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Leonard Kehnscherper (21)
studiert Publizistik

Zwischen Klassenzimmer und EU-Parlament

10.12.2013 |

Sie machen es wie die Großen: Hunderte Jugendliche sind Abgeordnete im Europaparlament. Und das nicht nur im Klassenzimmer, sondern auf einer echten politischen Bühne: dem Bundestag in Berlin. mitmischen-Autor Leo war Gast beim Planspiel "Simulation Europäisches Parlament 2013" (SIMEP).

Europaparlament im Bundestag

Jugendliche SIMEP-Teilnehmer sitzen hinter Mikrofonen an Abgeordnetentischen.

Geben Antworten: Die jugendlichen Teilnehmer diskutieren über ihre Lösungsvorschläge zu Euro, Datenschutz und Co. – © Charly Hall

Eine junge Frau mit langen Haaren und Brille unterhält sich mit einem jungen Mann, beide halten Unterlagen in den Händen.

Hilft bei Fragen: Lisa (23) von der Jungen Europäischen Bewegung (JEB) hat SIMEP mit organisiert und betreut die Teilnehmenden. – © Charly Hall

In der Mitte des Abgeordnetensaals sitzt eine Gruppe Jugendlicher auf Stühlen und diskutiert.

Beziehen Stellung: In Länder- und Fraktionsgruppen klären die SIMEP-Teilnehmer untereinander ihre Positionen zu Europathemen. – © Charly Hall

SIMEP-Teilnehmer sitzen auf der Zuschauertribüne des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses.

Bringen den Saal zum Beben: Die Teilnehmer der SIMEP sind motiviert, mitreden zu können. – © Charly Hall

Der erste Beifall bringt den Saal fast zum Beben. Die rund 250 jungen Menschen im Anhörungssaal des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses sind hochmotiviert. Ihre Köpfe rauchen – schließlich geht es hier um die Zukunft Europas. Die Nachwuchs-Politiker diskutieren und debattieren auf Hochtouren – über die Zukunft des Euro, die EU-Außenpolitik, den Datenschutz. Drei Themen, die im Mittelpunk des Planspiels stehen, bei dem 250 Jugendliche in die Rolle von Europaabgeordneten schlüpfen. Die Simulation des Europäisches Parlamentes, die "SIMEP 2013" hat soeben begonnen.

Vorstellen, debattieren, beschließen

Schon als die 28 Mitgliedsstaaten sich in der großen Runde vorstellen, wird das vielfältige Potenzial der jungen Abgeordneten deutlich: Während Slowenien "Schengen beengen" fordert und EU-Neuling Kroatien leidenschaftlich argumentiert, begrüßt Frankreich alle Abgeordneten gelassen in fließendem Französisch.

Die Jugendlichen entwickeln ihre eigenen Positionen, unterstützt von den echten Europaabgeordneten. Natürlich sind auch die Kleinen wie die Großen damit beschäftigt ihre Ideen umzusetzen. Doch dazu brauchen sie Mehrheiten. Koalitionen müssen gebildet werden, Änderungsanträge und Elefantenrunde stehen auf dem Programm – wie man es sonst nur aus den Medien kennt. Die Beschlüsse der SIMEP leiten die Veranstalter von der Jungen Europäischen Bewegung (JEB) dann auch tatsächlich ans Europaparlament weiter, sagen sie.

Nicht alles verstehen, aber greifbar machen

Etwa 70 Leute von der JEB sind in diesen Tagen in den Parlamentsgebäuden. Sie betreuen die Teilnehmenden, dokumentieren die Veranstaltung und kümmern sich um die Gäste. Lisa Westphal ist die hauptverantwortliche SIMEP-Koordinatorin. Die 23-Jährige hat einen Bachelor in European Studies. "Für mich war die Organisation wirklich eine große Herausforderung und teilweise auch stressig", erzählt sie. Doch, dass Lisa erschöpft ist, merkt man ihr in keinem Moment an. Als sich die EU-Länder später im Anhörungssaal vorstellen, kommt sie gar nicht mehr raus aus dem Freuen.

Lisas engster Projektpartner ist Felix Brannaschk, der Vorsitzende der JEB. Ruhig und souverän wird er die Parlamentssitzungen leiten. Für den 23-Jährigen ist es schon die vierte SIMEP. "Unser Ziel ist es nicht, dass die Schüler nach der SIMEP alle politischen Zusammenhänge verstehen, sondern die EU für sie greifbarer wird", sagt der Jura-Student. Für ihn ist das Besondere ader Simulation, dass sie in den Gebäuden des Bundestages und nicht in irgendeinem Saal stattfindet. "Die Schüler fühlen sich ernst genommen", meint Felix, während die Teilnehmer die Gänge und Treppen in dem stolzen gläsernen Gebäude beschreiten.

Wer sich zuerst bewirbt, ...

Bei den begrenzten Teilnehmer-Plätzen galt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und es sieht nicht danach aus, als würden die jungen Abgeordneten Felix enttäuschen.

Insgesamt 400 Schüler konnten an zwei verschiedenen Terminen im Dezember das Europaparlament aus der Mitmach-Perspektive erleben. Die Zehn- bis Zwölftklässler kommen aus ganz Deutschland, aber überwiegend aus Berlin und Brandenburg. Bei der Anmeldung konnten sie sich für eine der sechs Europaparlaments-Fraktionen und ein Land bewerben. Henrike aus dem brandenburgischen Beeskow ist im Planspiel eine deutsche Abgeordnete der Grünen/Europäische Freie Allianz (EFA). "Wenn ich Deutschland vertrete, fühle ich mich inhaltlich am sichersten und die Grünen haben für mich das beste Umweltschutzkonzept", begründet Henrike ihre Wahl. Nach der Schule möchte sie Politiklehrerin werden und freut sich schon darauf, ihren eigenen Schülern von der SIMEP berichten zu können.

Wunsch erfüllt?

Einen vergleichsweise weniger einflussreichen EU-Staat vertritt Anna mit Rumänien. Sie spielt eine Abgeordnete der ALDE-Fraktion (Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa), zu der im echten Europaparlament auch die deutsche FDP gehört. "Die ALDE war nicht mein Wunsch, aber ich finde es spannend, sie zu vertreten und dann mit anderen zu diskutieren", sagt die 18-Jährige Berlinerin zwischen Reden, Diskussionen und Beratungen.

Seine Wunschpartei hat der 18-jährige Jasper Jordan definitiv bekommen. Mit der Fraktion KVEL/NGL (Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke) ist Jasper politisch ganz links außen dabei. Außerdem ist er zwei Tage lang griechischer Abgeordneter, "weil die EU vieles an ihrer Griechenlandpolitik verbessern sollte", erklärt Jasper. Der Berliner ist mit einigen aus seinem Politik-Leistungskurs auf der SIMEP. Seinen wahren Eintritt in die Linkspartei hat er bereits fest im Auge.

Großes Potenzial an nur zwei Tagen

Apropos Linkspartei: Irgendwann betritt Dr. Gregor Gysi (Die Linke) den Saal und wieder brandet großer Beifall auf. Von der Loge bis zum Parkett vibriert es nur so. Auch in diesem Moment merken die SIMEP-Abgeordneten, wie mächtig ein Parlament sein kann.

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