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Die Autorin

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Laura Heyer (25)
macht ein Volontariat bei bundestag.de und dem Parlamentsfernsehen

Schulden
Handy ab 1 Euro

17.03.2017 |

Der Handyvertrag, die Sneakers aus dem Online-Shop oder die Video-Flatrate sind cool - und teuer. Immer mehr Jugendliche landen deswegen in der Schuldenfalle. Das treibt mittlerweile sogar die Kinderkommission des Bundestages um.


Handyverträge, Online-Shopping, schnelles Bezahlen - immer und überall: Die Versuchung ist genau so groß, wie die Gefahr, sich zu verschulden. – © dpa

Der Schock kommt mit dem Kontoauszug: 50 Euro für die letzte Handyrechnung. Und der Monat hat ja noch zwei Wochen, in denen man Geld braucht für den Besuch im Burger-Laden oder im Kino. Denn ob Musik-Stream-Abo oder erster eigener Mietvertrag – das Leben kann ganz schön teuer sein und der Umgang mit dem nötigen Kleingeld schwierig. Fast jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren hat laut einer Studie des Verbandes deutscher Banken von 2015 schon einmal Schulden gemacht, sich also Geld geliehen, um etwas zu bezahlen, weil das eigene Geld nicht gereicht hat.

Handyverträge und Online-Shopping

"Der Grund für Schulden bei Jugendlichen sind meist Handyverträge oder Online-Shopping", erläutert Sabine Prell von der Diakonie Hochfranken, die am 8. März als Expertin zu einem Fachgespräch der Kinderkommission geladen war. Die Kinderkommission (Kiko) ist ein besonderes Gremium im Bundestag, das sich für die Wünsche und Bedürfnisse der Jüngsten einsetzt.

Schuldnerberaterin Prell leitet in Bayern das Projekt "Money Talk". (Lou hat mit ihr übrigens ein ausführliches Interview geführt.) Jugendliche können sich dort beraten lassen, wie man mit dem Taschengeld auskommt, einen Handyvertrag richtig abschließt oder das eigene Girokonto verwaltet. Das Projekt wendet sich aber auch an Eltern und Lehrer, damit diese beim sicheren Umgang mit Geld helfen können.

Handy, Laptops, Sneaker

Der Grund für zu hohe Ausgaben und damit irgendwann für Schulden ist nach Aussagen von Studien vor allem der Kauf von technischen Geräten wie Handys, Spielekonsolen oder Laptops. Auch Klamotten und Schmuck schaffen es auf die vorderen Plätze. Gerade beim Einkaufen im Internet verliert man über die Ausgaben schnell die Kontrolle. Die Möglichkeit, in Raten zu zahlen, lässt große Preise kleiner aussehen, als sie in Wirklichkeit sind.

10 Euro am Tag

Raten, Zinsen oder gar Wertpapiere: Wer eine Ausbildung macht oder schon einen Nebenjob hat, verwaltet seine eigenen Finanzen und kennt sich schon ein bisschen aus. Bis dahin bekommen Jugendliche meist Taschengeld. Laut einer Studie der Comdirect-Bank von 2016 können Jugendliche unter 25 in Deutschland im Schnitt 320 Euro im Monat ausgeben – das sind rund 10 Euro am Tag. Viele vergessen dabei jedoch die sogenannten laufenden Kosten wie den Handyvertrag, das Musik-Abo und die Video-Flatrate, die einmal im Monat abgebucht werden. "Ich habe nicht so richtig Ahnung von Geld", sagt auch eine Schülerin der 9. Klasse des Hans-Corassa-Gymnasiums Spandau, die die Sitzung der Kinderkommission verfolgt: "Das meiste bezahlen meine Eltern."

Sparen oder Konsum?

Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten ist schwierig. Zwar hat, laut einer Studie des Bankenverbandes, die Zahl der Jugendlichen, die schon einmal Schwierigkeiten hatten, Schulden zurückzuzahlen, in den letzten Jahren sogar ein wenig abgenommen. Und 85 Prozent der Jugendlichen sparen ab und zu sogar Geld. Jedoch waren sieben Prozent der "Kunden" von Schuldnerberatungen laut Angaben des Statistischen Bundesamtes Menschen unter 25.
Auch der Unterschied zwischen dem, was man wirklich braucht und dem, was man haben möchte und haben kann, erscheint heute viel größer – alles ist zu jeder Zeit verfügbar. Auf der anderen Seite steht der Druck im Freundeskreis oder im eigenen Umfeld. Man möchte schließlich nicht nur Mitglied in der Klassen-WhatsApp-Gruppe sein, sondern auch mal mit ins Kino gehen können. Und fürs Marketing sind junge Kunden ein gefundenes Fressen: Ein neues Smartphone oder das erste eigene Konto, alles gibt es mit besonderen Konditionen für junge Kunden.

6. Stunde: Geld

Viele Jugendliche interessieren sich zwar für wirtschaftliche Themen, bei inhaltlichen Fragen oder dem Lösen von Finanzaufgaben schneiden sie aber häufig sehr schlecht ab. Daher plädieren auch Experten für eine realistischere Einbindung von Finanzthemen in den Bereich Schule und Alltag. Und auch viele Jugendliche wünschen sich, im Rahmen des Unterrichts mehr über Steuern, Miete oder Versicherungen zu lernen. Seit 2016 ist das Schulfach Wirtschaft in Baden-Württemberg zum Beispiel Pflicht.

Finanzunterricht abseits des Schulhofs

"Money Talk" ist eine von zahlreichen staatlichen Initiativen, die Jugendliche zu aufmerksamen Verbrauchern machen soll. Auch viele private Verbände oder Banken bieten Informationen oder Planspiele an, bei denen man den Umgang mit Geld lernen kann. Das kann jedoch ein Problem sein, wenn dabei bestimmte Themen oder Inhalte mehr gefördert werden als andere. Viele Planspiele von Banken beschäftigen sich beispielsweise mit dem Kaufen und Verkaufen von Aktien – mit den wirklichen finanziellen Sorgen von Jugendlichen hat das wenig zu tun.

Schulden sind ein Tabu

"Schulden sind heute gesellschaftlich akzeptiert", erklärte die Expertin in der Kiko. Gerade deshalb werden sie oft verschwiegen. "Gespräche über Geld sind ein Tabu-Thema zu Hause." Das zeigt auch die Studie: Wenn Jugendliche sich Geld leihen, kommt das Geld von Freunden oder von der Bank – die Eltern kommen nur auf Platz drei, wenn es um Geld geht, gleichauf mit Händlern. Wichtig ist, mit Eltern und Jugendlichen Finanzfragen gemeinsam zu klären. Das Projekt der Diakonie Hochfranken geht dazu in Schulen, Kirchengemeinden und auch Kindergärten. Mit Geld umzugehen und den Wert von dem zu lernen, was man zur Verfügung hat, kann man üben. Zusammen mit den Eltern im Online-Shop zu bestellen und auch das Taschengeld können dabei helfen.

Eigenes Girokonto

Viele Jugendliche, wie auch die meisten jungen Besucher in der Kiko, besitzen ein eigenes Girokonto. Einige Banken bieten ein Konto extra für Minderjährige an. Damit soll man alle Möglichkeiten eines Kontos nutzen können, so auch das Online-Banking oder die EC-Karte. Ein großes Problem ist dabei aber der sogenannte Dispositionskredit: Auch wenn auf dem Konto eigentlich kein Guthaben mehr zur Verfügung steht, kann man damit sein Konto überziehen. Das kostet jedoch. Für Minderjährige ist das zwar verboten, sobald man volljährig ist, kann man aber ganz schnell knietief in den Dispo einsteigen. Jeder sollte also schon früh lernen, dass Geld nicht einfach so aus dem Automaten kommt.

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