigen Schwedenzeit war eine Reise nach Lappland. Nach knapp 24-stündiger Busfahrt wartete auf unsere Erasmusgruppe ein nie enden wollender Sonnenuntergang und eine unberührte Natur.

Kuriose Anekdoten

Viele kuriose Anekdoten lassen mich immer wieder lächelnd auf mein Erasmus-Jahr zurückblicken. Ich habe jetzt schon Fernweh, wenn ich nur an die vielen Erlebnisse denke und hoffe sehr, dass ich neben Schweden und Norwegen auch noch die anderen skandinavischen Länder bereisen kann. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich für meinen nächsten Auslandsaufenthalt ja nach Finnland. Lust hätte ich auf jeden Fall und allen, die gerne einen Erasmus-Aufenthalt machen möchten, rate ich nur eines: Schreibt eine Packliste!

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