Inhalt

Pro und Contra
Zusätzliche Überwachungskameras?

04.04.2017 |

Was wiegt schwerer: Datenschutz oder Sicherheit? Jan (21) und Cindy (24) diskutieren über die Gesetzesänderung, die den Weg für mehr Überwachungskameras frei macht.

jan

© privat

Cindy1

© privat

Contra

Cindy, 24: Mehr Polizei statt Massenüberwachung

Private Betreiber beispielsweise von Einkaufszentren oder Stadien sollen helfen, Terroristen und Straftätern das Handwerk zu legen. Eine Ausweitung der Videoüberwachung ist laut Bundestag die optimale Maßnahme hierfür. Aber ist dies tatsächlich der richtige Weg? Ich finde nicht!

Zwar könnte es den Anschein erwecken, dass dank der Videoüberwachung immer jemand da ist, der auf uns aufpasst, aber letztlich landen die Aufnahmen nur auf einem Server und werden im Bedarfsfall ausgewertet. Es sitzt niemand hinter der Kamera, der uns bei einer Straftat zur Hilfe kommen könnte. In Köln konnten die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 trotz vieler Kameras nicht verhindert werden. Die Überwachung trägt nicht zur Vermeidung von Straftaten bei, sondern höchstens zu deren Verfolgung.

Vorauseilender Gehorsam

Gegen Selbstmordattentäter hilft das kaum. Viel mehr könnte die Ausweitung der Videoüberwachung sogar zu einem Anstieg der terroristischen Anschläge führen. Die Täter möchten mit ihren Taten Aufmerksamkeit erregen und die Bilder möglichst weit verbreitet sehen. Für eine Aufzeichnung könnten sie somit noch dankbar sein und sich aus diesem Grund gezielt überwachte Bereiche aussuchen. Auch andere Straftäter schreckt man so nicht ab. Die Kriminalität verschiebt sich lediglich in die Bereiche, die unbewacht sind.

Die Videoüberwachung verändert außerdem unser aller alltägliches Handeln. Wir überlegen uns mehrfach wie wir agieren, um entweder nicht negativ aufzufallen oder aus Angst vor möglichen Folgen. Dies kann zwar hilfreich sein, um auch kleinste "Delikte" zu verhindern, aber letztlich überwiegt für mich der negative Aspekt der Selbstzensur. Natürlich ist es für die Allgemeinheit gut, wenn wir in der U-Bahn nicht mehr unsere Füße auf den Sitz legen, auch am Bahnhof den Müll trennen und keine Aufkleber mehr an Laternen kleben, aber bleiben wir uns so selbst treu? Wir entwickeln uns zu Menschen, die aus Angst alles perfekt machen wollen und vergessen dabei, dass kleine Übertretungen zu der Entwicklung eines jeden Menschen dazugehören.

Schutz ist Aufgabe des Staates

Nicht zuletzt werden unsere Persönlichkeitsrechte stark beschnitten. Wir werden künftig auf vielen unserer Schritte beobachtet. Vielleicht, wenn wir morgens nach einer Party nach Hause schlendern, in Jogginghose zum Bäcker gehen oder uns mit unserer neuen Liebe zum ersten Mal im Kino treffen. Wir geben somit unfreiwillig Dinge preis, die wir sonst für uns behalten hätten oder höchstens mit Menschen teilen, die uns nahe sind – nicht aber mit irgendwelchen Behörden.

Damit wir optimal vor Terroranschlägen und Straftaten geschützt sind, brauchen wir keine Massenüberwachung. Wir brauchen mehr Polizisten, die diese Straftat von vornherein verhindern. Der Schutz der Bevölkerung ist eine Aufgabe des Staates. Diese Aufgabe darf nicht durch die Ausweitung der Videoüberwachung an die private Hand delegiert werden. Das Videoüberwachungsverbesserungsgesetz ist kein Segen für die Prävention von Straftaten, sondern ein Fluch für den Schutz unserer Persönlichkeitsrechte!

Mehr Überwachung durch Videokameras?





Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: