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Austausch-Programm
Junge Amerikaner im Bundestag

19.05.2017 |

350 junge Amerikaner verbringen derzeit ein Jahr in Deutschland, ein Bundestags-Stipendien-Programm macht's möglich. Was sie an ihrem "Berlin-Tag" in der Bundeshauptstadt erlebten – und warum die Kanzlerin ihnen zuwinkte.

Unter der Kuppel

Schlangestehen an den Mikros der Podiumsdiskussion: Es gab Fragen zur Flüchtlingspolitik, zu Cyberterrorismus oder zur Russlandpolitik. – © Michael Kuchinke-Hofer

Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert begrüßte die 350 Teilnehmer und betonte, wie wichtig das Austauschprogramm ist. – © Michael Kuchinke-Hofer

Bereits seit 1983 gibt es das Austauschprogramm. Seitdem verbringen jedes Jahr junge US-Amerikaner ein Jahr in Deutschland und lernen Kultur und Politik kennen. – © Michael Kuchinke-Hofer

Zwischen der Fragerunde mit den Abgeordneten und der typisch deutschen Mittagsverpflegung hatten die Stipendiaten auch Gelegenheit, sich gegenseitig über ihre Zeit in Deutschland auszutauschen. – © Michael Kuchinke-Hofer

Einer der Stipendiaten ist der 22-jähige Benjamin aus Long Island in New York. Er ist sich nach seinem Austauschjahr sicher: "Wir haben die gleichen Werte." – © Michael Kuchinke-Hofer

Und Kathrine, 19 Jahre alt, will sich für die Partnerschaft USA-Bundesrepublik einsetzen. – © Michael Kuchinke-Hofer

Die Zeit reicht gar nicht für so viele Fragen. 350 amerikanische Schüler, Studenten und Berufstätige in weißen Hemden und bunten Sommerkleidern stehen Schlage an den Mikrofonen des Fraktionssaals der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. "Ich komme aus Virginia und heiße Virginia" – die Fragerunde startet mit einem lauten Lachen. Die Stimmung ist ein bisschen wie bei einem großen Klassentreffen, alle trinken mit dem Strohhalm Limonade aus der Flasche.Inhaltlich gibt es aber ganz schön schwere Kost: "Wie können die Deutschen mit der Flüchtlingskrise umgehen? Was tut die Regierung gegen Cyberterrorismus? Wie kann man mit Russland ins Gespräch kommen?", das sind nur einige Fragen der jungen Teilnehmer. Nur Donald Trump kommt nicht zur Sprache.

Land und Kultur

Die jungen Amerikaner nutzen heute im Bundestag die Möglichkeit, mit Politikern und anderen jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie sind Teilnehmer des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms. Das deutsch-amerikanische Austauschprogramm gibt es seit 1983. Jedes Jahr verbringen Schüler und Berufstätige ein Jahr in Deutschland, leben in Gastfamilien, gehen zu Schule oder absolvieren ein Praktikum. Dabei lernen sie das andere Land und seine Kultur kennen. Im Gegenzug leben junge Deutsche für ein Jahr in den USA. Das Projekt ist ein gemeinsames Programm des Bundestages und des US-Kongresses unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten.

Kritische Beobachter

"Dieses Programm gäbe es gar nicht, wenn nicht viele Kolleginnen und Kollegen trotz Anfechtung weiter für die Zusammenarbeit zwischen dem Bundestag und dem US-Kongress gekämpft hätten", ermahnte daher Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert in der großen Runde, "es ist eines der wichtigsten Programme für die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern." Dem stimmte auch der amtierende Gesandte der Botschaft der Vereinigten Staaten Jeffrey M. Hovenier zu: "Es braucht kritische Beobachter, die Zusammenhänge zwischen unseren Ländern vermitteln."

Abgeordnete treffen

Eine Höhepunkt des Congress Bundestag Youth Exchange (CBYX), wie das Programm in den USA heißt, ist der Berlin-Tag. Er ist zugleich Abschluss des Jahres in Deutschland. Und der Tag begann früh für die Teilnehmer: Bereits um sieben Uhr besuchten sie eine Plenarsitzung und bekamen eine Führung durch das Deutsche Parlament. Nach der offiziellen Begrüßung hatten sie dann Zeit, nicht nur die anderen Teilnehmer, sondern auch ihre Paten-Abgeordneten wiederzusehen oder persönlich kennenzulernen. Für die Zeit des Austausches bekommen alle Stipendiaten einen Abgeordneten als Unterstützer an ihre Seite – daher auch der Name Parlamentarisches Patenschaftsprogramm.

"Schreiben Sie, twittern Sie!"

Die Bundestagsabgeordneten sind Ansprechpartner und treffen ihre "Patenkinder" auch oft im eigenen Wahlkreis. "Wenn Sie alle erzählen, wie toll dieses Programm ist, dann schreiben Sie, twittern Sie – und dann wird der Austausch zwischen unseren Ländern auch funktionieren", sagt Bernhard Schulte-Drüggelte (CDU/CSU), Berichterstatter für die Internationalen Austauschprogramme des Deutschen Bundestages. Er und seine Kollegen Steffen Claudio Lämmer (SPD), Manfred Zöllner (SPD) und Sebastian Petzold (CDU/CSU) standen den jungen Amerikanern Rede und Antwort.

Zwischen Frikadellen und Kartoffelspalten ging es nach dem offiziellen Teil auf der Fraktionsebene weiter. Neben der deutschen und der amerikanischen Flagge war nicht nur Zeit für ein Foto, sondern auch für Gespräche über die deutsche und die amerikanische Politik. "Wir leben zwar anders, aber wir haben die selben Werte", sagt der 22-jähige Ben aus Long Island in New York. Auch Kathrine, 19, aus Sacramento, Californien, ist sich sicher: "Ich möchte mich in Zukunft mehr für die Zusammenarbeit zwischen den USA und Deutschland einsetzen."

Donuts und Popmusik

Mit kleinen gezuckerten Donuts in der Hand, bei Popmusik und auf dem Rasen der US-amerikanischen Botschaft endete schließlich der Tag für die Stipendiaten. "Das ist echt spitze", sagt Philippa (15) aus Pitsburgh, Pennsilvania, "ich dachte, es gibt eine langweilige Führung-und jetzt diese Gartenparty."

Viele Teilnehmer nutzten außerdem die Chance, den Mitarbeitern der Botschaft Fragen zu stellen. Tosenden Applaus erhielten schließlich die Darbietungen einzelner Teilnehmer zum Abschluss: ob mit Okkulele und Gesang oder beim Poetry-Slam erzählten sie von ihren Erfahren in Deutschland. "KBB - Kartoffeln, Bier und Brot" war nur eine davon.

Mehr Begeisterung weckte an diesem Tag nur eine: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie winkte einigen Stipendiaten vor der Botschaft auf dem Weg zu einem Termin in der Nähe des Brandenburger Tors.

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