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Die Autorin

Lara Gahlow 68x68

Lara Gahlow (22)
studiert Kultur-, Medien- und Kommunikationswissenschaft

Verschwörungstheorien
Sind Politiker Reptilien?

21.02.2017 |

Verschwörungstheorien haben ihren Reiz. Sie erklären die Welt abseits von etabliertem Wissen. Im Internetzeitalter verbreiten sich abstruse Hypothesen schneller als je zuvor. Was tun? Darum ging es auf einer Konferenz im Bundestag – und um Reptilien in der Regierung.

Nilkrokodile

Geschlitzte Pupillen sollen ein Indiz dafür sein, dass es sich bei manchen Promis und Politikern eigentlich um Reptilien handelt. Im Bild allerdings weder Merkel noch Obama, sondern Nilkrokodile. – © picture alliance

Flugzeuge versprühen Chemikalien, um den Klimwandel zu verhindern. Die Mondlandungen sind nur ein Fake und die Anschläge vom 11. September 2001 hat die CIA inszeniert. Verschwörungstheorien sind kein sonderlich neues Phänomen. Sie möchten ein Ereignis, einen Prozess oder einen Zustand durch das konspirative Wirken einer Gruppe erklären. Und diese Gruppe will in der Regel etwas Böses.

Taub für Gegenargumente

Dabei greifen Verschwörungstheoretiker gerne auf Stereotype zurück und sind taub für Gegenargumente. Daher ist schon allein das Wort "Theorie" etwas irreführend, denn eine wissenschaftliche Theorie setzt sich nicht nur mit Fakten auseinander, die eine Behauptung stützen, sondern auch mit solchen, die dagegensprechen.

Verschwörungstheorien sind übrigens keineswegs ein Phänomen des Internetzeitalters, sondern nach dem Historiker Dieter Groh eine historische Konstante. Schon in der Antike gab es sie, im Mittelalter kamen dann beispielsweise die Hexen dazu, die für vieles Böse verantwortlich gemacht wurden. Und im 21. Jahrhundert kam die Chemtrail-Theorie auf. Dazu später mehr.

Es gab schon immer Menschen, die einer bestimmten Personengruppe unterstellten, böswillige Absichten zu haben oder sogar die Welt erobern zu wollen – und die das nicht wirklich hieb- und stichfest beweisen konnten. Mit dem Internet allerdings erreichen selbst die schrägsten Verschwörungstheorien eine ganz neue Reichweite – und wandern vom Rande der Gesellschaft in deren Mitte.

Wie verbreiten sie sich?

Hier kommt auch das Wort des Jahres 2016 ins Spiel: postfaktisch. Es bedeutet, dass zunehmend nicht Fakten zur Betrachtung der Wirklichkeit herangezogen werden, sondern gefühlte Wahrheiten. Klassischen Medien büßen momentan bei manchen Teilen der Bevölkerung an Vertrauen ein, mit dieser Abkehr von Zeitung, Radio, Fernsehen und Co. geht eine Zuwendung zu sozialen Medien, insbesondere Facebook, einher. Hier agiert und regiert der "Prosument", also ein User, der sowohl Inhalte konsumieren als auch produzieren kann.

Einfach gesagt: Jeder Internet-User kann Thesen in die Welt setzen und stößt dabei auf Publikum. Diese Freiheit ist der Nährboden für Verschwörungstheoretiker, die in Foren, Facebook-Gruppen und öffentlichen Posts ihre nicht wissenschaftlich belegbaren Theorien und Thesen kundtun.

Wie erreichen sie die Menschen?

Hinzu kommen die gesellschaftlichen Veränderungen, die mit der Verbreitung des Internets als Massenmedium einhergehen. "Unsere ganze Öffentlichkeit ist fragmentiert, jeder lebt in seiner Blase", erklärt Michael Butter, Amerikanist an der Universität Tübingen und Leiter eines europaweiten Forschungsnetzwerks zum Thema Verschwörungstheorien in einem Interview mit "jetzt", dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung.

Die Online-Sphäre ist unterteilt in kleine Gruppen und zersplittert zunehmend in einzelne Fragmente. Diese Teilöffentlichkeiten verlieren mitunter den Zugang zu gesicherten Fakten und finden sich in einem Strudel aus postfaktischen verschwörungstheoretischen Beiträgen wieder. "Filterbubble" nennt sich dieses Phänomen – ein Post leitet zu einem ähnlichen zweiten Post, Gegenmeinungen werden rar oder ausgefiltert, das eigene Weltbild bestätigt sich. So erklärte Dr. Jasmin Siri von der Universität Bielefeld kürzlich die Lage. Die Soziologin war Referentin bei einer Konferenz im Bundestag zu "Online-Hass, Verschwörungstheorien und sinkendes Vertrauen in den Medien", auf der das Thema am 13. Februar umfassend behandelt wurde.

Was kann man dagegen tun?

Zensur, da sind sich Wissenschaftler, Experten und Blogger einig, ist nicht zielführend, um Verschwörungstheorien einzudämmen. Es gibt jedoch verschiedene andere Ansätze, den selbsternannten Theoretikern entgegenzutreten. Sebastian Bartoschek, einer der deutschen Verschwörungstheorien-Experten, plädiert beispielsweise für einen emotionalen und humorvollen Umgang, der nicht nur durch kalte Fakten überzeugen soll.

Der Wissenschaftsautor Bernd Harder meint, eben diese Fakten seien zielführend und beschäftigt sich täglich mehrere Stunden mit dem Kampf gegen die Verschwörungstheorien im Internet, den er mit Gegenargumenten führt. Auf der Konferenz im Bundestag ist man sich jedoch auch einig: Dieses Entgegentreten darf nicht erst im Internet geschehen, sondern muss bereits in der Schule anfangen. Denn mit den veränderten Gegebenheiten der Onlinewelt muss auch offline früh Medienkompetenz geübt werden – damit schon Kinder und Jugendliche Fakten von angst- und hassgeprägten Postfakten unterscheiden lernen.

Welche Verschwörungstheorien gibt es?

Angesichts der zum Teil absurden Theorien scheint diese Einteilung zunächst einfach. Im Internet kursiert beispielsweise die Aussage der "Flacherdler", die Erde sei eine Scheibe. Die Verfechter der Chemtrails-Theorie sind überzeugt, dass die Kondensstreifen vorüberfliegender Flugzeuge am Himmel eigentlich strategisch eingesetztes Gift seien. Das dient dann wahlweise dazu, die Menschen in eine leichte Narkose zu versetzen, die sie davon abhält, Revolten anzuzetteln oder dazu, den Treibhauseffekt abzuschwächen. Die Anhänger der Chemtrails-Theorie tauschen sich nicht nur online aus, sondern demonstrieren mitunter auch auf der Straße.

Noch absurder wird es bei den Vertretern der Reptiloiden-Theorie, nach denen ranghohe Politiker wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama oder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Menschen, sondern intelligente Reptilien seien, die eine "Neue Weltordnung" herbeiführen wollen. Dennoch gibt es immer mehr Anhänger solcher Theorien, die nicht einfach als harmlose "Spinner" abgetan werden sollten. Denn wohin Verschwörungstheorien führen können, hat ja schon die Hexenverfolgung gezeigt.

Konferenz zu Online-Hass und Verschwörungstheorien


© DBT

Kommentare

 

Die Angela schrieb am 22.03.2017 10:53

Das Internet ist für uns alle noch Neuland.

 

 

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