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Erstwähler 2017
Wen wählen?

Constantin Germann

– © privat

Friederike, Constantin, Lou Antoinette, Noah, Laura und Marlon können im Herbst 2017 zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und zwei Kreuze machen. Sie berichten, wen sie vielleicht wählen, wen eher nicht und warum.

Constantin Germann: "Ich werde zwei Parteien ankreuzen"

Anfang September werde ich 18 Jahre alt und darf somit knapp bei der Bundestagswahl 2017 mitwählen. Ich bin Schüler der 11. Klasse und wohne in Freiburg im Breisgau. Ich bin sowohl in der katholischen Jugendarbeit als auch politisch ehrenamtlich aktiv. Mich interessieren gesellschaftliche und politische Themen sehr und daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich wählen gehen werde. Es bedeutet mir sehr viel, in einem Land leben zu dürfen, in dem ich selbst mitbestimmen und wählen darf. Ich sehe es zudem als meine Pflicht, meine Stimme abzugeben, um meine Partei, beziehungsweise meine Parteien zu unterstützen.

Von christlichen Werten überzeugt

Auf dem Wahlzettel werde ich nämlich zwei unterschiedliche Parteien ankreuzen. Mit meiner Erststimme unterstütze ich unsere grüne Abgeordnete Kerstin Andreae, die seit 2002 den Freiburger Wahlkreis im Bundestag vertritt. Sie ist die Abgeordnete, die den Wahlkreis meiner Ansicht nach am längsten und am besten kennt und auch mit ihrer politischen Einstellung am besten zu diesem Wahlkreis passt.

Ich denke, dass Kerstin Andreae als Volkswirtin sehr gut Ökonomie und Ökologie verknüpfen kann. Sie ist der Wirtschaft gegenüber sehr aufgeschlossen, verliert dabei aber nie die Umwelt oder soziale Fragen aus den Augen. Deswegen werde ich sie auf ihrem Weg zum ersten möglichen Direktmandat unterstützen.

Zweitstimme für die CDU

Meine Zweitstimme wird wahrscheinlich an die CDU gehen. Spätestens seit der Flüchtlingskrise steht die CDU für mich wieder stark für das Christliche. Ich selbst bin von christlichen Werten überzeugt und denke, dass diese in Zeiten von Populismus und Terrorismus gebraucht werden. Die CDU ist für mich die Partei, die zum Regieren geeignet ist und auch mit unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel viel Erfahrung hat.

Meine Stimme für die CDU ist ein Ja für die offenen Grenzen, eine Bestätigung für die vierte Amtszeit Angela Merkels, ein Ja zur bisherigen Politik und ein deutliches Ja für Europa.

Mit meiner schwarz-grünen Meinung nicht alleine

In meiner Familie haben wir recht ähnliche politische Ansichten. Wir unterhalten uns oft über politische Themen, die gerade in den Nachrichten auseinandergenommen werden – geben aber auch oft unsere Meinungen über das Spitzenpersonal der Parteien ab. Wirklich kontrovers wird es dabei aber nie.

In der Schule hingegen kommt man schnell in hitzige Auseinandersetzungen, gerade auch mit Freunden. In meinem Freundeskreis sind viele politisch interessiert und ich bin einer der wenigen, die im September schon wählen dürfen. Wir greifen oft Themen aus dem Politikunterricht oder den Nachrichten auf, diskutieren und versuchen, den anderen zu überzeugen. Mit meiner schwarz-grünen Meinung bin ich in meinem Freundeskreis nicht alleine, allerdings gibt es auch viele, die links wählen werden. Bei uns wird aber jede Meinung akzeptiert.

Nicht alles stimmt 100 Prozent

Es kann auch durchaus vorkommen, dass ich mit einer Position meiner Partei nicht zufrieden bin. Denn es gibt definitiv Themen, mit denen ich nicht übereinstimmen kann. Bei den Grünen zum Beispiel ist das die Vermögenssteuer, die erst kürzlich beschlossen wurde. Für mich stellt die Definition von sogenannten Superreichen keine gute Steuerpolitik dar. Auch die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens kann ich nicht unterstützen.

Was mich stört

Aber auch bei der CDU gibt es Dinge, die mich stören. Momentan ist das der Umgang mit dem Thema Ehe für Homosexuelle, denn für mich ist das eine klare Diskriminierung. Außerdem problematisch bei der CDU ist für mich das Thema bezahlbarer Wohnraum, da wir in den Städten sehr teure Mieten haben und die CDU in meinen Augen keine guten Ansätze liefert, um dieses Problem zu lösen. Hier empfinde ich das Programm der Grünen als konstruktiver. Letztendlich aber würde ich eine Partei erst dann nicht mehr wählen, wenn ihre und meine Grundsätze nicht mehr übereinstimmen.

Die Wahl meiner beiden Parteien bedeutet für mich eine ökologische Politik für den Mittelstand, die die Wirtschaft nicht verpönt, für Gleichberechtigung eintritt und auch nach christlichen Werten handelt.

Erstwählerin Lou Antoinette Godvliet

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Friederike, Constantin, Lou Antoinette, Noah, Laura und Marlon können im Herbst 2017 zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und zwei Kreuze machen. Sie berichten, wen sie vielleicht wählen, wen eher nicht und warum.

Lou Antoinette Godvliet: "Meine Stimme zählt"

Dieses Jahr das erste Mal an der Bundestagswahl teilnehmen zu können, bedeutet mir sehr viel. Mit 16 Jahren durfte ich bereits bei den Kommunalwahlen mit abstimmen und war unglaublich stolz. Ich fühlte mich erwachsen und voller Verantwortung. Die Bundestagswahlen sind natürlich noch ein Schritt weiter, sie tragen mehr Gewicht. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass meine Stimme zählt. Und es ist wichtig, dass viele junge Menschen wählen gehen. Es bringt nichts, sich im Nachhinein über das Ergebnis zu beschweren, wenn man nicht für seine Haltungen eingestanden ist.

Ich schätze das Wahlgeheimnis

Welche Partei ich wählen werde, möchte ich nicht verraten. Nicht, weil ich mich schäme. Nein, im Gegenteil: Ich bin sehr überzeugt von meinen Standpunkten und Haltungen. Dennoch ist das Wahlgeheimnis etwas, was ich sehr wertschätze. Natürlich rede ich mit Freunden darüber. Sie kennen mich so gut, dass sie gar nicht fragen müssen, welche Partei ich wählen werde. Trotzdem muss und will ich auch nicht mit jedem über meine politische Haltung diskutieren.

Meine beste Freundin wählt wie ich

In meiner Familie ist hauptsächlich mein Vater Ansprechpartner, da meine Mutter Niederländerin ist und daher kein Wahlrecht besitzt. Mein Bruder ist mit 15 Jahren noch zu jung. Mit meinen Kommilitonen spreche ich wenig darüber, da Politik unter Psychologiestudenten leider nicht sehr viel Anklang findet. Meine beste Freundin wählt auf jeden Fall die gleiche Partei wie ich. Auch andere Freunde wählen in diese Richtung. Wir diskutieren häufig über die verschiedenen Ziele der Parteien und versuchen dabei immer im Hinterkopf zu behalten, dass die Wahlprogramme mit viel Euphemismus gestaltet sind. Die bisherigen Erfahrungen und Schritte der einzelnen Parteien spielen dabei selbstverständlich auch eine Rolle.

Wichtig: Demokratie, Ressourcenschutz und Chancengleichheit

An erster Stelle steht für mich die Demokratie auf allen Ebenen. Was mir auch sehr am Herzen liegt, ist der Schutz der natürlichen Ressourcen und unserer Umwelt. Das schließt nicht nur ein nachhaltiges politisches Denken und Handeln mit ein, sondern auch die Fürsorge für alle Menschen auf dieser Erde. Jeder Mensch soll die gleichen Chancen haben, sich zu entfalten, und das Recht auf Individualität, Freiheit und soziale Sicherheit genießen. Eine demokratische Wertegemeinschaft sollte meiner Meinung nach auf der ganzen Welt verwirklicht werden, indem die Verletzung von Menschenrechten und Ideologien, die auf Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten abzielen, überwunden werden. Antifaschismus und Nächstenliebe sind dabei besonders wichtige Grundwerte, die für ein friedliches Zusammenwirken aller Staaten sorgen könnten.

Die meisten Punkte müssen stimmen

Ich habe noch niemanden getroffen, der sich wirklich mit der deutschen Politik auseinandersetzt und dabei in allen Punkten mit seiner Partei übereinstimmt. Aber das ist ein natürlicher Effekt der Demokratie. Letztendlich wählt jeder die Partei, der er in den meisten Punkten zustimmt. Ich möchte deshalb gar nicht auf einzelne Aspekte eingehen. Meine Partei stellt für mich nicht nur eine Möglichkeit dar, meine eigenen Ziele und Träume zu verwirklichen, sondern auch eine Familie, in der Gleichberechtigung ganz groß geschrieben wird.

Erstwählerin Laura Schieritz

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Friederike, Constantin, Lou Antoinette, Noah, Laura und Marlon können im Herbst 2017 zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und zwei Kreuze machen. Sie berichten, wen sie vielleicht wählen, wen eher nicht und warum.

Laura Schieritz: "... weil die FDP daran glaubt, dass ich alles schaffen kann"

Für mich sind Wahlen das erste und einfachste Mittel der Partizipation in unserer Demokratie. Bei der letzten Landtagswahl in Brandenburg war ich Wahlhelfer und hatte einen interessanten Einblick in den Prozess der Stimmabgabe und Auszählung bei einer Wahl.

Ich kandidiere selbst

Der Gang zur Wahlurne ist mir nicht ganz neu. Ich konnte als 16-Jährige schon bei den Landtags- und Kommunalwahlen 2014 meine Stimme abgeben. Die Bundestagswahl 2017 ist trotzdem besonders. Ich kandidiere nämlich auch auf der Landesliste der FDP Brandenburg für den Bundestag.

Ich wähle dementsprechend auch die FDP. Die Werte Freiheit und Selbstverantwortung sind für mich als jungen Menschen unglaublich wichtig. Und die FDP vertritt diese Werte. Gerade in der aktuellen Debatte finde ich es absolut gut und richtig, dass die FDP nicht in die populistische Hetze gegen Flüchtlinge einstimmt, sondern lösungsorientiert argumentiert. Die Forderung nach einem Einwanderungsgesetz finde ich sehr gut, denn Deutschland braucht Zuwanderung. Zudem steht das Thema Bildung für mich besonders im Vordergrund. Die FDP steht für ein Output-orientiertes statt Ideologie-orientiertes Schulsystem, in dem die Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielt.

Parteibeschlüsse sind nicht in Stein gemeißelt

Für eine vollständige Übereinstimmung mit dem Wahlprogramm müsste man sicherlich eine eigene Partei gründen. Aber Parteibeschlüsse sind ja auch nicht in Stein gemeißelt. Ich beteilige mich gern an der innerparteilichen Demokratie und versuche dann auch, Punkte zu ändern, die mir nicht gefallen. So würde ich mir bisweilen wünschen, die FDP verträte einen noch sozialeren Liberalismus.

Andere Meinungen hören

Durch mein Engagement in der Politik kommt natürlich früher oder später immer das Gespräch auf Parteien und Wahlentscheidungen. Oft werde ich gefragt, was ich da eigentlich mache und wie ich zur Politik gekommen bin. Diese Gespräche halte ich aber kurz, lieber diskutiere ich konkrete und aktuelle Themen mit meinen Freunden, um auch andere Meinungen zu hören. Ich kenne auch viele in der Jugendorganisation der Partei – da ist Politik natürlich Thema Nummer 1.

Niemandem etwas aufdrängen

Aber nicht alle meine Freunde wählen die FDP. Da bin ich dann natürlich tolerant und dränge auch niemandem meine Meinung auf. Das scheint der richtige Weg zu sein – ich konnte schon einige meiner Freunde ebenfalls für einen Eintritt bei den Jungen Liberalen begeistern. Ich wähle die FDP, weil sie daran glaubt, dass ich alles schaffen kann.

Erstwähler Marlon Jungjohann

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Friederike, Constantin, Lou Antoinette, Noah, Laura und Marlon können im Herbst 2017 zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und zwei Kreuze machen. Sie berichten, wen sie vielleicht wählen, wen eher nicht und warum.

Marlon Jungjohann: "Ernsthaft Gedanken machen"

Das Wahlrecht ist ein Recht, für das Menschen jahrhundertelang gekämpft haben. Wir haben allein darum, denke ich, die Pflicht, uns ernsthaft Gedanken zu machen, wen wir an der Spitze unseres Staates haben wollen. Es ist für mich das Mindeste an politischer Partizipation. Darum ist es mir wichtig, erstmals zur Entscheidung beizutragen, wer Deutschland die nächsten vier Jahre regiert. Es ist ein Schritt des Erwachsenwerdens.

Was mich stört

In unsere aktuelle Bundesregierung habe ich zu großen Teilen wenig Vertrauen. Es stört mich, dass seit zwölf Jahren die gleiche Person im Kanzleramt sitzt, dass meiner Meinung nach mächtige Steuerhinterzieher durch Nichterwerb beweislastiger CDs geschützt und Waffen an Scheichs geliefert werden, die Terrororganisationen unterstützen.

Wer sind diejenigen, die dies öffentlich anprangern? Es sind Menschenrechtler und Oppositionspolitiker, die mir in Talkshows glaubhaft machen, dass sie diese Probleme nicht nur erkennen, sondern ihnen begegnen wollen. Ihnen möchte ich bei der Wahl 2017 mit meiner Stimme zeigen, dass ich von ihnen denke, dass sie Deutschland zumindest sozial weiterbringen. Darum kommt für mich die Linke absolut in Frage.

SPD wäre auch eine Möglichkeit

Im Unterricht fragte kürzlich ein Mitschüler, wer aus unserem Philosophiekurs die CDU wählen würde. Ein einziger Finger ging zögerlich hoch. Aus meinem Freundeskreis ist mir kein Wähler der CDU bekannt. Eine Freundin äußerte, sie wolle für die SPD stimmen und wies auf die Tradition dafür in ihrem Umfeld hin.

Tatsächlich stellt auch für mich die SPD eine Möglichkeit dar. Ich identifiziere mich mit sozialdemokratischen Ideen wie den Rechten für Arbeiter, Sozialversicherungen und Gewerkschaften. Das Vorgehen gegen Russland, das Abhören des eigenen Volkes und Waffenexporte sind jedoch Aspekte einer Regierung, deren Teil sie momentan sind. Was im Moment zählt, sind die Masseneinwanderung nach Deutschland, der Umgang mit den USA unter einer republikanischen Regierung und die Auseinandersetzung mit dem Rechtsschub im EU-Ausland und innerhalb der Bundesrepublik.

Ich halte es mir offen

Wen ich tatsächlich wählen werde, möchte ich mir bis nächstes Jahr offenhalten. Wichtig ist es mir, Debatten zu folgen und mir die Kanzlerkandidaten der einzelnen Parteien bei Wahlkampfveranstaltungen anzuhören. Bislang sehe ich meine persönlichen Prinzipien am ehesten im öffentlichen Auftreten der Linken und der Grünen vertreten, sie sollten eine Chance bekommen, ihr Können bundesweit unter Beweis zu stellen. Sie brächten Abwechslung und neuen Wind.

Erstwähler Noah Schöppl

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Friederike, Constantin, Lou Antoinette, Noah, Laura und Marlon können im Herbst 2017 zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und zwei Kreuze machen. Sie berichten, wen sie vielleicht wählen, wen eher nicht und warum.

Noah Schöppl: "Keine Partei überzeugt mich vollkommen"

Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich wählen werde, bin ich noch unentschlossen, welche Partei meine Stimme bekommt. Ich möchte den verschiedenen Parteien zuhören und mich dann entscheiden. Grundsätzlich finde ich in der deutschen Parteienlandschaft keine Partei, die mich vollkommen überzeugt und an der ich keine Kritik hätte. Trotzdem gibt es natürlich Parteien, die mir näherstehen, zum Beispiel die SPD oder Bündnis 90/Die Grünen, als andere, wie zum Beispiel die CSU oder die AfD.

Andere Perspektiven sind wichtig

Meiner Erfahrung nach kann man sich am besten über seinen eigenen Standpunkt klarwerden, indem man sich mit Freunden unterhält, die andere politische Überzeugungen haben, oder mit Vertretern verschiedener Parteien. Sich nur mit Leuten zu unterhalten, die ähnliche Meinungen haben, finde ich langweilig. Nur indem man sich unterschiedliche Menschen anhört, kann man verschiedene Perspektiven verstehen lernen und testen, wie valide die eigene Meinung ist. Einen produktiven Dialog verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu finden, ist gerade in Zeiten, in denen der Ton rauer wird und die Meinungen wieder weiter auseinandergehen, von äußerster Wichtigkeit.

Meine Themen: Krisen, Klima und Gesellschaft

Die Entscheidung, welche Partei meine Stimme bekommt, hängt auch von meinem Vertrauen in die Kanzlerkandidaten der Parteien ab, aber vor allem davon, welche Partei mich mit den besseren Argumenten im Wahlkampf überzeugt. Leider verbringt die öffentliche Diskussion viel zu viel Zeit mit persönlichen Details über Politiker und mit Spekulationen darüber, wie die Gewinnchancen stehen, als mit politischen Inhalten. Es gibt viele Themen, die mir in dieser Wahl wichtig sind:

1) Dass Deutschland – ein relativ reiches Land – seine humanitäre Verantwortung in dieser krisendurchsetzten Welt wahrnimmt.

2) Dass die Regierung angesichts von Ressourcenverknappung und Klimawandel entschiedenere Maßnahmen zur Sicherung unserer Wirtschafts- und Lebensgrundlage ergreift.

3) Dass die Partei, die ich wähle, sich in einer zunehmend ungleichen und gespaltenen Gesellschaft für sozialen Zusammenhalt, Chancengleichheit und die Etablierung einer ethischen Marktwirtschaft einsetzt.

Politische Landschaften werden revolutioniert

Aber leider weiß ich, dass diese Themen im Wahlkampf nicht oben auf der Agenda stehen werden. Geschichtsvergessene Wahlergebnisse wie beim Brexit oder Trump und womöglich 2017 bei den bevorstehenden Wahlen in den Niederlanden und Frankreich, in denen weitere rechte Erfolge erwartet werden, zeigen, in was für aufregenden Zeiten wir leben.

Etablierte politische Landschaften werden revolutioniert – im Herbst 2017 vielleicht auch in Deutschland. Das zeigt, dass grundlegende politische Änderungen möglich sind, was der jungen Generation Hoffnung auf ihre Gestaltungsfähigkeit geben sollte. Leider geschehen Veränderungen aber nicht immer zum Guten – deshalb müssen wir debattieren, wählen gehen und uns politisch engagieren.

Erstwählerin Friederike Huff

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Friederike, Constantin, Lou Antoinette, Noah, Laura und Marlon können im Herbst 2017 zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und zwei Kreuze machen. Sie berichten, wen sie vielleicht wählen, wen eher nicht und warum.

Friederike Huff: "Wo ich mein Kreuz setze? Wahlgeheimnis!"

In einer staubigen Turnhalle oder einem Klassenzimmer zwei Kreuze auf ein Blatt Papier zu machen – wie ein magischer Moment hört sich das nicht unbedingt an. Für mich hat es aber eine große persönliche Bedeutung, das erste Mal zu wählen, quasi als der letzte Schritt zum Erwachsenwerden. Dass ich mich im September ins Wahllokal begeben werde, steht für mich außer Frage. Denn selbstverständlich ist die Möglichkeit, zu wählen, bis heute nicht, wie ein Blick über unsere Ländergrenze hinaus zeigt.

Nach Artikel 20 des Grundgesetzes geht in einer Demokratie alle Staatsgewalt vom Volk aus. Gerade diese Staatsgewalt üben wir in Wahlen aus und müssen sie auch ausüben, damit Demokratie funktionieren kann. Und alle vier Jahre zum Wahllokal zu gehen, ist ja wohl wirklich nicht zu viel verlangt.

Verantwortung der jungen Leute

Gerade bei der nächsten Bundestagswahl finde ich es wichtiger denn je, seine Stimme der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu geben. Besonders wir jungen Leute sind in Zeiten des demografischen Wandels in der Verantwortung – sonst sind unsere Interessen im Bundestag bald nicht mehr repräsentiert. Was passiert, wenn die Wünsche der Jugend überstimmt werden, haben der Brexit (Austritt Großbritanniens aus der EU) und die US-Wahl in diesem Jahr schon zur Genüge gezeigt. Ich finde es bemerkenswert, dass, wenn nur die Jugend gewählt hätte, Hillary Clinton Präsidentin und Großbritannien weiterhin ein Teil der EU wäre.

Es kann noch viel passieren

Wo ich mein Kreuz setzen werde, kann ich heute noch nicht sagen – wenn ich es könnte, würde ich das als Freundin des Wahlgeheimnisses aber auch nicht tun. Denn in den verbleibenden zehn Monaten bis zur Wahl kann noch viel passieren, auf das die Politik reagieren muss. Das wird meine Wahlentscheidung beeinflussen. Wenn jeder jetzt schon wüsste, wen er wählt, wäre der Wahlkampf schließlich verschwendetes Geld. Fest steht aber, dass ich Debatten, Parteiprogramme und Diskussionen intensiv verfolgen werde, um im September die beste Entscheidung zu treffen.

Meine Themen: Flüchtlingspolitik, Europa und Rente

Eine zentrale Frage im Wahlkampf ist für mich die Flüchtlingsfrage. Einer Partei, die sich gegen ein vielfältiges und weltoffenes Deutschland ausspricht und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellt, werde ich meine Stimme nicht geben. Weit oben auf der Agenda steht für mich außerdem Europa: Für eine gute Zukunft halte ich ein geeintes Europa für notwendig.

Eigenen Standpunkt hinterfragen

Aber auch Themen, die nicht so spannend klingen, finde ich wichtig: Ob eine weitreichende Reform im Rentensystem realisiert wird, bestimmt die Zukunft unserer Generation maßgeblich mit. Diskussionsplattform Nummer eins über Politik ist bei mir, wie es sich für eine Politikwissenschaftlerin gehört, ganz klar die Uni. Andere Standpunkte als meine, finde ich dabei gerade spannend, um meinen eigenen zu hinterfragen, und um neue Aspekte zu bedenken.

Kommentare

 

Johannes schrieb am 19.05.2017 21:34

Ist das dein Ernst?

 

 

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