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Die Autorin

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Victoria Gütter (22)
studiert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Schulabbrecher
Keine Chance ohne Abschluss

06.02.2015 |

Immer mehr Schüler machen einen höheren Abschluss und immer mehr entschließen sich, zu studieren. Gleichzeitig geht die Zahl der Schulabbrecher zurück. Trotzdem bleiben sie ein Problem. Warum und was dazu im Nationalen Bildungsbericht steht.

Schüler lehnt mir Rucksack an Laterne

Kein Bock auf Schule? Damit setzt ihr eure berufliche Zukunft aufs Spiel. – © dpa

Mehr als elf Millionen junge Menschen gingen im Schuljahr 2013/14 in ganz Deutschland zur Schule. Bei so vielen Schülern verliert man schnell den Überblick. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit 2000 den Nationalen Bildungsbericht. Für den Bericht von Bund und Ländern haben unabhängige Wissenschaftler im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) das deutsche Bildungssystem unter die Lupe genommen.

Den Startschuss für diese Überprüfung, die alle zwei Jahre erscheint, gaben im Jahr 2000 die schlechten Pisa-Ergebnisse. In dieser Studie, die die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen checkt, hat Deutschland damals schlecht abgeschnitten. Ein Schock für alle Bildungspolitiker, die seither ziemlich erfolgreich daran arbeiten, dass das deutsche Bildungssystem bessere Noten erhält.

Das funktioniert seither auch ziemlich gut. Trotzdem hält der Bericht zur "Bildung in Deutschland 2014" sowohl gute als auch schlechte Nachrichten bereit.

Deutschland wird schlauer

In Sachen Schule geht der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen wie dem Abitur. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es immer mehr junge Menschen an die Universitäten und Fachhochschulen zieht. Zum ersten Mal sind die Zahlen von Studienanfängern und denen, die eine Ausbildung beginnen, etwa gleich.

Schulabbrecher bleiben ein Problem

Und noch eine gute Nachricht: Immer weniger junge Leute brechen die Schule ab, können also noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss vorweisen, wenn sie die Schule verlassen. Der aber ist die Mindestvoraussetzung für eine Berufsausbildung. Besonders gefährdet, am Ende der Schullaufbahn ohne Abschluss dazustehen, sind Förder- und Hauptschüler. Und gerade für sie gestaltet sich der Weg in den Job besonders schwer, weil es immer weniger Jobs für Niedrigqualifizierte gibt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat mehr als die Hälfte der Langzeitarbeitslosen in Deutschland keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Das höchste Risiko liegt bei den Förderschülern: So heißt es im Bildungsbericht, allgemeine Bildungsabschlüsse sind für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf "teilweise nur eingeschränkt erreichbar". Bundesweit hätten fast drei Viertel derjenigen, die eine Förderschule verlassen, keinen allgemeinbildenden Schulabschluss erworben. Hier müsse es mehr Unterstützung geben.

Grundsätzlich ist jeder, der die Schule ohne Abschluss verlässt, ein Problem, das die Politik seit vielen Jahren zu lösen versucht. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brunhild Kurth, hat deshalb gerade erst angekündigt, mehr Sozialarbeiter an die Schulen zu bringen, um gefährdete Schüler besser zu begleiten und dazu zu motivieren, doch einen Abschluss zu machen.

Tendenz gut, Ergebnis noch nicht

Im Vergleich zu 2008 wurde die Quote von acht auf 5,9 Prozent gesenkt. Das sind zwar immer noch nicht die vier Prozent, die sich Kanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU/CSU) und ihr Bildungsminister beim Bildungsgipfel 2008 vorgenommen haben, aber doch eine deutliche Tendenz.

Und deshalb ein Erfolg, so Stefan Müller, der Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung. "Dennoch sollte unser Anspruch sein, dass jeder Jugendliche, der die Schule verlässt, auch einen Abschluss hat", so der Experte.

Auch die Abbruchquoten im Bereich der dualen Ausbildung oder des Studiums sorgen für Bauchschmerzen. In der dualen Berufsausbildung, bei der Jugendliche sowohl an Berufsschulen als auch im Betrieb lernen, brechen 22 Prozent ihre Ausbildung ab. An den Universitäten stagniert die Quote auf dem Niveau der Jahre zuvor: Mehr als ein Viertel der Studenten bricht das Bachelorstudium ab.

Kein Bock, keine Zukunft?

Fakt ist: Wer ohne Abschluss die Schule verlässt, setzt seine Zukunft aufs Spiel. Denn ohne Abschluss ist der Übergang in eine Ausbildung und später in das Berufsleben extrem schwer. "Immerhin sind Ausbildung und Arbeit nicht nur wichtig, um Geld zu verdienen, sie sind auch die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben", erklärt Müller. Das sei auch eine Frage der Bildungsgerchtigkeit. Ihn besorgt vor allem, dass es viele unbesetzte Lehrstellen gebe, gleichzeitig aber viele Jugendliche unversorgt blieben. Es gebe da "offensichtlich ein Matching-Problem, das heißt Angebot und Nachfrage passen regional und berufsfachlich nicht zusammen".

Das BMBF-Programm "Jobstarter" setze deshalb seit 2014 einen Schwerpunkt auf das verbesserte Matching von Ausbildungsbewerbern und besonders Klein- und Mittelbetrieben (KMU), die zunehmend Probleme hätten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Und das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für Schüler, die den Abschluss aus unterschiedlichsten Gründen nicht packen: Die Unternehmen, die aufgrund der alternden Gesellschaft immer größere Probleme haben, guten Nachwuchs zu finden, engagieren sich zunehmend dabei, auch die Schulabgänger fit für eine Ausbildung zu machen, die sonst als Bewerber keine Chance gehabt hätten.

Weitere Beiträge zu: Schulabbrecher, Inklusion, Bildung.

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