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Die Autorin

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Luise Schneider (22)
Sprach- und Kommunikations- wissenschaften

Anfrage der Grünen
"Heutzutage ist Familie bunt"

11.11.2014 |

Mutter, Vater, Kind – das klassische Familienbild. Aber nicht mehr das einzige, betonen die Grünen. In einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung stellte die Fraktion 20 Fragen zu Patchworkfamilien. Luise hat Katja Dörner, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion gefragt, warum.

Katja Dörner, eine rothaarige junge Frau, mit der Jugend-Autorin Luise Schneider im Interview.

Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen) findet, dass bei der Familienpolitik die Kinder im Mittelpunkt stehen müssen und nicht die Familienform. – © Philipp Reiss

Was bedeutet für Sie Familie?

Für mich ist Familie da, wo Kinder sind und Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Ich habe ein sehr breites Familienbild, das über die klassische Kernfamilie Vater-Mutter-Kind deutlich hinausgeht. Da gehören natürlich auch Patchworkfamilien ebenso wie Regenbogenfamilien, also Familien mit homosexuellen Eltern, und Alleinerziehende dazu. Also ein ganz bunter, breiter Familienbegriff.

Derzeit ist mehr als jede zehnte Familie in Deutschland eine Patchworkfamilie. Ist das ein Trend?

Es ist einfach eine Art von gesellschaftlicher Entwicklung, die unter anderem daraus resultiert, dass wir eine relativ hohe Anzahl an Scheidungen haben. Ich denke, dass sich Menschen nicht aussuchen, in Patchwork-Familien zu leben. Das entwickelt sich. Der Anteil von Patchworkfamilien ist in den letzten Jahren gestiegen und die Statistik und das Ministerium gehen davon aus, dass er auch weiterhin ansteigen wird. Das geht auch aus den statistischen Daten in der Antwort auf unsere Kleine Anfrage hervor.

Brauchen wir vor diesem Hintergrund eine Neudefinition der Familie?

Ich bin der Meinung, dass jeder für sich selbst definieren muss, was für ihn oder sie Familie ist. Die Politik braucht jedoch eine Neudefinition von Familie, an der sie ihr Handeln und die Gesetzgebung ausrichtet. Ich habe durchaus den Eindruck, dass es in der Politik eine Tendenz gibt, die Vielfalt von Familienformen stärker wahrzunehmen. Das merkt man in vielen Reden, die die Kolleginnen und Kollegen im Bundestag halten. Es gibt aber leider nach wie vor viele Bereiche, die sich sehr stark an einem bestimmten Familienbild ausrichten – an dem verheirateten Elternpaar mit Kind. Das ist insbesondere in der Familienförderung und im Steuerrecht so. Dieser Familientyp stellt zwar immer noch den größten Teil dar, aber Familie ist heutzutage eben bunt.

Warum geraten Patchworkfamilien ausgerechnet jetzt so sehr in den Fokus?

Ich glaube, wir befinden uns in einer Phase, in der es ein Umdenken gibt, was den Familienbegriff angeht. Es gibt beispielsweise Umfragen, die ganz eindeutig belegen, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland Patchworkfamilien oder Alleinerziehende ganz klar als Familie ansehen. Das war früher nicht so. Das heißt aber eben leider noch nicht, dass es auch wirklich zum Beispiel im Steuer- oder Sorgerecht Änderungen gibt. Politisch gibt es da also noch einiges zu tun.

In Ihrer Kleinen Anfrage vom 4. September 2014 stellen Sie und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen 20 Fragen zu Patchworkfamilien an die Bundesregierung. Welchen der angesprochenen Problembereiche halten Sie für besonders bedeutend?

Ich finde es beispielsweise sehr wichtig, dass man neue Regelungen schafft, die Kindern auch Rechte an ihren sozialen Eltern geben. Wenn beispielsweise Eltern sich getrennt haben und die Mutter über 10 oder 15 Jahre mit einem neuen Partner zusammenlebt, dann ist dieser Partner der Mutter für das Kind oft unheimlich wichtig. Momentan ist es aber so, dass zwischen diesen beiden Personen, dem Kind und dem neuen Partner, überhaupt kein Rechtsverhältnis besteht. Wenn sich die Mutter nun von dem Mann trennen würde, hätte das Kind kein Anrecht darauf, bspw. weiter in Kontakt mit dieser Person zu sein. Ich fände es einfach wichtig, dass die Bundesregierung es in der Familienpolitik auch mit auf die Entwicklungsagenda nimmt, eine rechtliche Absicherung für solche Beziehungen zu schaffen.

Sollten Patchworkfamilien mehr in den Fokus gerückt werden als das ganz traditionelle Familienmodell?

Ich würde das überhaupt nicht gegeneinanderstellen. Ich finde nur, dass sich die Politik sehr maßgeblich an dem traditionellen Familienbild orientiert. Man sollte den Blick auf die unterschiedlichen Familienmodelle ausweiten und die Patchworkfamilien dadurch in den Fokus rücken. Wenn man diesen Perspektivwechsel etwas stärker hinbekommen würde, fände ich das sehr gut.

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass dadurch die Belange traditioneller Familien in den Hintergrund geraten?

Nein, überhaupt nicht. Die Kinder müssen in den Mittelpunkt, unabhängig davon, in welcher Familienform sie aufwachsen. An ihren Bedürfnissen muss sich die Politik ausrichten. Für sie ist das Aufwachsen in einer Patchworkfamilie ihr ganz normales Leben, ihr, Alltag, ihre Lebensrealität. An eben dieser sollte Politik sich orientieren, um die bestmögliche Unterstützung für die Kinder zu garantieren.

Über Katja Dörner:

Die 38-jährige studierte Politik- und Literaturwissenschaftlerin ist seit 2008 Mitglied des Bundestags. Sie sitzt für die Grünen im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit 2013 ist sie auch stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion. Ihr Mann, mit dem sie seit über 10 Jahren verheiratet ist, ist in einer Patchworkfamilie aufgewachsen.

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Wie kann die Politik Familien besser unterstützen?

Wie wichtig ist Familie für euch? Wie lebt ihr? Mit Mama und Papa, in einer Patchwork-Konstellation, sind Eure Eltern geschieden? Was erlebt ihr, was könnte die Politik für euch tun? Diskutiert darüber im Forum!


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