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Die Autorin

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Laura Heyer (25)
macht ein Volontariat bei bundestag.de und dem Parlamentsfernsehen

Bot-Entwickler
"Was Neues zu Trump?"

14.02.2017 |

Social Bots werden derzeit kritisiert, weil sie in sozialen Medien ihr Unwesen treiben. Doch nicht alle Bots sind "böse". Die Gründer des Chatbots Resi wollen seriöse Nachrichten verbreiten.

Kind mit Smartphone

Chat-Bot Resi: Nachrichten im WhatsApp-Style. – © picture alliance/chromorange

Knalliges Magenta-Rot, drei wippende Punkte, die wie ein Gesicht mit zwei Augen und einer kleinen Stupsnase in die Welt blicken – das ist Resi. Resi ist ein Chatbot. Eine App, die mir erzählt, was gerade läuft in der Welt. So, als würde ich mit einem Freund bei WhatsApp chatten: "Schön, dass du wieder da bist. Ich habe dich schon vermisst", schreibt sie, wenn ich die Resi-App öffne. Dazu schickt sie ein animiertes Bild von Homer Simson, der mir von der Couch aus zujubelt. Ist das die Zukunft des Journalismus?

News per Chat

Resi ist ein Chatbot mit sprechender Benutzeroberfläche. Wir kommunizieren, "sprechen", indem sie auf meine Texte reagiert. Dahinter steht eine Redaktion von Journalisten. Sie fügen Nachrichten in Form von kurzen Texten in ein System ein, die Resi dem Nutzer per Chat zuschickt.

Böse Bots, gute Bots

Resi hat nicht viel mit Social Bots gemein, auch wenn hinter beidem Programme stehen, die selbständig handeln und die daherkommen, als ob ein Mensch kommuniziert. Social Bots sind automatische Roboter, die in Sozialen Medien und in Leserkommentarbereichen von Onlinemedien aktiv sind. Sie senden vorformulierte Botschaften und erstellen neue, antworten auf gewisse Schlagworte oder retweeten automatisch Tweets von echten Personen. Social Bots trügen zu Manipulation und Desinformation bei, heißt es derzeit allerorten. Diskussionen würden so verzerrt, gar die Demokratie untergraben.

Der Gründer der Resi-App hat eher das Gegenteil im Sinn: Seriöser Journalismus in moderner, ansprechender Form. Kein langer Fließtext, keine drögen Nachrichten, einfache Sprache. Eine Mischung zwischen Information, Unterhaltung und Dialog.

Nachrichten für den Schulhof

Martin Hoffmann und die Entwickler von Resi sitzen zusammen an ihrem Workspace aus vier Tischen in Berlin-Mitte. Sie planen, lachen – "und manchmal arbeiten wir auch", sagt der Journalist und Social-Media-Experte mit einem Augenzwinkern. Denn Nachrichten haben nie Pause.

Die Theorie der Resi-Schöpfer ist simpel: Jeder hat ein gewisses Grundinteresse an aktuellen Informationen. Besonders für junge Leute, die vielleicht nicht immer zahlreiche Zeitungen lesen können oder wollen, könne man auf dem Smartphone kurz und individuell die wichtigsten Geschehnisse des Tages erklären, sagt Hoffmann. So kann jeder auf dem Schulhof mitreden.

Woher die Idee kam

Als Martin Hoffmann 2015 die Fitness- und Gesundheits-App "Lark" sah, war die Idee für Resi geboren. Die Anwendung auf dem Handy gibt dem Benutzer auch Tipps in Dialogform. "Ich habe mich damals gefragt, wie so ein Chat-Dialog mit journalistischen Themen aussehen könnten", sagt der Resi-Gründer.

Mit zwei befreundeten Web-Entwicklern entstanden dann die ersten Ideen zu Resi. Im Januar 2016 gründete Hoffmann die RESI Media UG in Berlin, hinter der heute ein Team aus sechs bis sieben Leuten steht – Journalisten und Web-Entwickler.

"Hast du noch andere Themen?"

Ich antworte Resi mit drei lachenden Emojis. Ob ich etwas Neues zu Donald Trump wissen will? Eigentlich gerade nicht. Die drei kleinen Punkte der Sprechblase in meinem Chat hüpfen auf und ab, während ich auf die Antwort warte – ganz so, als würde am anderen Ende jemand tippen. Resi schlägt mir Promi-News vor. Ich tippe lieber auf: "Hast du noch andere Themen"?

Ähnlich wie bei einer Mind-Map oder Multiple-Choice bekomme ich von Resi Antworten zur Auswahl, denn die App versucht vorherzusehen, was ich wohl sagen würde. Zu einem Thema bekommt man maximal drei kurze Nachrichten, eine bunte Animation, ein sogenanntes GIF, oder einen Link zu einem Artikel. Oft kann man Resi auch noch um mehr Informationen bitten. Oben rechts in der Ecke zeigt mir eine kleine Anzeige an, wie viele News gerade noch vorliegen. "Hast du noch andere Themen?" klicke ich wieder – unser Gespräch ist manchmal ein wenig einseitig.

Auswahl muss sein

"Unsere primäre Informationsquelle ist Twitter. Wir recherchieren dann bei anderen Medien und im Internet weiter oder prüfen Ereignisse zum Beispiel über Berichte von Augenzeugen, wenn das möglich ist", sagt Martin Hoffmann über die Nachrichten, die ich bei Resi nachlesen kann. Dass die Journalisten eine inhaltliche Auswahl treffen, findet Hoffmann nicht problematisch. Schließlich müssten alle Medien immer auswählen. Wichtig sei vielmehr, dass der Journalismus überhaupt unter die Leute gebracht werde: "Medien müssen schauen, wie sie heutzutage präsent sind".

Arbeitsbeginn: 4.45 Uhr

Als Kosename von Theresa ist Resi nicht nur ein deutscher Name, sondern auch der Vorname von Hoffmanns Freundin. Mittlerweile schickt Resi mir sogar Push-Mitteilungen. Diese Nachrichten erscheinen dann auf meinem Bildschirm, sobald es etwas Neues gibt. Auch hier ist alles bunt: Flaggen, Smileys oder andere Emojis untermalen den kurzen Text.

Damit Resi mich so auf dem Laufenden halten kann, steht Martin Hoffmann jeden Tag um 4.45 Uhr auf, sichtet und schreibt erste Nachrichten, bevor User wie ich aufwachen. Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht. Hoffmann hat Online-Journalismus studiert. Als Head of Social Media bei Welt/N24 konnte er viele Erfahrungen sammeln, zudem arbeitete er als Medientrainer. Jetzt ist er Vollzeit-Gründer.

Pläne für morgen

Zurzeit verdient das erste Start-Up für Messenger-Journalismus aber noch kein Geld. Die App ist kostenlos. Geplant für die Zukunft ist ein Modell aus drei Säulen: Firmen, Medienhäuser oder andere Organisationen, wie zum Beispiel Behörden, sollen die Funktionen der App gegen Lizenzgebühren ebenfalls nutzen können – als eigenen Chatbot mit eigenen Inhalten. Auch ein Bezahl-Abo und Werbung ist auf längere Sicht angedacht. In der Zukunft kann sich Hoffmann auch eine Erweiterung vorstellen. Zum Beispiel weitere Chats innerhalb der App – mit dem Bot des Lieblings-Fußballvereins oder der Pizzeria um die Ecke.

Und was ist gerade bei Resi los? "Hey", begrüßt sie mich. "Ich habe dich schon vermisst". Ich fühle mich ein wenig ertappt – schnell mal die News checken.

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