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Die Autorin

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Theresa Kruse (21)
studiert Mathe, Deutsch und Physik

Kinderkommission
"Er muss richtig sitzen"

29.10.2014 |

Eine Helmpflicht für radfahrende Jugendliche und Kinder per Gesetz? Für die Kinderkommission des Deutschen Bundestages ein Muss. Theresa hat den Vorsitzenden Eckhard Pols (CDU/CSU) gefragt, warum es sie dennoch nicht gibt.

Ein Mann mit Fahrradhelm und Fahrrad

Nie ohne Helm aus dem Haus: Das gilt beim Radfahren für den Kiko-Vorsitzenden Eckhard Pols (CSU/CSU) genauso wie für seine Kinder. – © Büro Pols

Müssen Ihre fünf Kinder einen Helm tragen?

Meine Kinder steigen nicht ohne Helm aufs Rad.

Tragen Sie selbst einen Helm?

Als Vater trage ich natürlich einen. Ich leiste damit auch einen Beitrag für meine eigene Sicherheit.

Die Kinderkommission spricht sich klar für eine Helmpflicht aus. Warum?

Trotz aller Gegenargumente und Diskussionen denke ich, dass sich eine Helmpflicht positiv auswirken wird. Kinder bewegen sich anders als Erwachsene. Sie reagieren schreckhafter, wenn plötzlich ein Auto hinter ihnen ist, und sind damit leichter Gefahren ausgesetzt. Eine Helmpflicht würde hier helfen.

Die Forderung ist nicht neu, sondern wurde schon 2008 gestellt. Wieso dauert das mit der Umsetzung so lange?

Die Kinderkommission muss immer einstimmig entscheiden und gerade bei der Helmpflicht gibt es viele Bedenken. Untersuchungen aus dem Ausland zeigen beispielsweise, dass ein Helm die Verletzungsgefahr nicht verringert. Wenn er nicht richtig sitzt, können noch schwerere Verletzungen auftreten. Oder es gibt mit Helmpflicht weniger Fahrradfahrer. Bei Erwachsenen ist das jedoch anders als bei Kindern.

Welche langfristigen Auswirkungen erhoffen Sie sich von einer Helmpflicht?

Die Kinder sollen sich sicher fühlen und es soll weniger Verletzungen im Kopfbereich geben. Und ein Kind, das mit sechs oder sieben Jahren anfängt, einen Helm zu tragen, wird das auch als Erwachsener weitermachen. Wenn sie frühzeitig lernen, dass das ohne Drücken und Ziehen geht, werden sie ihn auch weiterhin aufsetzen. Doch bestimmt wird es auch immer Leute geben, die sich nicht daran halten.

In Australien hat die Helmpflicht vor allem bei den zehn- bis 16-jährigen Mädchen dazu geführt, dass sie weniger Fahrrad fahren. Wie würden Sie das in Deutschland verhindern?

Natürlich gibt es da vor allem bei Mädchen optische Gründe. Sie fühlen sich beengt oder haben Angst um ihre Frisur, weil sie an dem Tag noch etwas anderes vorhaben. Doch die Leute sind in Deutschland anders gestrickt als in Übersee. Wenn alle einen Helm tragen und wir auf die Verletzungsgefahr hinweisen, gibt es da keine Probleme.

Wer wäre mit einer Helmpflicht denn Schuld, wenn ein Kind alleine ohne Helm unterwegs ist und von der Polizei aufgegriffen wird?

Die Kontrolle ist natürlich schwierig. In so einer Situation soll vor allem Aufklärung erfolgen und freundlich auf die Helmpflicht hingewiesen werden. Das bringt mehr als eine Strafe. Wenn die Eltern dabei sind, gibt es auch eine Ermahnung und, wenn es häufiger vorkommt, vielleicht ein Bußgeld.

Wird mit einer Helmpflicht nicht in das Erziehungsrecht der Eltern eingegriffen?

Das glaube ich nicht. Jeder 16-jährige Rollerfahrer muss ja auch einen Helm tragen.

Erhöht ein Helm nicht gerade bei Kindern die Bereitschaft für riskanteres Fahren?

Nein. Man kann sich beim Fahrradfahren ja nicht nur am Kopf, sondern auch an den Beinen verletzen.

Und wieso soll die Helmpflicht nur für Kinder, nicht aber für Senioren gelten?

Viele 75- und 85-Jährige sind genauso fit wie 35- bis 45-Jährige. Kinder hingegen sind schutzbefohlen. Das heißt, als Vater eines Kindes bin ich für seine Sicherheit verantwortlich. Mit einem gut und richtig sitzenden Helm kann ich ihm da einen gewissen Schutz geben.

Müsste dann nicht auch eine Helmpflicht auf Rollerskates oder Inlinern gelten?

Rollerskates und Inliner sind Spielgeräte. Damit darf man sowieso nur auf dem Fußweg fahren und muss dort entsprechend Rücksicht nehmen und sich anpassen.

Wie kann Fahrradfahren für Kinder – außer mit dem Helm – noch sicherer werden?

Eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Autos auf 30 km/h an Radstrecken hilft beispielsweise. Und es gibt ja auch immer wieder die Diskussion, ob Radwege auf der Straße oder separat verlaufen sollen. Es gibt Untersuchungen, wonach die Fahrt auf der Straße sicherer ist, weil die Fahrradfahrer an Kreuzungen besser gesehen werden, wenn keine parkenden Autos dazwischen stehen. Kinder dürfen erst ab acht oder neun Jahren auf der Straße fahren. Davor halte ich den Fußweg für sicherer – das ist ja auch gesetzlich so festgelegt.

Wobei nicht immer nur Autos, sondern auch ein Stein auf der Straße oder ein Kantstein Schuld an einem Unfall sein können. Da müssen wir Aufklärung in den Schulen betreiben und mit den Fahrradverbänden zusammen arbeiten, wobei der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ja leider auch nicht ganz von der Helmpflicht überzeugt ist.

Über Eckhard Pols:

Eckhard Pols, geboren 1962, ist seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied der Jungen Union, mit 18 ist er in die CDU eingetreten. Eigentlich ist er Glasermeister, doch seit 2009 sitzt er im Deutschen Bundestag und vertritt dort die Interessen aus seinem Wahlkreis Lüneburg und Lüchow-Dannenberg. Er ist unter anderem Vorsitzender der Kinderkommission (Kiko) – und selbst Vater von fünf Kindern.

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