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Die Autorin

Felicitas Junginger

Felicitas Junginger (20)
studiert Modejournalismus und Medienkommunikation

Repair-Café
Zweite Chance für Handy und Co.

27.06.2016 |

Im Berliner Repair-Café bekommen Handy, Kaffeemaschine und Keyboard ein neues Leben. Elisa und ihre Kollegen helfen, kaputte Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Felicitas hat die Gründerin in ihrer Garage getroffen.

Eine Frau mit Kaffeetasse unterhält sich.

Das Repair-Café hat Elisa (links) gegründet. Jeden ersten Montag des Monats lädt sie in ihre Garage. – © Michael Kuchinke-Hofer

Zwei Männer schrauben gemeinsam in der Werkstatt.

Von Omas Radio bis zum neuesten Smartphone wird hier an allem getüftelt. – © Michael Kuchinke-Hofer

Zwei Frauen sitzen am Tisch und unterhalten sich.

Elisa (links) erzählt Felicitas von ihrer Vision. Inzwischen gibt es ein zweites Repair Café in Berlin. – © Michael Kuchinke-Hofer

Männer sitzen an einem Malertisch und basteln an alten Geräten.

Wer nicht weiter weiß, bekommt fachmännische Unterstützung. – © Michael Kuchinke-Hofer

Zwei Männer tüfterln an einem Keyboard.

Da steckt Musik drin: Beim Repair-Café bekommt auch das alte Keyboard eine zweite Chance. – © Michael Kuchinke-Hofer

Leise Gitarrenmelodien erklingen im Innenhof des Repair Cafés im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Eine handvoll Leute sitzen an einem schattigen Tisch und werkeln. Auf dem Tisch liegen alle möglichen Materialien. Ein Mann stimmt seine Gitarre und spielt ein paar Akkorde.

Motto: Nicht neu kaufen

Zum Repair Café in der Alexandrinenstraße können Menschen mit ihren kaputten elektronischen Geräten kommen und bekommen von Ehrenamtlichen Hilfe beim Reparieren. Nicht wegschmeißen und neu kaufen, sondern wiederverwerten, ist hier das Motto.

Die Räumlichkeiten sehen anders aus, als andere Berliner Cafés: Keine riesige Kaffeemaschine, keine gleichaussehenden Bänke und Tische und keine Mitarbeiter in Uniformen und Schürzen. Ganz im Gegenteil: Die ausgeräumte Garage wurde zu einer Werkstatt umgebaut. Links eine kleine Sitzecke mit einem Tisch, auf dem sich eine Kaffeekanne, Wasser und geschnittene Honigmelone befinden. Rechts sieht man Maschinen, Baumaterial und Werkzeug bis zur Decke gestapelt in den Regalen. An den Wänden hängen kleine, selbstgebaute Kunstwerke. Tische und Stühle aus Strohhalmen zusammen geflochten und Fotos der gebastelten Projekte.

Zu schade zum Wegschmeißen

Seit 2013 lädt Elisa Garrote Gasch immer am ersten Montag des Monats in ihr Atelier in der Alexandrinenstraße ein. Gemeinsam tüftelt die bildende Künstlerin mit ehrenamtlichen Technikern an Dingen, die zu schade sind, um sie einfach wegzuschmeißen. Sie hat in Valencia studiert und dann in Berlin ihr Studium abgeschlossen. Irgendwann, sagt sie, sei sie dann bei "Kunststoffe", einem Zentrum für wiederverwertbare Materialien gelandet, wo sie drei Jahre ehrenamtlich gearbeitet hat.

Gerade werkelt die bildende Künstlerin mit einer Dame an einer Kaffeemaschine, die mal 250 Euro gekostet hat. Wieso wegschmeißen anstatt einfach zu reparieren und dabei noch etwas zum Thema Nachhaltigkeit dazu lernen? Das steht nämlich hinter dem Konzept von Elisa. Sie möchte die Gesellschaft und vor allem Jugendliche dazu anregen, nicht alles direkt neu zu kaufen. "Es ist wichtig, an junge Leute zu appellieren. Sie wollen cool sein und immer alles neu haben. Sie haben nicht viel Geld, aber geben alles aus", sagt sie. Deshalb kam ihr die Idee, alternative Nutzungswege anzubieten.

Hilfe zum Reparieren

Ein Café zu eröffnen, war zunächst eigentlich gar nicht Elisas Plan. Sie plante einen offenen Repair Treff, der nur ein Mal im Jahr zu Weihnachten stattfinden sollte. Doch die Leute und vor allem die Journalisten waren so begeistert, dass sie sich dazu entschloss, ein eigenes Repair Café zu eröffnen. Die Idee zum Konzept kam allerdings eher zufällig: "Eine Freundin von mir erzählte mir von einem Repair Café aus Köln", da wollte sie das auch in Berlin versuchen.

Ganz wichtig dabei ist: der Spaß an der Sache. Die Helfer sind alles gelernte Techniker oder auch fertige Handwerksstudenten, welche nach Praxisarbeit suchen. Auch für sie ist es eine Möglichkeit, ihr Hobby auszuleben und gleichzeitig Wissen weiterzugeben. Geld bekommen sie für ihre Arbeit nicht. "Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben", erklärt Elisa.

Überlaufen: Anmelden bitte!

Momentan sind ungefähr zehn bis zwölf Techniker im Café tätig. Da die Räumlichkeiten ziemlich klein sind, läuft das Repair Café jetzt nur noch über eine Anmeldung. Die bildende Künstlerin hat sogar in Wedding schon das zweite Repair Café eröffnet. Dort kann man auch ohne eine Anmeldung mit seinen Schätzen vorbei schauen. Im Durchschnitt sind meist 15 Leute angemeldet. Immer einige davon mit Smartphones.

Sachen einfach immer wieder neu zu kaufen, hat Elisa irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Sie möchte den Menschen nahelegen, so viele Dinge wie möglich weiter zu nutzen. Manche Leute kommen mit Dingen, die schlecht gebaut sind oder aus viel Plastik bestehen, da könne man oft nichts machen. "Alte Geräte sind gut zu reparieren. Sie sind grober gebaut und nicht so zerbrechlich", findet Elisa.

Schulen ansprechen

Anfangs waren mehr ältere Menschen zu Gast im Café, doch seit der Anmeldepflicht seien diese etwas zurückhaltend. "Manchmal haben sie keine Lust, es selbst zu reparieren, aber darum geht es hier ja", erklärt Elisa. In Zukunft wollen Elisa und Co. mit Schulen kooperieren und mehr Jugendliche direkt ansprechen. Sie sagt: "Wir haben viele solcher Ideen. Doch häufig fehlt einfach die Zeit dafür."

Weitere Beiträge zu: Repair-Café, Konsum, Berlin, Werkstatt.

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