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Die Autorin

Hannah Hofer 68x68

Hannah Hofer (18)
absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Neuroorthopädie

Sportwettbetrug
Fair gewonnen oder manipuliert?

07.10.2016 |

In Wettbüros und Online kann man auf Ergebnisse von Sportwettkämpfen wetten. Doch der Ausgang hängt nicht immer nur vom Können ab, manchmal wird auch bestochen. Ein Gesetzentwurf soll Sportwettbetrug und Spielmanipulation strenger ahnden.

Sportwettschein

Der Bund hat 2011 266 Millionen Euro Steuern an Sportwetten verdient. – © picture alliance/ dpa

Stellen wir uns vor, es ist die 89. Minute eines Fußballspiels, es steht 0:0. Plötzlich ist der Ball im Strafraum deiner Lieblingsmannschaft und es gibt Freistoß für den Gegner. Der schießt ein Tor. 1:0, dein Team verliert. Aber war der Freistoß gerechtfertigt? Du hast da so deine Zweifel. Hier ging es nicht mit rechten Dingen zu. Der Euro, um den du mit einem Freund auf den Sieg deines Teams gewettet hast, ist futsch.

4,5 Milliarden Euro

Offizielle Sportwetten sind gewinnreicher und wirtschaftlich bedeutender. Nach einem Statement des Deutschen Sportwettverbands (DSWV) lag der Wettumsatz in Deutschland im Jahr 2014 bei 4,5 Milliarden Euro. Der Bund erhielt durch Sportwetten demnach Steuereinnahmen von rund 226 Millionen Euro.

Eine so gewinnreiche Branche ist anfällig für Manipulation und Betrug. Damit Sportwettbetrug stärker eingedämmt werden kann, plant die Regierung ein Gesetz, das die strafrechtliche Verfolgung erleichtern und derzeitige Gesetzeslücken schließen soll.

Millionenumsätze für Betrüger

Laut Europol, dem europäischen Polizeiamt, wurden von 2011 bis 2013, etwa 380 Fußballspiele manipuliert. Darunter auch Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft. Durch die manipulierten Spiele generierten Wettbetrüger mehr als acht Millionen Euro Wettprofit. Über zwei Millionen Euro Bestechungsgelder wurden dafür an Spieler, Trainer und Schiedsrichter ausgezahlt. Europol geht selbst davon aus, dass es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Die Dunkelziffer ist hoch.

Wettbetrug im Profisport funktioniert meist so: Spielakteure, zum Beispiel Spieler oder Schiedsrichter, werden bestochen, um einen bestimmten Ausgang des Spiels herbeizuführen. Auf genau dieses Spielergebnis werden zuvor hohe Wettsummen gesetzt. Der bestochene Schiedsrichter vergibt zum Beispiel einen ungerechtfertigten Freistoß, der dem begünstigten Team zum Sieg verhilft. Dadurch wird das zuvor gewettete Spielergebnis erzielt. Der Wettende gewinnt sein Geld und Bestochene profitiert von der Bestechungssumme. Es geht nicht mehr um die sportliche Bestleistung aller Beteiligten, sondern um Kohle.

Die Fälle Hoyzer und Sapina

Einer der bekanntesten Fälle ist der des deutschen Schiedsrichters Robert Hoyzer und des Sportzockers Ante Sapina. Sapina bestach den Schiedsrichter Hoyzer unter anderem im August 2004, um den Ausgang des Spiels Hamburger SV gegen SC Paderborn seiner Wette entsprechend zu beeinflussen. Hoyzer fällte zwei unrechtmäßige Entscheidungen zu Gunsten Paderborns. Der Hamburger SV unterlag mit 2:4 gegen Paderborn und Sapina gewann seine Wette.

Dieses Spiel ist nur ein Beispiel für zahlreiche, die durch Sapina mit Hoyzers Hilfe manipuliert wurden. Insgesamt konnte Sapina durch gewonnenen Wetten über zwei Millionen Euro Gewinn verbuchen. 2005 wurde der Betrug aufgedeckt und sowohl Hoyzer als auch Sapina wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Bisher schwer verfolgbar

Der Fall Hoyzer/Sapina ist einer der Wenigen, die aufgedeckt und strafrechtlich verfolgt wurden. Derzeit können Spielmanipulation und Sportwettbetrug in Deutschland nur bestraft werden, wenn ausreichend nachgewiesen werden kann, dass sogenannte Vermögensinteressen geschädigt wurden. Zudem können Bestochene bisher nicht als Täter sondern nur als Tathelfer bestraft werden, weshalb die Strafe oft geringer ausfällt. In der Praxis erschwert das die Verfolgung und Verurteilung von allen Beteiligten des Betrugs.

Der neue Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass Spielmanipulation im Profisport mit, aber auch ohne, Wetthintergrund strafbar ist. Dies solle die Verfolgung von Tätern erleichtern. Sport habe eine große "gesellschaftliche Relevanz", die es aufgrund seiner Vorbildfunktion für Fairness zu schützen gilt, heißt es in dem Entwurf. Insbesondere Spielmanipulation widerspreche dieser Fairness und der Sport würde dadurch an gesellschaftlichem Ansehen verlieren.

Zum anderen solle das Gesetz auch dem Schutz der Wirtschaftskraft des Sports dienen. Jährlich werden im Profisport Milliardenbeträge umgesetzt. Wer hier manipuliert, gewinnt hoch und schadet anderen stark. Das Gesetz gebe Werkzeuge an die Justiz, um Sportwettbetrug und Spielmanipulation besser verfolgen zu können, heißt es im Entwurfstext.

Was die Experten sagen

Im Bundestag waren am 29. September Sachverständige zu einer Anhörung zu dem Gesetzentwurf geladen. Sie waren geteilter Meinung. Wie die Regierung betonte auch Professor Martin Nolte von der Sporthochschule Köln die gesellschaftliche Relevanz des Sports: "Sportwettbetrügereien sowie Manipulationen von Sportwettbewerben gehören derzeit zu den größten Herausforderungen des organisierten Sports. Beides gefährdet die Integrität von Sportwettbewerben und bedroht die Glaubwürdigkeit und Anerkennung des gesamten Sports in Staat und Gesellschaft."

Ralf Krack, Professor für Strafsrecht an der Universität Osnabrück, ist der Gesetzesentwurf allerdings zu unpräzise. Er fand, dass die "Integrität des Sports" (Glaubwürdigkeit) nicht ausreiche, um sie strafrechtlich zu schützen. Zudem betonte er, dass in Anbetracht der Überlastung der Staatsanwaltschaften die Etablierung eines Sportgesetzes eher ein "Luxus" zu nennen sei.

Vorbeugen wichtig

Trotzdem hielten fast alle Sachverständigen eine Regulierung der Sportmanipulation für notwendig. Adrian Fiedler von Transparency International Deutschland war der Meinung, dass man dafür jedoch besondere Maßnahmen zur Prävention schaffen sollte. Die strafrechtliche Verfolgung sollte deshalb nicht überhand in der Betrachtung nehmen.

Henning Sauer, Richter am Amtsgericht Güstrow, begrüßt den Gesetzesentwurf dagegen "fast uneingeschränkt". Er führte lediglich an, dass insbesondere bei Korruptionsschäden in Millionenhöhe ein Höchststrafe von zehn, statt drei bis fünf Jahren, angesetzt werden sollte.

So könnten bald Betrüger wie Hoyzer und Sapina weit länger ins Gefängnis kommen und Fans, die sich über ein Spielergebnis wundern, eher Gewissheit haben, ob im Match ihres Lieblingsvereins manipuliert wurde oder eben nicht.

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Kommentare

 

mukl schrieb am 12.10.2016 11:41

Gut recherchiert und den alten Fall Hoyzer sauber dargestellt. Gefaellt mir.

 

 

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