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Die Autorin

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Lou Antoinette Godvliet (18)
Psychologiestudentin aus Wuppertal

Soziale Berufe
Zu wenige Interessenten

02.12.2016 |

Erzieher, Bewährungshelfer, Betreuer: In diesen Jobs wird Nachwuchs gesucht. Experten diskutierten im Bundestag, was Berufe in der "Sozialen Arbeit" attraktiver machen kann. Mehr Geld ist dabei nur ein Ansatz.

Sozialarbeiterin spielt Memorie mit einer Sozialarbeiterin

Durch die Zuwanderung im letzten Jahr sind viele neue Stellen für Sozialarbeiter entstanden, wie hier in einer Flüchtlingsunterkunft in Hannover. – © picture alliance/ dpa

Wer hilft Ex-Häftlingen oder unterstützt Senioren und Obdachlose mit Tatendrang? Sozialarbeiter findet man in unzähligen Bereichen und es werden stets mehr gesucht, nicht zuletzt durch die hohe Migration, die zahlreiche Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen hat. Experten forderten nun in einem Fachgespräch der Kinderkommission am 19. Oktober im Bundestag eine Verbesserung der Aubildungs- und Gehaltslage, damit sich mehr Menschen für einen sozialpädagogischen Beruf entscheiden. Die Kinderkommission ist ein Sondergremium im Bundestag, das sich für die Belange von Kindern und Jugendlichen stark macht.

Zu wenig finanzielle Würdigung

Ob in der Jugend- und Familienhilfe, der Schuldnerberatung, der Heilerziehungspflege oder in Justizvollzugsanstalten: Überall dort, wo Menschen Probleme haben, kommen Sozialarbeiter zum Einsatz.

Zwischen 2.400 und 2.700 Euro brutto im Monat verdienten Angestellte in sozialen Berufen 2014 durchschnittlich (Statistisches Bundesamt). Am wenigsten verdienen Sozialarbeiter in weiterführenden Schulen und Kindergärten mit circa 2.400 bis 2.750 Euro monatlich. Sozialarbeiter in Gewerkschaften, Parteien oder Wirtschaftsverbänden verdienen knapp 3000 Euro und an der Spitze stehen Sozialarbeiter in der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung mit circa 3250 Euro.

Löhne nach Verhandlungen angehoben

Mehr als eine Million Menschen sind laut Gewerkschaft GEW in Deutschland in Sozial- und Erziehungsberufen angestellt. Viele Sozialarbeiter arbeiten in Stellen, die über den Bund oder die Kommune finanziert sind. Dementsprechend wird deren Gehalt auch nach den Maßgaben des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes (TvöD) errechnet. Nach Tarifverhandlungen vor einigen Monaten wurden die Löhne dort im Schnitt um zwei bis vier Prozent angehoben.

Allerdings würden Stellen eingespart und häufig seien Mitarbeiter krank, sodass Kollegen nicht selten mehrere Stellen übernehmen müssten. Das führe zu Überforderung, kritisiert der Bundesvorsitzende des Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) Michael Leinenbach im Fachgespräch der Kinderkommission (Kiko).

Mitarbeiter überlastet

Hannes Wolf, Vorsitzender im Berliner Landesverband des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit e.V. gab zu Bedenken, dass nur 15 Prozent der 830 Stellen für Sozialpädagogen in Berlin aktuell besetzt seien. Er forderte deshalb eine weitere finanzielle Aufwertung dieses Berufsfeldes, sodass mehr potentielle Arbeitnehmer diesen Weg einschlagen wollen. Er kritisierte außerdem ebenfalls die hohe Auslastung der Mitarbeiter. Jede Fachkraft hätte etwa 80 bis 120 Fälle zu bearbeiten. Das sei viel zu viel, sagte Wolf.

Einheit zwischen Bund und Ländern

Wie attraktivere Arbeitsbedingungen aussehen könnten, erklärte Norbert Hocke, Mitglied des Hauptvorstandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Befristete Arbeitsverträge und Teilzeitstellen seien für viele junge Menschen eher unattraktiv und schreckten deshalb eher ab statt zu motivieren. Stellenangebote und Ausbildungen sollten sich außerdem auch an Menschen richten, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind.

"Fast 90 Prozent der Beschäftigten sind davon überzeugt, dass ihre Arbeit sinnvoll ist", sagte Bodo Köhmstedt von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, "das sollten diese Menschen auch spüren".

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