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Kooperationsverbot
Bildung ist Ländersache

17.01.2014 |

Für den Bund sind Klassenräume und Lehrerzimmer eine verbotene Zone. Das so genannte Kooperationsverbot untersagt es Berlin, sich in Sachen Bildung bei den Ländern einzumischen. Richtig so, findet der 18-jährige Michael, klare Verantwortlichkeiten seien gut für Qualität. Falsch, sagt Anne-Katrin, 23, der Wettbewerb gehe zu Lasten der Heranwachsenden.

Man sieht die beiden Streithähne.

Vielfalt gegen Chancengleichheit: Michael und Anne-Katrin streiten um das Kooperationsverbot. – © Ronny Pietsch

Contra

Anne-Katrin: Einlass für den Bund

Bildung in Deutschland – 16 Einzelkämpfer oder Teamwork? Letzteres sollte es meiner Meinung nach sein. Das Argument der Union, der derzeitige Bildungsföderalismus, also jedes Bundesland macht seine eigene Bildung, wäre wichtig für den Wettbewerb um die beste Bildungspolitik, halte ich für falsch. Denn das sogenannte Kooperationsverbot, das besagt, dass Bildung (auch finanziell) Ländersache ist und den Bund nichts angeht, sorgt in meinen Augen für einen unfairen Wettbewerb – der vor allem zulasten der Schüler geht.

Mein Freund aus Kindheitstagen, Lars, hat das zu spüren bekommen. Lars schwamm gut auf der Durschnittswelle mit an seinem nordrhein-westfälischen Gymnasium. Mit 14 zog er nach Freising in Bayern. Ein Schock, als er dort auf das Gymnasium kam und einem völlig anderen Lehrplan ausgesetzt war. Lars kam nicht mehr gut mit, nahm Nachhilfe, wurde frustriert. Irgendwann kam der Wechsel auf die Gesamtschule. Dort wurde es "nur" der Realschulabschluss.

Unterschiedliche Lehrpläne in den Bundesländern ist sicher nur ein Ergebnis von vielen bei dieser Bildungspolitik. Aber fest steht, dass es Schulwechslern durch eine föderalistische Bildungspolitik noch schwerer gemacht wird.

Sie verhindert nämlich Chancengleichheit. Demnach sollte es egal sein, ob ich in Bayern oder Brandenburg mein Abitur mache. Bayern ist aber ein viel wohlhabenderes Bundesland, das zeigt sich auch bei den Bildungsausgaben der einzelnen Länder. So entstehen die Klischees, dass der 1,5er-Notenschnitt einer Kölnerin in Bayern höchstens eine 2,0 geworden wäre – also nicht so viel wert.

Eine Kooperation der Länder oder gar eine Förderung durch den Bund erhält am Schultor Einlassverbot. Dabei sagen Lehrer- und Elternverbände: Das Verbot ist überholt. Ich stimme Ihnen zu. Um es zu lockern, müsste das Grundgesetz geändert werden. Dafür braucht es aber eine Zweidrittelmehrheit sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat. Aber das Thema wird in der Politik noch heftig diskutiert. Einig ist sich unsere Koalition dahingehend, dass sich die Zusammenarbeit von Bund und Ländern verbessern soll – im Sinne der Union allerdings nur im Hochschulbereich, geht's nach der SPD, soll auch für die Schulen künftig mehr vom Bund kommen.

Hinzu kommt schließlich, dass wir heutzutage mobiler sind. Schüler mit ihren Eltern oder angehende Studenten wechseln das Bundesland. Aber auch Lehrer sind durch die Menge an Schulsystemen sowohl in ihrer Studienplatz-, als auch in ihrer Arbeitsplatzwahl mobil eingeschränkt.

Schlussendlich: Unfairer Wettbewerb unter den Ländern sollte gerade in der Bildung, die uns Heranwachsende ja zu sozial kompetenten, gemeinschaftlich und verantwortungsvoll handelnden Menschen machen soll, ein großes Tabu sein. Die Realität, die uns derzeit vorgelebt wird, spricht aber leider eine andere Sprache.

Macht es Sinn, dass über Bildung größtenteils in den Bundesländern entschieden wird?




Kommentare

 

johannes schrieb am 07.06.2015 11:57

Das Argument, "Es ist nicht (mehr) der Fall, so sehe ich das, dass das bayerische Abitur mehr gilt, als das aus Bremen." ist schlichtweg falsch. Aktuelle Studien belegen das Gegenteil. Zudem ist die Aussage, dass ein vielfältiges Bildungssystem mit vielen verschiedenen Schulformen ein erstrebenswerter zustand sei absurd. Warum sollten Kinder verschiedener Herkunft unterschiedliche Anforderungen an ihre Bildung stellen? Gerde da auch der Bologna-Prozess auf europäischer Ebene für sinnvoll erachtet wurde sollte man doch meinen eine Vereinheitlichung auf Bundesebene bloß der nächst logische Schritt ist. Zuletzt sei noch gesagt, dass das Argument des "Wettbewerbs um die beste Bildungspolitik" jawohl höchstens als zynisch bezeichnet werden darf...

 

 

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