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Die Autorin

Marie_Illner 68x68

Marie Illner (21)
studiert Medienwissenschaften und Anglistik

Experte
"Ich sehe durchaus eine Gefahr"

14.02.2017 |

Können Bots die Bundestagswahl beeinflussen? Das wollte Marie von Politikberater Martin Fuchs wissen. Er war als Experte für Social Bots im Bundestag geladen.


Für Blogger und Politik-Berater Martin Fuchs sind Social Bots nicht unbedingt negativ zu bewerten. – © Martin Fuchs

Wer nutzt Social Bots und aus welchen Gründen?

Social Bots kann jeder nutzen, der einen Internetzugang hat und etwas programmieren kann. Die Codes sind teilweise offen verfügbar. Wer genau – in den Fällen, die nachgewiesen sind – Social Bots eingesetzt hat, ist fast unmöglich herauszufinden. Es gibt natürlich Indizien, aber das Schwierige bei Bots ist, dass sie nicht nachzuverfolgen sind. Bots bedienen mittlerweile ein riesiges Feld: Sie werden in allen gesellschaftlichen Bereichen eingesetzt – im Kulturbereich, in der Wirtschaft, sowie in der Politik. Die Motivationen ihrer Nutzung sind dementsprechend sehr unterschiedlich. Bots sind erst einmal eine Technologie, die weder positiv noch negativ zu bewerten ist, welche jedoch mit guten, als auch mit schlechten Absichten genutzt wird.

Welchen Einfluss haben Social Bots Ihrer Meinung nach auf die Gesellschaft?

Das grundlegende Problem bei Social Bots ist, dass es dazu noch keine wirklich belastbaren Studien und Zahlen gibt, auf deren Basis wir diskutieren könnten. Alle Annahmen, die zum Beispiel von führenden Wissenschaftlern getroffen werden, sind reine Hypothesen. Meine Einschätzung ist, dass Bots schon längst Einfluss auf unsere Meinungsbildung nehmen.

Besteht die Gefahr, dass Social Bots die kommende Bundestagswahl beeinflussen könnten?

Erst einmal begrüße ich, dass es in Deutschland jetzt eine breite Diskussion zum Thema gibt, denn das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Medienkompetenz. Was die Bundestagswahl betrifft, sehe ich durchaus eine Gefahr der Meinungsbeeinflussung. Die wird aber nicht messbar sein. Und es wird keine wahlentscheidende Beeinflussung sein. Man kann sagen, dass Social Bots dafür sorgen, dass die öffentliche Meinung verzerrt abgebildet wird. Sie setzen zum Beispiel Minderheitsthemen auf die politische Agenda und machen Themen in den klassischen Medien groß, die ohne Social Bots dort keinen Einzug gefunden hätten.

Sie sind als Politikberater tätig. Würden Sie Politikern und Parteien raten, Social Bots im Wahlkampf einzusetzen?

Ich würde definitiv dazu raten, denn ein Bot ist eine großartige Technologie, die für Parteien große Potentiale und Vorteile bietet. Entscheidend ist aber, dass sie transparent eingesetzt werden müssen! Im positiven Sinne könnten sie als Chat-Bot genutzt werden und potentielle Wähler rund um die Uhr betreuen. Diese könnten etwa über einen Messenger-Dienst Fragen stellen – beispielsweise, wie das Steuerprogramm der Partei aussieht. Vom Bot erhalten sie dann automatisch einen Link, der zur entsprechenden Stelle im Wahlprogramm führt. In diesem Zusammenhang können Social Bots den Menschen in den Partei- und Wahlkampfzentralen viel Arbeit abnehmen. Ich würde also dazu raten, wenn der Einsatz transparent ist und es nicht um Meinungsbeeinflussung, sondern um Serviceangebote geht.

In welcher Verbindung stehen Fake News und Social Bots?

Wenn Fake News als bewusst gefälschte Informationen, die in den Meinungsbildungsprozess einfließen sollen, verstanden werden, dann können Bots für eine große Reichweite von diesen Fake News sorgen.

Sollte der Gesetzgeber tätig werden und etwa eine Kennzeichnungspflicht für Social Bots einführen oder sie verbieten?

Ich bin generell für eine Kennzeichnungspflicht, da ich glaube, dass dies förderlich für die Transparenz wäre. Das könnte so aussehen, dass Online-Netzwerke anmerken, dass ein bestimmter Inhalt von einem automatisieren Account abgeschickt wurde. Dann kann jeder Nutzer selbst entscheiden, wie ernst er den geposteten Inhalt nimmt. Das Problem, das ich allerdings sehe, ist, dass es viele sogenannte Hybrid-Accounts gibt. Diese Accounts verschicken sowohl automatisiert, als auch manuell Nachrichten. Hier ist die Abgrenzung im Bezug auf eine Kennzeichnung schwierig. Eine Kennzeichnungspflicht muss also gut durchdacht werden.

Wie wird die Zukunft der Social Bots aussehen?

Erst kürzlich kam eine Studie heraus, die ergab, dass 52 Prozent des kompletten Internettraffics auf Social Bots beruht. Das liegt natürlich auch an Suchmaschinen wie Google, die Technologien einsetzen, welche überprüfen, was auf Websites aktualisiert wurde. Social Bots machen also schon jetzt einen enorm großen Anteil des Web-Traffics aus. Und er wird weiter wachsen: Immer mehr Bereiche im Internet werden nämlich automatisiert und standardisiert. Der Einsatz von Bots wird auch in der politischen Meinungsbildung zunehmen, was aber auch mit einer steigenden Medienkompetenz der Bevölkerung einhergeht.

Über Martin Fuchs:

Martin Fuchs ist Politikberater und Blogger. Er arbeitet unter anderem mit Regierungen, Parlamenten, Parteien, Politikern und Verwaltungen in Sachen digitaler Kommunikation zusammen. Er ist außerdem Lehrbeauftragter für Public Affairs an der Universität Passau und Dozent für Social Media und Politik an weiteren Hochschulen. Martin Fuchs bloggt über Social Media und Politik und schreibt als Kolumnist für das Fachmagazin "politik & kommunikation“.

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