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Pilotprojekte
Auf der "grünen Welle"

12.04.2017 |

Neben dem Ausbau von Radschnellwegen gibt es weitere, zukunftsträchtige Ideen, die das Radfahren besser, schneller und sicherer machen könnten. Greta stellt euch ein paar Pilotprojekte vor.

Eine Fahrradampel leuchtet grün

Alles auf Grün: In manchen Städten sieht so der Weg zu Uni oder Arbeit aus. – © dpa

Gut ausgebaute Radwege sind eine Möglichkeit, den Radverkehr zu fördern. Bundesweit machen sich aber gerade einige Städte daran, den Weg zur Arbeit für Menschen auf zwei Rädern noch attraktiver, flüssiger und vielleicht auch schneller zu gestalten. Dabei spielen Ampeln eine große Rolle.

Es gibt sie nämlich wirklich, die "grüne Welle", die Autofahrer ungebremst durch Städte rollen lässt. Wer ab der ersten grünen Ampel ein bestimmtes Tempo hält, kann anschließend mehrere grüne Ampelphasen nacheinander durchfahren. Das funktioniert natürlich immer nur für eine bestimmte, hoch frequentierte Strecke, vermeidet dort aber Stau – zum Beispiel im Feierabendverkehr.

Die perfekte Welle

Die Fahrer auf den weniger stark beanspruchten Strecken habe das Nachsehen ("rote Welle") – genau wie die Radfahrer. In der Regel sind die Ampeln nämlich auf 40 km/h ausgerichtet. Und da kommen die meisten Radler nicht hinterher. Dabei gibt es gleichermaßen befahrene und zahlreich mit Ampeln versehene Fahrradstrecken. Besonders in den Zentren der Städte werden Fahrradfahrer häufig von roten Ampeln ausgebremst.

Eine "grüne Welle" extra für Radfahrer könnte da Abhilfe schaffen und die Wartezeit an Ampeln für Radler verkürzen, Bremsmanöver gering halten und für ein angenehmeres Fahrradfahren in den Städten sorgen. In den Niederlanden oder Dänemark zum Beispiel, ist das bereits üblich. Und auch in Deutschland interessieren sich Stadtplaner bereits für das Prinzip.

Genau wie bei Autos

Diese "grüne Welle" funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die für Autos: Ausgehend von einer bestimmten, konstant gehaltenen Geschwindigkeit der Fahrradfahrenden werden Ampelfolgen aufeinander abgestimmt. Radelt man also mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 bis 20 Kilometern pro Stunde auf einer ausgewählten Strecke, so wird die Grünphase der Ampel entweder verlängert oder die Ampel schaltet schneller wieder auf grün.

Ampeln werden App-geschaltet

Diese Vorkonditionierung von Ampeln könnte der Fahrradfahrer beispielsweise in Zukunft mithilfe einer App selbst übernehmen. Ein entsprechendes Testprojekt fand im Herbst 2016 in Marburg statt. Ist diese App auf dem Smartphone eines Fahrradfahrers installiert, kann per Global Positioning System (GPS) sowohl die Position, als auch die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung bestimmt werden. Überquert der Radfahrer einen bestimmten sensorischen Auslösepunkt vor einer Ampel, sendet die App den Standort und die Fahrtrichtung an eine Verkehrsrechnerzentrale. Von dort aus wird ein Befehl an ein Ampelsteuerungsgerät gegeben, welches wiederum für eine Ampelschaltung sorgt, die dem Fahrradfahrer eine ungehinderte Weiterfahrt ermöglicht. Fahrradfahrer sollen bevorzugt werden, ohne Autofahrer signifikant zu benachteiligen.

In Kopenhagen, Amsterdam oder Berlin gibt es auch ohne App bereits "grüne Wellen" für Radfahrer. Seit Herbst 2016 ist auch in der Münchner Maxvorstadt ein entsprechender Pilotversuch gestartet. Auf einer schnurgeraden Straße, mit Ampelkreuzungen im Abstand von etwa 200 Metern, ist eine "grüne Welle" in beide Fahrtrichtungen möglich.

Dabei muss die Einrichtung des grünen Radfahrvergnügens strategisch wohl überlegt sein. Inwiefern passt der Verlauf der Straße, die Anordnung der Ampeln und Fußgängerüberwege oder die Fahrtrichtung von Autos, Trams und Bussen? Viele verschiedene Faktoren müssen berücksichtigt werden, damit die "grüne Welle" positive Effekte für die Fahrradfahrenden und keine behindernden Auswirkungen für die anderen Verkehrsteilnehmer hat (linksabbiegende Autos, zum Beispiel).

Rot ist das neue Grün

In manchen Fällen scheinen rote Ampeln besonders überflüssig: Wenn Radfahrer an einer Kreuzung stehen und rechts abbiegen wollen, zum Beispiel. Bei Rot weiterradeln kann bisher mit einer Geldstrafe oder einem Punkt in Flensburg geahndet werden, auch wenn keine Fußgänger in Sicht sind.

Weiterfahren trotz Ampel

Inzwischen wurden übrigens in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden die Verkehrsregeln geändert, um eine grundlose Wartezeit von Radfahrern an roten Ampeln zu umgehen. So wird durch zusätzliche Schilder an geeigneten Kreuzungen, Radfahrern das Weiterfahren bei Rot ermöglicht. Mit entsprechender Beschilderung dürfen rote Ampeln dann wie Stoppschilder behandelt werden. Die Radfahrer müssen zwar stehenbleiben, können aber nach sorgfältiger Beobachtung des Verkehrs, Beachtung der Vorfahrtsregeln und Rücksicht auf Fußgänger entscheiden, ob und wann sie weiterfahren.

In der Schweiz ist im Jahr 2013 ein Pilotprojekt der Stadt Basel gestartet. An drei Ampelkreuzungen wurde das Rechtsabbiegen trotz rotem Ampelsignal für Fahrradfahrer erlaubt. Der Pilotversuch wurde aufgrund von positiven Erfahrungen auf neun weitere Ampelanlagen erweitert und bis Ende 2016 verlängert. Im Anschluss an das Pilotprojekt ist nun eine Ausweitung der Regelung auf ausgewählte Stellen in der gesamten Schweiz geplant.

Ähnliche Pilotprojekte wurden nun auch in Deutschland auf den Weg gebracht. Sowohl in Berlin, München als auch Wiesbaden sollen ausgewählte Ampeln ein extra Vorfahrt-achten-Schild mit Fahrradsymbol bekommen, um die Regelung und ihre Auswirkung auf den Straßenverkehr zu testen.

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