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Constantin Germann 68x68

Constantin Germann (16)
ist Schüler

Zivile Drohnen
Führerschein für Hobby-Piloten

21.02.2017 |

In Deutschland herrscht ein wahrer Drohnen-Boom. Im "unbemannten Flugbetrieb" soll es neue Regeln geben. Was auf Drohnen-Piloten in nächster Zeit zukommt, hat euch Constantin zusammengestellt.

Drohnenpilot

Dieser Multikopter dürfte in Zukunft knapp plakettenpflichtig sein. Multikopter sind Luftfahrzeuge mit mehreren Rotoren. – © dpa

Samstag, 29. Januar 2017: Der Münchner Merkur meldet, dass eine Drohne gegen Mittag mit einem Fahrzeug auf der Autobahn nahe München kollidiert sei. Der Pilot habe sich kurze Zeit später bei der Polizei gemeldet, ihm sei die Drohne außer Kontrolle geraten. Man gehe von einem technischen Defekt aus. Die Fahrerin des Fahrzeugs auf der Autobahn sei unverletzt geblieben. Nur ihr Auto sei an der Stoßstange beschädigt.

Laut Medienberichten handelte es sich bei der Unglücksdrohne um eine DJI Phantom III. Ich selbst besitze die gleiche Drohne. Vor gut einem halben Jahr stürzte mir meine Drohne über einem Maisfeld aus 30 Metern Höhe ab. Laut Fehlerdiagnose des Herstellers hatte ich die Drohne in der Luft ausgeschaltet. Nach dem Absturz war das Ding Schrott. Sonst ist zum Glück nichts passiert.

Was ist eine Drohne?

Da solche Unfälle kein Einzelfall sind, stellte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am 18. Januar seine von der Bundesregierung im Kabinett beschlossene "Verordnung zur Regelung des Betriebes von unbemannten Fluggeräten" vor. Mit "Drohne" werden umgangssprachlich sogenannte Multikopter bezeichnet, die gerade so beliebt sind. Dies sind unbemannte Fluggeräte mit mehreren Rotoren, die auch mit Kameras ausgerüstet sein können. Ihren Ursprung und ihre größte Entwicklung hat die Drohne allerdings im kriegstechnischen Einsatz.

Entwicklung im Krieg

Die erste "Drohne" stieg im Jahre 1783 in die Luft, es handelte sich um einen unbemannten Heißluftballon der französischen Gebrüder Montgolfier. Es folgten Wetterballone zur Klimaforschung und schon um 1930 erste funkferngesteuerte Drohnen als Zielobjekte zur Ausbildung von Flugabwehr-Schützen. Die Entwicklung schritt rapide voran und 1961 wurden auch bei der Bundeswehr Drohnen so verwendet, wie sie heute noch vielfach vom Militär genutzt werden: zum Aufklären unbegehbarer Gebiete. Einsätze zu kriegstechnischen Zwecken häufen sich in den letzten Jahren. Aktuell werden amerikanische Drohnenangriffe in Afghanistan, Irak oder Syrien diskutiert.

400.000 Drohnen am deutschen Himmel

Auch wenn man den Begriff "Drohne" oft mit dem Militär verbindet, entwickelt sich seit einigen Jahren ein neuer Markt für die Fluggeräte: das Freizeitsegment. Immer mehr Hobbyflieger schaffen sich eine Drohne an. Minister Dobrindt spricht von 400.000 Drohnen deutschlandweit und einem wahren Boom. Es gibt zwar bereits diverse Regeln für "unbemannte Luftfahrzeuge" in unterschiedlichen Gesetzen, doch soll jetzt nachgebessert werden. Daher hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Januar in der Regierungsbefragung im Bundestag die Verordnung vorgestellt.

Kennzeichen für Drohnen

Demnach soll demnächst für unbemannte Luftfahrzeuge, die mehr als 250 Gramm wiegen, eine Kennzeichnungspflicht durch eine Plakette bestehen. Die Plakette soll auf dem Fluggerät kleben, muss feuerfest sein und den Namen und die Adresse des Eigentümers beinhalten. Der Preis einer solchen Plakette soll wohl um die 10 bis 15 Euro betragen. Die Drohne, die ich mir nach dem Absturz zugelegt habe, hat ein Gewicht von 1,2 Kilogramm. Ich werde mir also auch eine solche Plakette kaufen müssen.

Führerschein für Drohnen

Wer ein unbemanntes Luftfahrzeug über zwei Kilo Abfluggewicht fliegen möchte, der muss demnächst einen Kenntnisnachweis erbringen, sprich: einen Drohnenführerschein und mindestens 16 Jahre alt sein. Für die Erteilung dieses Führerscheins soll das Luftfahrtbundesamt zuständig sein. Wie sich die Ausbildung zum Drohnenpiloten gestalten wird, ist noch nicht klar. Das wurde bei der Befragung im Bundestag deutlich und von einigen Abgeordneten auch kritisiert.

Restricted Area

Wer auf YouTube einmal nach "Drohnen Fails" sucht, der findet einige Videos, in denen Drohnen über Privatgrundstücke fliegen und die Eigentümer der Grundstücke versuchen die Drohnen vom Himmel zu holen. Auch meine Drohne war schonmal im Visier eines Luftgewehrs, als ich mit ihr, ohne es zu merken, über ein Grundstück geflogen bin. Da durch unbemannte Luftfahrzeuge die Privatsphäre gestört werden kann, dürfen sie laut der Verordnung nicht mehr ohne die Einwilligung des Eigentümers über dessen Privatgrundstück fliegen.

Aus Sicherheitsgründen sollen Drohnen auch nicht mehr über Naturschutzgebiete, Gefängnisse, Veranstaltungen mit vielen Menschen, Bundesstraßen oder Autobahnen fliegen dürfen. Damit darf ein Freizeitpilot "nur" noch über nicht naturgeschützten Wiesen, Wälder und Felder fliegen. Für jemanden wie mich, der gerne mit der Drohne Landschaftsaufnahmen macht, ist es schade, dass Naturschutzgebiete auch zur Sperrzone werden, denn dort lassen sich oft die schönsten Aufnahmen einfangen.

Damit ein Pilot, wie im Münchner Fall, seine Drohne nicht aus den Augen verliert, ist die erlaubte Flugweite übrigens schon derzeit begrenzt: Man muss die Drohne jederzeit noch mit bloßem Auge sehen können, sie soll auf keinen Fall höher als 100 Meter fliegen, es sei denn auf einem speziellen Fluggelände mit Aufstiegserlaubnis.

Grandiose Blickwinkel

Wer eine Drohne steuert, fühlt sich, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wie ein Pilot, der selber in seiner "Maschine" sitzt. Ich erhalte immer wieder großartige Blickwinkel auf Landschaften und erlange ein Gefühl von Freiheit, als würde ich selbst durch die Luft schweben. Mit dieser Faszination und der zunehmenden Verbreitung wachse aber eben laut Dobrindt auch die Gefahr von "Zwischenfällen", also Abstürzen und Unfällen. Weil auch viele Drohnen mit Kameras ausgestattet seien, dienten die geplanten Vorschriften neben der Sicherheit auch einem besseren Schutz der Privatsphäre, so Dobrindt.

SPD: "Ausgewogener Vorschlag"

Der SPD-Verkehrspolitiker Gustav Herzog lobte die geplante Verordnung. Diese sei ein "ausgewogener Vorschlag", der Fragen von Sicherheit und Schutz in Einklang bringe mit gewerblichen Interessen. Herzog wollte wissen, ob es für gewerbliche Nutzung möglich sei, die maximale Flughöhe von 100 Metern zu überschreiten. "Der Einsatz von Drohnen etwa im Bereich des Weinbaus oder bei Vermessungsarbeiten wäre sonst nicht möglich", so der Einwand des Sozialdemokraten.

Dobrindt bestätigte diese Einschätzung. Die Vorschrift stehe jedoch Geschäftsmodellen, die auf einer Nutzung von Drohnen oberhalb von 100 Metern basierten, nicht im Weg: "Gewerbliche Nutzern soll eine Erlaubnis erteilt werden."

Register für Drohnen?

Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, wollte einerseits erfahren, warum die Bundesregierung in ihrer geplanten Verordnung auf eine Schaffung eines Drohnenregisters, ähnlich wie in den USA, verzichte. Andererseits interessierte den Abgeordneten, welche Stellen künftig für den "Drohnenführerschein" zuständig sein sollen.

Dobrindt antwortete, Details würden von den zuständigen Behörden der Länder und des Bundes "gemeinsam abgestimmt und umgesetzt". Über die Frage der Einrichtung eines Drohnenregisters sei ausgiebig diskutiert worden, gab der Minister zu. Die Bundesregierung habe sich aber vorerst dagegen entschieden.

"Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass die Verordnung diesbezüglich noch einmal verändert wird", sagte Dobrindt. Europäische Regeln zur Nutzung von Drohnen stünden noch aus – auch auf EU-Ebene werde noch über ein Register gesprochen.

Während übrigens Gesetze vom Parlament beschlossen werden, werden Verordnungen von der Regierung erlassen.

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