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Der Autor

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Nico Hajrahmatollahi (20)
studiert Biomedizin

Austausch-Experte
"Wissen, Offenheit, Verständnis"

16.05.2017 |

Manfred von Hebel ist einer der Organisatoren der Erasmus-Programme. Nico wollte von ihm wissen, wo das Geld dafür hinfließt und wie sich Jugendliche verändern, wenn sie in der EU unterwegs sind.

Europäische Jugendliche

Das Erasmus-Programm bringt jedes Jahr junge Europäer zusammen. – © dpa

Erasmus gilt als Erfolgsgeschichte. Warum?

Der Erfolg von Erasmus und seinem Nachfolger Erasmus+ stehen außer Frage. Die EU wird heute zumeist in einem klischeehaften und negativen Kontext genannt, vor allem, um von den Missständen im eigenen Land abzulenken. Das Erasmus-Programm dagegen wird in Zeiten dieser vielen Krisen durchweg positiv gesehen. Es schreibt die erfolgreiche Geschichte einer grenzüberschreitenden Begegnung für unglaublich viele Menschen. Mit der Erweiterung des Programms 2014 steht es nicht mehr nur Studenten offen, sondern auch jungen Menschen in Ausbildung und in außerschulischen Projekten. Die hohe Nachfrage nach unseren Diensten bei "JUGEND für Europa" spricht dabei für sich.

Welche Rolle spielt "JUGEND für Europa" bei dem Programm?

Von Beginn an, seit 1989, sind wir die Nationale Agentur für die Jugendprogramme. Seit dem integrierten Erasmus-Programm ab 2014 arbeiten wir gemeinsam mit dem Hochschulbereich und der allgemeinen und beruflichen Bildung. Praktisch bedeutet das, dass wir europäische Jugendbegegnungen und -initiativen, sowie den Europäischen Freiwilligendienst und weitere europäische Maßnahmen im Bereich der non-formalen Bildung (das Lernen außerhalb von Schule und Uni) fördern.

Was wäre ohne das heutige Europa anders?

Wenn ich ehrlich sein soll, dann will ich mir das nicht vorstellen. Ganz klar würde es sehr viel weniger Fortschritt gegeben haben, insbesondere im Bereich der Technologie. Mit der Entscheidung für den Brexit geht ein harter Einschnitt in das Leben der Menschen einher. Die Rückkehr zur Nation löst keine Probleme. Für uns ist Europa der beste Weg in die Zukunft. Aber wir sollten auch bedenken, dass Europa nur ein Akteur im Kontext globaler Weiterentwicklung sein kann. Im globalen Kontext ist es einfach nur realistisch und rational, Grenzen hinter sich zu lassen und gemeinsam an Lösungen für die Zukunft zu arbeiten.

Das Erasmus-Programm gibt es seit 1987. Wie hat sich Europa seitdem vor allem für junge Menschen verändert?

Zum Glück gibt es heute Initiativen wie "We are Europe" oder den "Pulse of Europe" mit vielen jungen Menschen auf der Straße. Sie zeigen uns doch ganz deutlich, dass viele sich ein Leben ohne Europa nicht mehr vorstellen können.

Abgesehen von der grenzenlosen Mobilität ist die Möglichkeit, in ganz Europa studieren und arbeiten zu können, Realität für viele junge Europäer geworden. Der Europäische Freiwilligendient, kurz EFD, ist ein gutes Beispiel. Vor einigen Jahren erfuhr ich im Gespräch mit Rückkehrern, dass sie merkten, dass sie nach ihrem Dienst für und in Europa mit mehr Wissen, Offenheit und Verständnis zurückgekehrt sind. Die Mehrheit junger Menschen erlebt Europa definitiv als Bereicherung für ihren Alltag.

Auch spannend ist die Tatsache, welchen Zugang Menschen zu Europa finden. Nach der Arbeit vieler Freiwillige mit Migranten und Geflüchteten hat sich ihre Sicht auf selbstverständlich gewordenen Frieden und die europäische Rolle in der Welt gewandelt. Das Erasmus-Programm leistet einen wichtigen Beitrag zur vielfältigen Bildung junger Menschen.

In den Jahren von 2014 bis 2020 hat Erasmus+ ein Budget von 14,8 Milliarden Euro. Wofür wird das Geld gebraucht?

Gute Frage! Natürlich freuen wir uns sehr über den Zuwachs an Mitteln für unsere Programme. Nach etwa 16 Millionen Euro jährlich zwischen 2014 und 2016, können wir nun noch einmal mit einer deutlichen Steigerung der Mittel bis 2020 rechnen und mehr Reichweite schaffen. Für Jugendliche gibt es aber dennoch viel zu wenig Mittel. Gerade einmal 10 Prozent der Mittel gehen in diesen Bereich. Wir brauchen mehr Mittel für die Arbeit mit jungen Menschen in Ausbildung und in außerschulischen Projekten.

Was kann und sollte am Erasmus-Programm noch verbessert werden?

Auch wenn wir dem Programm unglaublich dankbar sind, müssen wir in Zukunft insbesondere mehr Wert auf Inklusion legen. In meinen Augen kommt die Unterstützung für Menschen mit Behinderung viel zu kurz. Daher müssen wir bessere Rahmenbedingungen insgesamt schaffen. Dazu gehört auch, daran zu arbeiten, dass Anträge leicht und unkompliziert gestellt werden können. Kleine Vereine und Projekte haben oft niemanden, der sich viel Zeit nehmen kann, um sich mit komplizierten Anträgen auseinanderzusetzen. Dennoch: Erasmus ist da, nutzen wir es!

Über Manfred von Hebel:

Manfred von Hebel ist seit 2009 bei "JUGEND für Europa" und leitet den Bereich Strategien und Projekte. Die Organisation ist vom Familienministerium benannt und von der EU-Kommission beauftragt, als Nationale Agentur das EU-Programm Erasmus+ in Deutschland umzusetzen. Von 2005 bis 2009 war von Hebel Nationaler Experte in der Generaldirektion für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission. Der Erziehungswissenschaftler ist seit über zwanzig Jahren im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe auf nationaler und europäischer Ebene tätig.

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